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In der Krise geht der Trend zur Urne

07.12.2009 | 18:15 Uhr
In der Krise geht der Trend zur Urne

Vest. „Gestatten, Bestatter! Bei uns liegen Sie richtig!” So wie dieser skurrile Buchtitel wird kaum ein Beerdigungsunternehmer für sich werben. Dennoch wird die Reklame für das Geschäft mit dem Tod immer notwendiger. Denn Leben in der Weltwirtschaftsmisere heißt auch Sterben in Zeiten der Krise.

Immer mehr Menschen wollen wissen, wie sie möglichst billig unter die Erde kommen. Das Tabuthema Tod wird zum Rechenexempel.

Sparen am letzten Weg, wie das geht, darüber unterhielten wir uns mit der Oer-Erkenschwicker Bestatterin Ulrike Nowak. Ja, sie spüren die Krise in den letzten Jahren immer deutlicher, bestätigen sowohl die 52-jährige Fachfrau als auch ihr Hertener Kollege Bernd Kessen. Beide haben den Überblick. Kessen ist Vorsitzender des Bestattungsverbandes im Kreis Recklinghausen, Ulrike Nowak seine Stellvertreterin. Beide Traditionsunternehmen sind seit vielen Jahren in Familienhand.

Teure Gruften bleiben leer

„Dass die Leute weniger Geld in der Tasche haben, das fällt extrem auf”, sagt Nowak. Gestorben wird natürlich immer. Aber immer preiswerter. Teure Gruften auf den kommunalen und kirchlichen Friedhöfen bleiben immer häufiger leer. Es wird mit dem spitzen Stift gerechnet.

„Gerade jetzt nach den Novembertrauertagen kommen viele Menschen zu mir, die ein Kostenvoranschlag für ihre spätere Beerdigung interessiert.” Eine zweite Welle, weiß die Bestatterin aus Erfahrung, rollt nach Neujahr an: „Dann hat man offensichtlich das Gefühl, so wichtige Dinge regeln zu müssen.” Regeln, das geht auch mit Hilfe des bundesweiten Bestatterverbandes. Dort können Vorsorgeverträge abgeschlossen werden mit allen Wünschen für den eigenen, letzten Gang, die auch gleich bezahlt werden: „Für viele die einzige Chance, um später halbwegs gut unter die Erde zu kommen.”

Viele legen Geld für die Bestattung zurück

Besonders ältere Menschen wollen Vorsorge treffen, wollen wissen, was im Todesfall auf ihre Kinder zukommt und diese nach Möglichkeit entlasten: „Wenn die einen Kostenvoranschlag in der Tasche haben, dann legen sie das Geld zurück.” Viele entscheiden sich inzwischen aus Kostengründen für eine anonyme Bestattung, aber nicht nur deshalb: „Manche haben lange das Grab ihrer Eltern gepflegt und wollen das ihren Kindern nicht zumuten.”

Der Trend geht zu Urne und Anonymität. Ulrike Nowak weiß, dass Gruften immer seltener belegt werden und „selbst Reihengräber sind ja ziemlich teuer”. Früher, erinnert sich die gebürtige Gelsenkirchenerin, die das Geschäft von ihrer Tante übernommen hat, wurde kaum nach Preisen gefragt. Nicht zuletzt, weil es noch Sterbegeld von den Krankenkassen gab. Und weil es als pietätlos galt, im Angesicht des Todes von Geld zu reden. Heute werde zwar nicht gefeilscht, aber gerechnet. Ulrike Nowak beruhigt: „Eine Beerdigung kann auch schön und würdig sein, wenn sie kostengünstig ist.”

Und wie kommt man am billigsten unter die Erde? Ulrike Nowak rechnet vor. Die Einäscherung kostet rund 300 Euro, der billigste Sarg aus Kiefer etwa 430, das anonyme Grab in Erkenschwick circa 450 Euro. Dazu kommen Kosten für Totenschein, Urkunden, Grabbereitung durch die Stadt und das Geld für den Bestatter: „Selbst die preiswerteste Bestattung schlägt immer noch mit 1500 bis 2000 Euro zu Buche.” Dabei fehlt jeder „Luxus” wie Kapelle, Orgel, Blumenschmuck. Und das letzte Hemd wird dabei garantiert kein nagelneues Designerteil, sondern ein gebrauchtes sein.

Elisabeth Höving

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