Impulsgeber für den Integrationsprozess
20.01.2012 | 16:45 Uhr 2012-01-20T16:45:00+0100
Waltrop. Dieter Wirdeiers Foto-Ausstellung im Rathaus zeigt das Wirken Waltroper Migranten. Staatssekretärin Zülfiye Kaykin kam zur Eröffnung.
Seit einigen Tagen sind die Gänge und Flure im Rathaus mit einer neuen Fotoausstellung geschmückt, auf den ersten Blick wahllos geknipste Schnappschüsse aus der Fußgängerzone und Gewerbegebieten. Doch bei näherem Hinsehnen erschließt sich dem Betrachter, dass alle Läden, Imbiss- und Metallbaubetriebe eine Gemeinsamkeit haben – die Chefs haben einen Migrationshintergrund.
Der Hobbyfotograf und Integrationskämpfer Dieter Wirdeier hat sich in den letzten Monaten mit offenen Augen durch die Stadt bewegt und mit seinen Fotos die Gesichter gezeigt, die sich hinter den Theken, Kassen und Firmen oft verbergen.
„Es haben sich längst nicht alle fotografieren lassen“, sagt Wirdeier, ist aber froh, dass er mit seinen 30 Geschichten dem Behördengänger zeigen kann, wie bunt die Stadt ist. Dabei sind es längst nicht nur Döner-Buden und Kioske, die unter Führung von Migranten ihre Dienste anbieten. So gibt es ein Hotel unter jugoslawischer Führung, ein portugiesisches Café und eine norwegische Software-Schmiede, um nur einige der Beispiele zu nennen. „In Waltrop wird Integration eher gelebt als gedacht – viele wissen gar nicht, wer der Inhaber ist“, sagt Ali Osman Tokalak, der lange dem Ditib-Moscheeverein vorgesessen hat.
Um die Wichtigkeit des Themas auch in kleinen Städten zu unterstreichen, kam zur Eröffnung der kleinen Ausstellung, aber auch als Impulsgeberin für einen städtischen Integrationsprozess, die Staatssekretärin für Integration des Landes Zülfiye Kaykin. Bürgermeisterin Anne Heck-Guthe freute sich nicht nur über die gut 100 Gäste, die gekommen waren, sondern auch, dass zum ersten Mal ein Mitglied der aktuellen Landesregierung sich in das Goldene Buch der Stadt eintrug.
Für die Staatssekretärin war es auch ein Zeichen, dass Integration im Ruhrgebiet nicht nur in Duisburg-Marxloh oder in der Dortmunder Nordstadt angestrebt und gelebt wird. Wie wichtig das Thema ausländische Unternehmer sei, zeigte Zülfiye Kaykin an zwei Zahlen auf. Es gibt in NRW 25 000 Unternehmen mit 300 000 Beschäftigten mit ausländischen Wurzeln. Der Integrationsprozess, der in der Stadt mit rund 1300 aus dem Ausland stammenden Einwohnern gefahren wird, sei ein wünschenswerter, aber besonderer: „In Waltrop kommt man nicht nur zusammen, wenn Politiker dabei sind“, sagte die Staatssekretärin.
Es wird noch bis zum Frühsommer unter der Moderation von Experten in zwei Arbeitsgruppen an dem Masterplan Integration gearbeitet, doch einen Integrationsrat hält die Stadtspitze für nicht zielführend. „Ich wünsche mir mehr Bürger mit Migrationshintergrund in der richtigen Politik“, empfahl die Bürgermeisterin.
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