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04.09.2008 | 17:57 Uhr

Mit dem Hans-Katzer-Haus hat das Union Sozial Werk in Eigeninitiative einen Treffpunkt für Selbsthilfegruppen in Marl geschaffen. Ein hürdenreicher Weg für den Hochbunker

Der Hochbunker an der Lipper Straße 78 hat sich in den vergangenen acht Jahren zu einem Zentrum für Selbsthilfegruppen entwickelt. Foto: WAZ, Jürgen Hein

Marl. Am Anfang stand eine faszinierende Idee: Ein Haus für alle Marler Selbsthilfegruppen, ein Treffpunkt für Vereine, eine Begegnungsstätte, die Kontakte herstellt. Und das alles auch noch auf Privatebene organisiert und finanziert. Tatsächlich wurde daraus ein hürdenreicher Weg mit einer schließlich doch erfolgreichen Begegnungsstätte. Aber noch immer muss "nachjustiert" werden.

Statt nach öffentlichen Geldern zu rufen oder ein kostspieliges städtisches Konzept entwickeln zu lassen, ergriffen die Marler selber die Initiative: Hubert Schulte-Kemper, Karl-Heinz Dargel und Günter Zöllner erwarben einen Hochbunker mitten in Brassert, nachdem eine Möbel-Fundgrube aus dem Wirrwarr von kleinen Räumen ausgezogen war.

Und weil das Gebäude für einen sozialen Zweck gedacht war, schlug sich das in einem günstigen Preis nieder. Damals, vor acht Jahren, wurde das Union Sozial Werk gegründet und verankerte sich in den Marler Köpfen gleich mit der CDU - schließlich sind die drei Käufer engagierte CDU-Politiker.

Die anfängliche Begeisterung der Marler Selbsthilfegruppen über "ihren" Treffpunkt zerbrach schnell. Die Ursachen sind nicht eindeutig festzumachen. Aber in der SPD-Hochburg Marl mögen auch politische Vorbehalte eine Rolle gespielt haben. Verstärkt durch die Entscheidung der CDU, hier ihre Parteizentrale einzurichten, mit ihren Leuten die Organisation in die Hand zu nehmen und das Haus nach einem CDU-Sozialpolitiker zu benennen: „Hans-Katzer-Haus".

Die Vorbehalte konnten die Aktivitäten aber nicht bremsen: Küche und Sanitäranlagen wurden ausgebaut, Gruppen trafen sich, private Feiern am Wochenende fanden statt. Das Netzwerk Ehrenamt zog ein, der Sozialverband der Rentenberater. Die Billardfreunde richteten sich ein - keine einfache Sache angesichts von Beton-Mauern die bis zu 1,80 m stark sind. Der Minsk-Laden organisierte ein Lager und hat heute einen eigenen Eingang.

Das Union Sozial Werk bietet Beschäftigungen für Kinder- und Jugendliche, es gibt einen Hausaufgabenkreis, Männer kochen, viele Einrichtungen haben hier ihre Teffen - von den Weightwatchers bis zu den Briefmarkenfreunden. "Immer ist etwas in Bewegung", berichtet Karl-Heinz Dargel.

Das betrifft auch das Gebäude. Es sollte nach dem Kauf vor acht Jahren mit dem Bedarf der Gruppen wachsen. Zunächst gab es hochfliegende Pläne mit Penthouse-Wohnungen auf dem Dach. Dann wurde ein großer Versammlungssaal erwogen. Beides ist im Augenblick nicht mehr aktuell.

Es gibt näher liegende, dringende Aufgaben wie beispielsweise einen Aufzug, der jetzt endliche Chancen auf eine Verwirklichung hat, weil die "Aktion Mensch" sich mit 80.000 Euro beteiligt. Und ein Nottreppenhaus ist auch noch nötig. Alles eine Frage des Gel-des, denn die Einnahmen tragen lediglich die Abtragung und die laufenden Kosten.

Noch immer hängt dem Haus der Verdacht an, eine CDU-Einrichtung zu sein. Was Karl-Heinz Dargel energisch dementiert und auf die unterschiedlichen Telefonnummern hinweist. Auch wenn sich dann dort auch die Stimme einer CDU-Mitarbeiterin meldet.

"Unser Ziel ist es, eine hauptamtliche Mitarbeiterin für das Hans-Katzer-Haus zu haben." Eine Frage des Geldes. Das fehlte auch, um das Haus zu einem "Offenen Treff" umzubauen. Dafür hätte es über Jahre einen Zuschuss gegeben. Das Union Sozial Werk musste verzichten.

Es muss seinen eigenen Weg gehen. Wie schon so oft in den letzten Jahren.

Gert Eiben

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