Im Bann der Chemie
22.12.2010 | 16:34 Uhr 2010-12-22T16:34:00+0100
Recklinghausen.Lisa studiert. Die 16-Jährige besucht die 12. Klasse des Gymnasium Petrinum und schon im dritten Semester die Ruhr-Universität.
Als Schülerstudentin nimmt sie begeistert an der SchülerUni Bochum teil, einem Projekt, das seit 2002 besonders motivierte und leistungsstarke Schülerinnen und Schüler fördert.
Ein Semester lang gehen die Jungen und Mädchen in eine Lehrveranstaltung. In den meisten Fällen können sie am Ende eine Klausur mitschreiben oder auf andere Weise einen Leistungsschein machen. Viele sind „Wiederholungstäter“. So machen auch in diesem Winter- wie schon im vergangenen Sommersemester über 140 Schüler aus der Region mit, davon rund die Hälfte als „Rückmelder“ im zweiten oder dritten Semester.
Eine von ihnen ist Lisa Törk. Vor den Herbstferien 2009 wollte sie einfach mal rein schnuppern in den Unialltag und suchte im Internet Veranstaltungen an der RUB, die sie als Schülerin besuchen kann. Dabei entdeckte sie das Angebot der SchülerUni und meldete sich für Chemie an. „Eigentlich mag ich in der Schule alle Fächer“, verrät Lisa, „aber die Chemie und das naturwissenschaftliche Arbeiten an der Uni haben mich voll in ihren Bann gezogen.“ Bescheiden gibt sich die Fast-schon- aber Noch-nicht-ganz-Studentin, die sowohl in der SchülerUni weitermachen als auch später Chemie in Bochum studieren und danach an der Uni bleiben will. Konkrete Vorstellungen über ihren weiteren Lebensweg hat die Schülerin und der bisherige Erfolg gibt ihr völlig Recht.
Dabei war der Anfang gar nicht so leicht: „Im ersten Semester habe ich Allgemeine Chemie gehört und das zugehörige Praktikum absolviert“, erzählt Lisa. „Zu Beginn des Semesters haben wir Studenten gestöhnt, dass das so viel Stoff ist und man sich gar nicht alles merken kann. Der Professor hat dann alle beruhigt und das Chemiestudium mit einem Netz verglichen. Am Anfang ist das noch grobmaschig, doch je länger man studiert, desto engmaschiger wird es. Und das stimmt auch“, so Lisa.
Die junge Dame ist in der Schule gut, sehr gut, und hat in ihrem zweiten Semester an der Uni sogar eine Klausur mit 1,0 bestanden - doch eine Überfliegerin ist sie nicht. In der ersten Klausur hat sie eine 3,3 geschrieben. Lisas wesentliche Erkenntnis im dritten Semester SchülerUni: „Ich habe an der Universität gelernt zu lernen.“ So absolvierte sie im vergangenen Sommersemester die Organische Chemie I als eine von drei Teilnehmern mit der Bestnote.
Und wie reagieren die echten Studierenden auf die Schülerin in ihren Reihen? „Unterschiedlich“, erzählt Lisa, „manche sind erstaunt und fragen mich, warum ich das jetzt schon mache, anstatt die Schul- beziehungsweise Freizeit zu genießen. Andere finden es megacool.“
Lisa macht weiter. In diesem Semester steht Organische Chemie II auf dem Programm, zudem die Veranstaltungen „Methoden der Strukturanalyse“ und „Analytische Chemie I“. Außerdem hatte sie zusammen mit einer anderen Schülerstudentin die Möglichkeit, in den vergangenen Herbstferien einen Teil des organischen Praktikums zu absolvieren und Einblick in die Laborpraxis zu bekommen. „Das macht genauso viel Spaß wie die Theorie.“
Mehr ist momentan nicht drin, denn die regelmäßige Teilnahme am Praktikum würde bedeuten, dass ein Semester lang ein ganzer Tag Schule für sie ausfällt. Das widerspräche dem Grundgedanken der SchülerUni, bei der seit dem Start im Wintersemester 2002/2003 gilt: Die Schule geht immer vor.
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