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Horizont-Observatorium bleibt mit einem Bauzaun abgesperrt

23.12.2009 | 13:23 Uhr
Horizont-Observatorium bleibt mit einem Bauzaun abgesperrt

Herten/Recklinghausen. Auch nach einem Jahr wird der Zaun immer noch nicht abgebaut. Dabei sollte das Observatorium auf der Halde Hoheward an vier Terminen im Jahr all seine Magie entfalten.

Am 21. März, 21. Juni, 23. September, 21. Dezember – für die Tage der Sonnenwenden bzw. der Tag- und Nacht-Gleiche ist das Horizont-Observatorium hoch oben auf der Halde Hoheward gebaut. Dann wird der Lauf der Sonne im Jahreskreis mit Hilfe der beiden riesigen Stahlbögen besonders anschaulich erlebbar. Doch seit genau einem Jahr ist das nur schöne Theorie. Die Wirklichkeit, das sind zwei Schwerlaststützen und ein Bauzaun, der Besucher vom idealen Punkt für die Himmelsbeobachtung fernhält.

Nur wenige Tage nach der offiziellen Einweihung der einzigartigen Anlage wurde ein Riss in einer Schweißnaht am Kreuzungspunkt der Himmelsbögen entdeckt. Seither, also seit einem Jahr, diskutieren der Regionalverband Ruhr (RVR), der das Observatorium in Auftrag gegeben hat, und die Münchener Stahlbaufirma über Ursachen, Verantwortlichkeiten und damit über die Frage, wer für den Schaden geradezustehen hat.

Auch 2010 kann das Observtorium nicht vollständig genutzt werden

Ulrich Carow leitet den Grünbereich beim RVR. Ulrich Carow

Eine Antwort liegt bis heute nicht vor, die Anlage wird auch zum Start ins Kulturhauptstadtjahr 2010 nicht in vollem Umfang nutzbar sein. „Aber wir versuchen alles Mögliche, um das Observatorium in einen Zustand zu bringen, dass auch der Innenraum doch wenigstens teilweise begehbar wird”, erklärt Ulrich Carow, Leiter des Grün-Bereichs beim RVR, im Gespräch mit der WAZ. Es sei aber unbedingt die Frage zu klären, ob die beiden Stützen ausreichen, um Personen unter die Bögen zu lassen, oder ob möglicherweise eine weitere statische Absicherung notwendig ist.

Weil keine gütliche Einigung möglich war, ist der Riss jetzt ein Fall für die Justiz. Das Landgericht Bochum hat ein Beweissicherungsverfahren eröffnet, in dem mit Hilfe von Gutachtern geklärt werden soll, was genau passiert ist und ob fehlerhafte Planung oder ein Versäumnis beim Bau dafür verantwortlich ist. Ein ungewöhnliches Problem dabei: Wegen der Einzigartigkeit der Konstruktion waren viele Experten im Vorfeld an der Planung beteiligt. Ulrich Carow: „Deutschlandweit waren nicht mehr viele Gutachter zu finden, die sich mit diesem Problem befassen konnten.”

Nun aber können die von beiden Seiten hinzugezogenen Fachleute loslegen. Wann sie zu Ergebnissen kommen, ist völlig offen. Auch die Frage, ob nach 2009 auch das Kulturhauptstadtjahr 2010 auf Hoheward nur mit „getrübtem Blick” (Carow) zu erleben sein wird, lässt sich heute nicht beantworten. Klarheit herrscht nur insoweit: Mindestens für den Jahreswechsel wird der RVR wieder einen Wachdienst auf den Haldengipfel schicken, denn ein Besuchermagnet ist Hoheward trotz allem.

  • Schweißnaht mit Folgen: 250 Tonnen Gesamtgewicht, 90 Meter Spannweite, 45 Meter Höhe, dabei nur 18 Millimeter Toleranz. Es sind beeindruckende Zahlen, die für das Horizont-Observatorium auf der Halde Hoheward stehen, das gerne auch „modernes Stonehenge” genannt wird. Die andere Seite dieser Medaille sind gewaltige Beanspruchungen durch Temperaturunterschiede und Windlasten. Eine vergleichsweise kleine Schweißnaht hat diesem Druck nicht standgehalten. Sehr schade für dieses Wahrzeichen des Ruhrgebietes.

Ernst zur Nieden

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Kommentare
23.12.2009
22:58
Horizont-Observatorium bleibt mit einem Bauzaun abgesperrt
von Udo Surmann | #2

Traurig ist es bei uns in dem gesamten Land, dass es Menschen gibt, die derartige Bauabnahmen beherrschen und mittlerweile von Hartz IV leben.

Andere im öffentlichen Dienst kleben durch Vetternwirtschaft an den Stühlen, mit und ohne Schein, jedoch ohne jegliche sachkundige, technische Erfahrung, nach dem Motto:
Der Steuerzahler zahlt es!
Die Ausschüsse, teils belegt mit Personen mit mangelndem Wissen, fachlicher Unkenntnis, die nie in der Materie je gearbeitet haben.

Ich kenne keine Planung, keine öffentlichen Straßen, Brücken, Objekte, wobei keine Mängel erkennbar sind, egal wo ich gewesen bin!
Schulden über Schulden, produziert von den Gleichen, die das Land, die Regionen und die Kommunen diktieren.

Ich wünsche trotz allen ab 2010, ein Hoffen auf gegenseitiger Erkenntnis und den Abbau von weiteren Misserfolgen, „für den Erfolg in unserer demnächst erfolgreichen Arbeits- und Urlaubsregion“, auf die… sehr viele Menschen warten.

PS: Wer Schweißen kann, sollte sich die Schweißnähte, die Übergänge und die Risse einmal ansehen, ich war jedenfalls nicht beeindruckt.

Im Übrigen, bei schönem Wetter gibt es eine tolle Aussicht, der weiteste Weg lohnt sich!

Wenn es knackt, hilft jedoch nicht dieser Bauzaun.


http://www.Udo-Surmann-Ihr-NRW-Landtagskandidat-2010.de

23.12.2009
18:22
Horizont-Observatorium bleibt mit einem Bauzaun abgesperrt
von Pro-Herten | #1

Na ja, wo doch jeder halbwegs qualifizierte Statiker wissen sollte, dass selbst Brücken nur an einem Ende fest eingespannt werden – die Gegenseite ist immer ein bewegliches Lager! Im Falle, dass die Rohrleitungen mit Sonnenbestrahlung in Kontakt kommen, ist der Ausdehnungsfaktor zu berücksichtigen, der 0,2 mm/m °C beträgt. Daher ist es notwendig, Ausdehnungsverbindungssteile einzusetzen. Einst war Deutschland das Ingenieurland Nr.1 – offensichtlich Geschichte, dafür sind wir nun das Land der (Polit-)Dichter und Bänker.
Alles Gute mit/für der Konstruktion für 2010 (JJ)

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