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Höhere Strafe droht trotz erfolgreicher Revision

31.07.2012 | 17:52 Uhr
Höhere Strafe droht trotz erfolgreicher Revision

Essen./Marl. Zweieinhalb Jahre Haft hatte der Marler Krankenpfleger bekommen, weil er eine Psychiatriepatientin sexuell bedrängt hatte. Die Revision beim Bundesgerichtshof gewann er, doch jetzt droht ihm vor der VII. Essener Strafkammer eine höhere Strafe.

Eigentlich ist es verboten, dass ein Verurteilter nach erfolgreicher Berufung oder Revision eine höhere Strafe bekommt. Doch der Essener Fall liegt komplizierter. Im ersten Prozess vor der VI. Essener Strafkammer war der 39-Jährige lediglich wegen zweifachen Missbrauchs, den er selbst eingeräumt hatte, verurteilt worden. Die ebenfalls angeklagten zwei Vergewaltigungen der 31 Jahre alten Frau stellte die Kammer damals „vorläufig“ ein. Nachdem der Fall neu aufgerollt wird, gilt die Einstellung nicht mehr. Jetzt könnte er für diese Taten zusätzlich verurteilt werden, falls das neue Gericht von seiner Schuld in diesen Punkten überzeugt sein sollte. Seit sieben Tagen verhandelt die Kammer bereits.

Kein einfacher Fall. Die Frau wurde Ende 2008 in der Hertener Psychiatrie behandelt, weil sie psychisch schwer gestört ist. Suizidgefährdet war sie und nicht in der Lage, Forderungen eines anderen Menschen zurückzuweisen. Trotz Anweisung der Ärzte an das Personal, jeglichen privaten Kontakt zu unterlassen, hatte der Pfleger sie zu Hause aufgesucht. Später berichtete sie von sexuellen Annäherungen und von zwei Vergewaltigungen. Die Berührungen gab er zu: dass er sie küsste und unter der Kleidung streichelte. Vergewaltigt hätte er sie aber nicht.

Der VI. Strafkammer reichten die Beweise in diesem Punkt nicht aus. Vernehmen konnte sie die Frau nicht, weil eine Aussagepsychologin damals Suizidgefahr fürchtete. Diesmal hatte sie ausgesagt. Der Krankenpfleger betont, dass er schon seit 2005 wegen Impotenz in ärztlicher Behandlung sei. Sein Urologe bestätigt das. Am Dienstag hörte das Gericht einen Urologen vom Uniklinikum Essen, der den Angeklagten morgens untersuchte und dessen Impotenz bestätigte. Dass dies zur möglichen Tatzeit 2010 anders war, sei unwahrscheinlich, er könne es aber nicht ausschließen. Möglich sei auch, dass er mit Viagra oder ähnlicher Medizin nachgeholfen habe.

Stefan Wette

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