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Historisches erhalten

19.11.2008 | 19:12 Uhr
Historisches erhalten

Recklinghausen. „Nostalgie oder Zukunft?” Das war gestern die Frage am WAZ-Mobil. Und viele wollten mitdiskutieren über Für und Wider der geplanten Restaurierung des Städtischen Saalbaus Recklinghausen. Am Rande des Wochenmarktes plädierte ein großer Teil der Befragten für den Erhalt des Saals.

Veronika Marciniak (60) zum Beispiel, für die klar ist: „Der Saalbau gehört einfach zur Stadt, ich war früher oft dort. Ein Besuch hatte immer einen Hauch von Eleganz, da ging man nicht in Jeans und Turnschuhen hin.”

„So geschichtsträchtige Häuser muss man einfach erhalten”, ist Hildegard Hermann (57) überzeugt.

Ähnlich geht es Rita Natsch (57): „Ich freue mich, wenn endlich wieder Leben in das haus kommt. Ich finde den Saalbau toll.” Die Ruine ist Karin Wagner schon lange ein Dorn im Auge: „Schön, wenn man bald wieder in den Saalbau gehen kann.”

Diese Dame hat die ersten Ruhrfestspiele im Saalbau erlebt und auch in den folgenden Jahren dort „viele schöne Feste erlebt”. Und weil „es immer brechend voll war”, hat die 81-jährige Recklinghäuserin, die die WAZ am Gemüsestand traf, eine glasklare Meinung: „Das Gebäude soll saniert werden.” Zwar seien zwölf Millionen viel Geld, „aber es wird ja soviel für alles Mögliche ausgegeben. . .”

Noch begeisterter Inge Lubitz (64): „Im Saalbau liegen meine kulturellen Wurzeln. Als Schülerin habe ich mein Geld für Stehplatzkarten zusammengekratzt, ich habe erlebt, wie Bernhard Minetti meiner Freundin ein Autogramm aufs Dekolleté schrieb, war beim Silvesterball und in einen jungen Mann mit grünem Pullover verliebt – deshalb finde ich es fantastisch, dass der Bürgermeister sich so hinter die Wiederbelebung des Gebäudes klemmt.” Rudi Turinsky (57) hingegen befürchtet Schlimmes. Die Stadt sei neun Jahre ohne Saalbau ausgekommen, daher sehe er keine Notwendigkeit, zwölf Millionen in die Ruine zu stecken. „Und es würde ja sicher noch mehr. Schließlich ist Oliver Wittke beteiligt, der als OB in Gelsenkirchen die Sanierung des Hans-Sachs-Hauses betrieben hat. Da sind die Kosten auch explodiert.”

Skeptisch ist Irmgard Südfeld (59) aus Herten: „Der Bau ist doch wirklich nicht schön. Für das viele Geld sollte man lieber etwas Neues bauen.”

„Das ist auch eine Frage der Gerechtigkeit”, meint Brigitte Sniatecki (64). Sie ist zwar auch für die Sanierung des Saalbaus, wirft der Stadt aber zweierlei Maß vor. Sie wohnt in Hochlarmark, wo kürzlich Bäume gefällt wurden, weil sie Gehwege und sogar Häuser beschädigten. „Ich bin gespannt, wann wir eine Zahlungsaufforderung für die Reparaturarbeiten und die Neupflanzungen bekommen. Da müssen wir Bürger blechen, aber an anderen Stellen sind Millionen vorhanden.”

Angenehme Erinnerungen vor allem an Feiern im Restaurant des Saalbaus hat Blumenhändlerin Karin Dodt (52). Sie fährt fast täglich über die Dorstener Straße und sieht den erbärmlichen Zustand des Gebäudes: „Da muss dringend etwas passieren. Aber es müsste eigentlich auch für weniger als zwölf Millionen gehen.”

Er hat selbst Veranstaltungen dort erlebt und verbindet positive Erinnerungen mit dem Saalbau. Trotzdem ist der Polizeibeamte Peter Poremski gegen die Sanierung des Gebäudes. „Der Bau hat zu lange leergestanden. Die Stadt hat zu lange gewartet. Jetzt kann man eigentlich nur noch abreißen, wenn man verantwortlich mit dem Geld umgehen will.”

Die Recklinghäuserin Elisabeth Euing aus Stuckenbusch konnte zwar nicht persönlich ans WAZ-Mobil kommen, wollte aber auf jeden Fall zumindest am Telefon ihre Meinung zum Thema sagen. Das liegt ihr nämlich sehr am Herzen: „Saalbau abreißen, das wäre doch unmöglich. Man hätte ein solches Haus erst gar nicht so vergammeln lassen dürfen. Was ich dort alles erlebt habe, das ist unglaublich.” Zum ersten Mal ins Theater gegangen ist sie dort, hat da die erste große Oper erlebt.

Auch Norbert Schneidewind (73) aus Recklinghausen sagt: „Eine Sanierung des Saalbaus wäre gut für die Stadt. Das hätte man schon viel eher machen müssen.” Schneidewind erinnert sich an viele Betriebsfeste, die er einst im Saalbau mitgefeiert hat.

Für den Abriss des Saalbaus plädiert dagegen Gabriele Kwaschny (54): „Die Ecke dort ist nicht so schön und mit dem Ruhrfestspielhaus haben wir genug Möglichkeiten für Veranstaltungen.”

Elisabeth Höving-Henkel



Kommentare
20.11.2008
08:21
Historisches erhalten
von ruppi | #1

Für viele ältere Menschen von Recklinghausen und Umgebung besitzt dieses Gebäude natürlich noch einen hohen stellenwert.
Sie verbrachten dort viele gemeinsame schöne und unvergessene Stunden. Das hat alles einen Hauch von Nostalgie.
Die jüngere Generation, die dieses Gebäude nur von außen kennt, eben als Ruine, denen wird es wohl egal sein, wenn es abgerissen wird.
Aber dann ist noch zu bedenken: was kommt dann an diese Stelle? Eine neue Bauruine????
Komischerweise muß ich dann immer noch an das neue Arbeitsamt denken, dass kurz nach fertigstellung schon wieder repariert werden mußte. Ja, mit der ( Kultur ) wegreissen ist man heute schnell.

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