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Der Organisator

Hinter den Kulissen

11.03.2009 | 11:43 Uhr
Hinter den Kulissen

Heinz Benner geht nach 35 Jahren als städtischer Hausmeister in den Ruhestand. Da gab's das Klodrama, die Promi-Touren, ganz viel Kleinkram – und immer sorgte Benner für Lösungen

Marl. Er ist eine Institution im Marler Hausmeisterwesen: Heinz Benner. Der 61-Jährige ist seit 35 Jahren bei der Stadt Marl beschäftigt und als Mädchen für alles – ja quasi als letzte und oft auch wichtigste Instanz – zuständig für die insel-Volkshochschule, die Kinder- und Jugendbibliothek und das Adolf-Grimme-Institut. "Am 24. Oktober 1974 habe ich das insel-Gebäude mit aufgebaut, am 24. Oktober 2009 gehe ich nun in den Ruhestand." So schließt sich ein Marler Kreis.

Der Seniorboss

Benner ist in den Gebäuden, in seinen Gebäuden, zu Hause. "Hier kenne ich jeden Winkel wie meine Westentasche." Immer dabei: Taschenlampe, Schraubenzieher, Handy und Schlüsselbund. Zwar verfügt das dreiköpfige städtische Hausmeisterteam – Benner ist der Seniorboss – über eine eigene Werkstatt, in der mittlere Reparaturen erledigt werden können, doch die meisten täglich anfallenden Arbeiten werden en passant erledigt.

Klassische Hausmeistertätigkeiten sind dies wie die Wartung von Heizungen und Lüftungen, das Checken der Räume und das unvermeidliche Öffnen und Schließen von Türen, weshalb ein gewaltiger Schlüsselbund natürlich zur Grundausrüstung gehört. "Mir macht das alles sehr viel Spaß", sagt der gelernte Maschinenschlosser und man glaubt es ihm sofort.

"Ich mache jede Arbeit"

Immer freundlich, immer höflich und vor allem immer hilfsbereit – das ist Heinz Benner, der bei Mitarbeitern und Vorgesetzten hohen Respekt und Vertrauen genießt. Sein Arbeits-Prinzip: "Man muss eben Lösungen anbieten können." Und wie auf Bestellung bimmelt das Handy. "Ja", antwortet Benner, "alles in Arbeit. Die Fußleisten kommen. Ich kümmere mich." Benner, der auch Gesamtpersonalratsvorsitzender war, ist in seinem Dreierteam vor allem der Kolonnenschieber. Also der, der organisiert, den Schriftkram erledigt und immer wieder Zeit hat für plötzlich auftretende Probleme. Für ihn ist klar: "Ich mache jede Arbeit, mir ist nichts zuviel."

Info
Das Ende des Getränkeautomaten

Insel-Café wird zur Anlaufstelle zwischen den Seminaren

Marl. Das insel-Café der Volkshochschule im Stern ist der Treffpunkt zwischen den Seminaren. Gäste werden freundlich bedient und dürfen sich über ein feines Imbiss-Angebot freuen. Zum Ambiente gehören Ausstellungen. Derzeit zeigt Jasmin Montabon Fotografien unter dem Titel „303 Tage Indien”. Wer selbst einmal etwas ausstellen möchte, kann sich an Heike Furmanek (02365 99 42 99) wenden.

Gewachsen ist das Café aus der Idee, einen Service für Kursteilnehmer und -leiter zu schaffen. Schließlich gab es hier früher nur einen öden Getränkeautomaten. Nach einem Start als Kaffeestube im hinteren Teil der Unterrichtsräume zog man um in den insel-Treff. Die Improvisation war dem Ordnungsamt ein Dorn im Auge, die Schließung wurde verfügt. Doch die Café-Freunde ließen nicht locker, bis die Baugenehmigung rausging. Alle Auflagen für den Betrieb eines Cafés wurden erfüllt, so dass einer Eröffnung am 18. 8. 1997 nichts mehr im Wege stand. Ein langer Weg, der leidenschaftlich von Heinz Benner begleitet wurde, hat er doch bei kleinen und großen praktischen Problemen immer eine Lösung gefunden.

Gerne erinnert er sich an die 70er Jahre, als die Grimme-Jurys vom Hausmeisterteam noch persönlich umsorgt und bewirtet wurden. "Wir haben die Kellerfenster zugehängt, damit das Fernsehen ohne störenden Lichteinfall möglich war. Es wurde gekocht und gebacken. Alles war sehr familiär." Klar, dass mit den Jahren so ein prima Kontakt zu den Juroren entstand. "Wir kannten uns ja alle."

Wenn Not am Mann war, dann griff Benner gern zum Autoschlüssel. "Fahrdienst" hieß die Parole und ab ging's zur Promihole an die Flughäfen. Ekel Alfred (Heinz Schubert) und auch Harald Schmidt hockten auf dem Beifahrerplatz, für Gespräche war also gesorgt. "Wir haben uns bestens unterhalten. Die hatten alle Fragen zu Marl." Und wie gaben sich die Stars? "Ganz normal. Da war keiner arrogant oder überheblich."

Nur einmal, da schlug Benner das Herz bis zum Halse. Gerade zwei Jahre ist es her, dass am Tag der Preisverleihung im Institutsgebäude die Toilette, genauer: die Damentoilette, verstopft war.

Wer die richtigen Leute kennt, löst auch Toiletten-Probleme

"800 Leute im Haus, und es fallen vier Toiletten aus. Mann, da habe ich Panik bekommen." Schließlich konnten die Gäste ja nicht einfach nach draußen geschickt werden. Also musste der Rohrreinigungsdienst ran. Um diese Uhrzeit? Kommt da einer? "Na klar, wenn man die Leute kennt, klappt's sofort."

Familienvater Heinz Benner (ein Sohn) ist halt immer mitten drin im Geschehen. Besonders im Grimme-Geschehen. "Ich werde dem Institut als Hausmeister weiter verbunden bleiben, schließlich wohne ich im Hause in der ersten Etage."

Was natürlich nicht heißen soll, dass es für ihn keine Freizeit gibt. Im Gegenteil. Er und seine Frau sind begeisterte Motorbootfahrer. Ihr 11,50-Meter-Schiff "Lupo" liegt in Sneek, im holländischen Friesland. Fest eingeplant ist bereits eine Mammut-Tour, die von März bis Oktober 2010 dauern soll. Ziele sind Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Rügen. "Es wird traumhaft", freut sich Benner, und – auch auf dem Schiff gilt: "Schrauben muss sein."

Gerhard Römhild

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