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Wirtschaftsfaktor Kultur

„Herausfindung“ ist das Buch zur Kultur

06.12.2010 | 17:07 Uhr
„Herausfindung“ ist das Buch zur Kultur

Recklinghausen.Kultur kann so vieles sein: ästhetisch, erbaulich, verstörend, kritisch, teuer und so vieles mehr. Und sie ist ein – wachsender – Wirtschaftsfaktor. Genau dazu gibt es jetzt das Buch.

„Herausfindung“ haben der Kulturmanager Guido Röcken und der Fotodesigner Axel Schuch ihr Werk genannt. „Alle reden, gerade im Jahr der Kulturhauptstadt, über die Kreativwirtschaft. Doch sie wissen oft gar nicht genau, was im Einzelnen dahintersteckt. Wir versuchen, die Potenziale sichtbar zu machen, dem interessierten Publikum vorzustellen, wie breit das Spektrum ist und wer sich in welchem Bereich von Kunst und Kultur tummelt“, erläutert Guido Röcken.

Dass die Gegenüber Künstler waren, hat die Sache nicht unbedingt erleichtert. „Diese Leute lassen sich ungern in Strukturen einbinden. Andererseits brauchen sie Kontakte und Netzwerke, denn sie wollen ja von ihrer kreativen Arbeit leben, müssen also gelegentlich etwas verkaufen.“ Da kam 2010 gerade recht: Einer der Beiträge in der Recklinghäuser Local-Hero-Woche war die „Neue Kolonie“: Einen Tag lang bot das Ruhrfestspielhaus mehr als 50 freien Künstlern aus Musik, bildender und darstellender Kunst ein Forum, Kontakte zu knüpfen und sich zu präsentieren – die WAZ berichtete.

Die Teilnehmer der „Neuen Kolonie“ stehen im Mittelpunkt des Buches; diese Beschränkung lässt andererseits Raum für einen Nachfolge-Katalog mit anderen Beispielen aus der Kreativwirtschaft. Die ist in der Tat ein weites Feld. Eine Untersuchung des Dortmunder Büros „STADTart“ hat gezeigt, dass in Recklinghausen 289 Unternehmen auf diesem Feld unterwegs sind. Es handelt sich in der Regel um Mikrofirmen, in denen „Einzelkämpfer“ tätig sind. Immerhin: Rund 800 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze hängen ebenfalls daran. Den Jahresumsatz veranschlagt STADTart-Mitarbeiter Ralf Ebert auf gut 80 Millionen Euro im Jahr.

Wirtschaftsjahrbuch Vest
Einhundert Seiten Kultur

„Herausfindungen“ ist der Titel des knapp 100-seitigen Katalogs, der einen Überblick über die Recklinghäuser Kulturwirtschaft vor und nach dem Kulturhauptstadtjahr 2010 gibt. Der Band ist eine Sonderausgabe in der Reihe der Wirtschaftsjahrbücher Vest. Herausgeber sind Guido Röcken und Axel Schuch in Kooperation mit der Stadt Recklinghausen und der Ruhr.2010. Das Buch ist in einer Auflage von eintausend Exemplaren erschienen. Es kostet 12,80 Euro und ist im Buchhandel sowie in gastronomischen Betrieben mit Kulturprogramm zu erhalten.

Nach Eberts Einschätzung ist das Potenzial der Kreativwirtschaft im Nördlichen Ruhrgebiet noch längst nicht ausgeschöpft. Mehr sei möglich, wenn die Stadt Hilfestellung leiste, mit den Akteuren gemeinsam ein entsprechendes Leitbild entwickele oder etwa Räume – zum Beispiel ein Künstlerhaus – zur Verfügung stelle, in dem Ateliers eingerichtet werden können.

„Ein solches Projekt steht, nicht zuletzt aus finanziellen Gründen, zurzeit nicht an. Aber wir wollen gerne Hilfen anbieten, um Netzwerke zu knüpfen“, sagte die städtische Kulturdezernentin Genia Nölle bei der Vorstellung der „Herausfindung“. Das Buch diene genau diesem Zweck: Man könne darin nachschlagen, lernen und staunen, was es in Recklinghausen an Kreativität alles gibt.

Der Bogen ist tatsächlich weit gespannt, reicht von der Kunst über die Musik bis zur Rubrik „Alles Andere“. Und stellt die Entwicklung auch auf die Zeitachse: Der alte, verfallende Saalbau gehört dazu, das legendäre „Flexi“, aber auch die in die Zukunft gerichtete „Off-Art-Charta“, die Leitlinien für die Freie Kulturszene beschreibt. „Herausfindung“ erscheint am Ende des Kulturhauptstadtjahres 2010, ist eine Art Bilanz. Aber mindestens ebenso Blick nach vorn auf Kultur, die erst noch kommen wird.

Ernst zur Nieden

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