Haus ohne Naturfreunde
09.02.2012 | 18:54 Uhr 2012-02-09T18:54:00+0100
Recklinghausen.Die Zeit des Naturfreundehauses an der Mollbeck neigt sich dem Ende zu – jedenfalls mit seiner jetzigen Nutzung. Überraschend hat der Vorstand des Naturfreundevereins den Mietvertrag für das traditionsreiche, aber renovierungsbedürftige Gebäude zum 31. Oktober 2012 gekündet. Dem Vernehmen nach sucht der rührige Verein eine kleinere, bezahlbare Alternative.
Eine Rolle gespielt haben könnte auch die Entscheidung der Stadt, den Mietvertrag nur noch jährlich zu verlängern. Der Rat hatte eine Gesamtprüfung der Situation beschlossen. „Wir müssen neu denken“, sagt der städtische Wirtschaftsförderer Axel Tschersich. Bisherige Lösungen waren mit Beteiligung der Naturfreunde gedacht worden. Auch die Stadtranderholung der Awo, die 2012 nicht gefährdet sei, müsse eingebunden werden.
Einer der Interessenten für das Haus war Gastronom Uwe Suberg, der auch Gespräche mit den Naturfreunden geführt hatte und sich eine gemeinsame Nutzung offenbar hätte vorstellen können. „Ich halte das Objekt für sehr interessant“, so Suberg. Allerdings fehlten ihm nach der Übernahme von Boente und eines Musicals die Ressourcen.
Bedacht werden müssten zwei große Problembereiche. Der Sanierungsbedarf liegt in einem hohen sechsstelligen Bereich, wie die Stadt ermittelt hat. Außerdem gebe es kaum Park- und Parksuchraum. Nach dem überraschenden Rückzug der Naturfreunde hat Uwe Suberg eine Sorge: „Wenn die Stadt erst mal einen Zaun gezogen hat, haben wir einen zweiten Saalbau.“
Dabei müsste die Situation an der Mollbeck, wo es keine Gastronomie gebe, grundsätzlich überdacht werden. „Ich habe mich immer geärgert, dass die Leute im Sommer erst nach Erkenschwick fahren. Erst wenn es dort zu voll ist, kommen sie zu uns, obwohl wir das schönere Bad haben.“
Die Frage wird sein, welche Entwicklungschancen die Stadt einer Folgenutzung einräumt. „Erst einmal hatten die Naturfreunde Bestandsschutz. Jetzt müssen wir gucken, was planungsrechtlich geht“, so Axel Tschersich. Die Finanzierung eines Umbaus kann die Stadt nicht schultern, das bliebe beim Investor hängen. Ob Parkraum geschaffen werden kann, indem ein Stück Liegewiese abgezwackt oder landwirtschaftliche Fläche umgewidmet wird, wäre eine politische Entscheidung.
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