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Ausbildung

Harter Hund trifft Hintern

19.03.2009 | 16:00 Uhr

Frank Jendrusiak hilft Jugendlichen bei der Ausbildungsplatzsuche. Die "Ausbildungspaten" erhalten Heinrich-Böll-Ideenpreis

Verantwortung und den Ideenpreis „Der Heinrich”, eine blecherne Gießkanne, schultern (v. l.) Ausbildungspate Frank Jendrusiak, Pascal Bothmer und Ausbildungspaten-Geschäftsführer Rolf Nowak. Foto: WAZ, Reiner Kruse

Recklinghausen. Was seine berufliche Zukunft angeht, stellt sich Pascal Bothmer breit auf. Der 17-Jährige hat vielfältige Berufsinteressen und sich um einen Ausbildungsplatz zum Koch, zum Kfz-Mechatroniker und zum Kfz-Lackierer beworben. Ein erstes Arbeitsutensil zum Gartenlandschaftsbauer, auch dafür hat sich Bothmer beworben, könnte er sich heute Abend im Bildungszentrum des Handwerks in Recklinghausen gleich mitnehmen. Dann erhält der Verein "Ausbildungspaten im Kreis Recklinghausen" den Ideenpreis "Der Heinrich" der Heinrich-Böll-Stiftung NRW – eine blecherne Gießkanne.

Seit Anfang des Jahres betreut Frank Jendrusiak als ehrenamtlicher Ausbildungspate seinen "Paten-Jugendlichen" Pascal Bothmer. Zusammen setzten sie sich zusammen, recherchierten nach Ausbildungsbetrieben, schrieben Bewerbungen, besuchten gemeinsam die Termine auf dem Arbeitsamt. Zu den Einstellungstests und Vorstellungsgesprächen, auch wenn es bisher wenige waren, begleitete Jendrusiak den Hauptschüler. "Die Gespräche und Tests führt der Jugendliche natürlich selbst. Bei vielen Betrieben ist es auch gerne gesehen, wenn wir mitkommen", hat Jendrusiak bisher viele positive Reaktionen erfahren. "Wir stehen ständig in Kontakt", erzählt der ehemalige Rettungsassistent. "Wir dienen als Vermittler zwischen den Ausbildungsbetrieben und dem Azubi, falls es Probleme gibt."

Info
Starthilfe

Kooperation mit zehn weiterführenden Schulen

Mit zehn Haupt- und Gesamtschulen arbeiten die "Ausbildungspaten" im Vest zusammen. Dort stellen sie das Projekt vor und vermitteln bei Bedarf die Patenschaften. Auch durch Eigeninitiative und über Mundpropaganda kommen die Jugendlichen zu den "Ausbildungspaten". 57 ehrenamtliche Paten kümmern sich derzeit um etwa 90 Jugendliche. Meistens geht es wie bei Pascal Bothmer darum, Starthilfe für die Bewerbungsphase zu leisten. Das Paten-Angebot plant Geschäftsführer Rolf Nowak auszubauen. Alarm-Paten sollten nur für ganz kurze Zeit die Jugendlichen betreuen und Bewerbungspaten die Bewerbungsunterlagen überprüfen.

Informationen und Kontakt unter www.ausbildungspaten.de im Internet oder unter 02361 4859819.

Soweit ist es bei Pascal Bothmer indes noch nicht. Für ihn ist es zunächst wichtig, eine Ausbildung zu finden. Doch ohne den Ausbildungspaten Jendrusiak wäre Bothmer wohl noch längst nicht auf Arbeitssuche gegangen. "Ich saß auf der faulen Haut. Aber es musste etwas passieren", sagt Bothmer. Die Aufforderungen der Eltern, sich aufzuraffen, sie verpufften. "Das Projekt bringt auf jeden Fall etwas. Ohne meinen Paten fehlte mir die Motivation. Der Pate tritt einem auch mal in den Hintern", sagt Bothmer. "Ich gebe mich als Kumpel. Ich sag' aber auch, was Sache ist", gibt sich Frank Jendrusiak, der sich um drei Jugendliche kümmert, auch mal als harten Hund.

Seit August 2007 gibt es die "Ausbildungspaten", die Jugendliche bei ihrer Suche nach einer Ausbildung unterstützen. Für sein Engagement wird der junge Verein, der von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung unterstützt wird, ausgezeichnet. "Als Begründung nannte die Heinrich-Böll-Stiftung, dass sich die Idee der Ausbildungspaten auch in anderen Regionen leicht umsetzen lässt", erläutert Rolf Nowak, Geschäftsführer der "Ausbildungspaten". "Der Jugendliche steht im Mittelpunkt, das ist wichtig. Um ihn dreht es sich."

Forum: Ausbildungspaten: Innovativ oder überflüssig?

Rulof Albert

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