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Mobbing

Handyverbot am Gymnasium

29.01.2012 | 17:55 Uhr
Handyverbot am Gymnasium
Handyverbot ist am Gymnasium in Haltern am See erteilt worden.

Haltern am See.Früher klebten Schüler Lehrern zur allgemeinen Gaudi der Schulgemeinde ein Zettelchen auf den Rücken, heute hat sich das ins Internet verlagert. Das Thema „Cyber-Mobbing“ ist nicht neu. Das Joseph-König-Gymnasium in Haltern am See hat nach einem konkreten Vorfall Konsequenten gezogen und ein generelles Handy-Verbot in die Schulordnung aufgenommen. Auch das heimliche Fotografieren auf dem Schulgelände und Aufzeichnen von Videos im Unterricht ist verboten.

„Wir hatten den Eindruck, dass wiederholt Fotos, die heimlich auf dem Schulhof gemacht wurden, im Internet auftauchten“, so Oberstudiendirektor Ulrich Wessel. Zudem hatte ein Achtklässler während des Unterrichts eine Lehrerin heimlich gefilmt und die Videos ins Internet gestellt hatte. Die Filmsequenz war mit beleidigenden Kommentaren versehen. „Hierdurch sehen wird den Schulfrieden, der nicht zuletzt auf gegenseitiger Achtung aller am Schulleben Beteiligten beruht, erheblich gestört“, informierte das Gymnasium die Elternschaft des Gymnasiums. Eltern sollten zu Hause ansprechen, wie verletzend Hänseleien, Lügen und Bloßstellungen im Internet sein können, so der Schulleiter und relativiert gleichwohl: „Die Probleme, die wir in Haltern haben, sind nicht vergleichbar mit denen anderer Schulen in anderen Städten.“

Eine Ausnahme vom Handy-Verbot gilt am Joseph-König-Gymnasium nur für Oberstufenschüler und nur in deren Freistunde. Bei einem Verstoß will die Schulleitung ggf. zu drastischen Maßnahmen greifen. Den betroffenen Kolleginnen und Kollegen empfiehlt sie „in gravierenden Fällen“ zur Strafanzeige. Den Schülern droht eine Ordnungsmaßnahme, im Wiederholungsfall der Schulverweis. „Ich sehe mich in der Situation, die Kolleginnen und Kollegen schützen zu müssen“, sagt der Schulleiter. „Größere Probleme“ sehe er allerdings darin, „dass Schüler sich nicht im Klaren darüber sind, dass sie sich selbst schützen müssen.“

Eine grundsätzliche Abkehr vom Medium Internet sei kaum möglich, so Wessel. So sei Bestandteil des Unterrichts, dass sich Oberstufen-Schüler zur Vorbereitung auf ihre Facharbeit über Recherchemöglichkeiten im Internet informierten. In den Kursen für Allgemeine Arbeits- und Lernformen (ALF) und an den Methodentagen lernen Pennäler (und Kollegium) die neuen Medien zwar kennen. Darüber hinaus sind jetzt Schulungsmaßnahmen für das Kollegium und Informationsveranstaltungen für Schüler und Eltern geplant, um vor allem über die Gefahren der sozialen Netzwerke (Facebook) zu informieren. Ein Halterner Sponsor will das Projekt (an allen weiterführenden Schulen in Haltern am See) unterstützen und einen Internet-Fachmann beauftragen, der aufzeigt, welche Folgen - auch später für das Berufsleben - es hat, wenn Fotos und Filme online gestellt werden.

Viele jugendliche Nutzer wissen nicht, dass über den „elektronischen Fingerabdruck“ auch die Möglichkeit besteht, über den Provider die IP- Adresse des Senders zu identifizieren. Auch der Achtklässler, der den Unterricht heimlich gefilmt hatte, hatte die Schule schnell ausfindig gemacht. Zwar nicht anhand der IP-Adresse, aber aus den Videomitschnitten war erkennbar, zu welcher Schülergruppe er gehörte. Die betroffene Lehrerin stellte keine Strafanzeige, der Schüler wurde nicht der Schule verwiesen. „Es gab eine innerschulische Ordnungsmaßnahme und ein Gespräch mit den Eltern“, so Schulleiter Wessel.

Irene Stock

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