Das aktuelle Wetter Unser Vest 11°C
Geschichte

Halterns Römermuseum wird zur Baustelle

17.12.2009 | 19:07 Uhr
Halterns Römermuseum wird zur Baustelle

Haltern am See. Halterns Römermuseum wird zur Baustelle. Der Landschaftsverband in Münster bewilligte am Donnerstag einstimmig 4,52 Millionen für den Nachbau des Lagers. Auch das Land will in das Vorhaben Römerbaustelle 2010 einsteigen - und das Projekt zu 60 Prozent fördern.

Halterns Römermuseum wird zur Baustelle. Zur „Römerbaustelle”, um genau zu sein. 4,52 Millionen Euro werden in die Gestaltung des archäologischen Freigeländes in den nächsten Jahren investiert. 1,23 Millionen Euro kostet der erste Bauabschnitt. Den hat am Donnerstag der Landschaftsausschuss des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe einstimmig durch gewunken. Vorbehaltlich der 60-Prozent Förderung des Landes.

Doch auch dort sind die Weichen für den Ausbau bereits gestellt. Er bekenne sich zu diesem Vorhaben, ließ NRW-Bauminister Lutz Lienenkämper (CDU) auf WAZ-Nachfrage mitteilen. „Wir gehen davon aus, dass das Land in das Vorhaben Römerbaustelle 2010 einsteigt.”

Zuvor müssten noch Details abgesprochen werden. Reine Formsache, wie aus dem Ministerium signalisiert wurde. Für das Römermuseum eine überlebenswichtige Entscheidung. Museen, in denen in schön ausgeleuchteten Vitrinen und durchaus liebevoll Fundstücke gezeigt werden, das war gestern. Erlebnis-Archäologie ist die Zukunft.

So soll es im Detail später einmal aussehen. Foto: Lutz von Staegmann

Und die soll im nächsten Jahr mit der „Römerbaustelle” beginnen. Über mehrere Jahre hinweg werden im zweiten Bauabschnitt große Teile des ehemaligen Römerlagers an der Lippe rekonstruiert und wieder aufgebaut. Besucher können den römischen Wiederaufbau hautnah und im Stile der damaligen Zeit miterleben. Arbeiter werden in der Kleidung sowie mit Werkzeugen und Methoden der damaligen Zeit zu Werke gehen. Eingebunden sind die Arbeiten in ein museumspädagogisches Konzept. Besucher können die Ärmel hochkrempeln und mitmachen. Eine Art Buddeln wie die alten Römer.

Alles zusammen genommen ist das Vorhaben ein deutschlandweit einmaliges kulturelles Projekt, das die Besucher von weit her in die Seestadt locken wird. Da ist sich der Landschaftsverband, Träger der Einrichtung, sicher.

Detailaufnahmen vom Modell des Römerlagers in Haltern. Foto: Lutz von Staegmann

Zuletzt gingen die Besucherzahlen in Haltern bergab. Ohne Sonderschauen pegelte sich die Besucherzahl bei 35 bis 40 000 ein. Um ein Vielfaches mehr - Xanten kommt zum Beispiel mit seiner Römergeschichte Jahr für Jahr auf 400 000 Gäste - verspricht das Vorhaben „Römerbaustelle” auf dem 4,8 Hektar großen Hinterland des Museums an der Weseler Straße.

Nächstes Jahr schon soll mit dem Wiederaufbau des ehemaligen Westtores begonnen werden. Da dies auf dem historischen Gelände des einstigen Römerlagers passiert, wird fest mit weiteren Funden aus der Römerzeit gerechnet, was wiederum den Stellwert des Museums an der Weseler Straße steigen lässt.

Und nicht nur für das Museum ist das archäologische Freigelände ein Gewinn. „Das Vorhaben ist unverzichtbar in unserem touristisches Konzept”, freute sich gestern Bürgermeister Bodo Klimpel. Schon die Varus-Ausstellung in diesem Jahr habe gezeigt, wie riesig das Interesse der Menschen an der Römischen Geschichte ist. Klimpel rechnet mit der „Römerbaustelle” nicht nur für steigende Besucherzahlen im Museum. „Auch in der Innenstadt bei uns wird es voller werden.”

Die Stadt selbst hat auch ihren Teil dazu beigetragen und eine rund 2000 qm große Fläche für das archäologische Freigelände zur Verfügung gestellt.

Unabhängig von den aktuellen Planungen wird derzeit das generelle Museumskonzept neu überarbeitet. Das Römermuseum wird deshalb voraussichtlich bis Ende März 2010 geschlossen sein.

Dieter Decker

Facebook
 
Videos die Sie interessieren könnten
Kommentare
19.12.2009
00:03
Halterns Römermuseum wird zur Baustelle
von kalle49 | #5

Ich bin gleicher Meinung wie #1. Wer der Meinung ist für diesen Kram 4,5 Millionen in den Sand zu setzten soll in der Einkaufszone sammeln gehen.

18.12.2009
13:55
Halterns Römermuseum wird zur Baustelle
von kaputtesGelsenkirchen | #4

Das Römermuseum Haltern ist eines der besten Beispiele, dass das Ruhrgebiet mehr zu bieten hat, als guten Fußball und Industriekultur. Auch wenn uns die Macher von Ruhr 2010 glauben machen wollen, dass die Zivilisation zwischen Emscher und Lippe erst mit den Zechen Einzug gehalten hat.
Rudolf Asskamp, Leiter des LWL Museums, und sein Team haben es mit der Ausstellung Imperium geschafft, mehr als 150.000 Besucher in weniger als 5 Monaten nach Haltern zu locken. Das schreit förmlich nach einer dauerhaften Wiederholung. Die Rekonstruktion von Teilen des Halterner Militärlagers als Erweiterung des Museums ist da ein sehr guter Ansatz und Teil eines Strukturwandels, der auch langfristig ein paar Arbeitsplätze schaffen wird.

@Ewalt Koschut
Vor wenigen Wochen hat die Stadt Gelsenkirchen, eine der ärmsten Großstädte Deutschlands mit 15% Arbeitslosen und einem entsprechend überdurchschnittlich hohen Anteil an Hartz IV Empfängern dem FC Schalke 04, 20,5 Millionen Euro in den Rachen gestopft, und das, obwohl der Verein immer beteuerte keine Finanzprobleme zu haben. Verantwortlich für diesen Deal sind Oberbürgermeister Baranowski (SPD) und Kulturdezernent Manfred Beck (Die Grünen). Ihr Problem Herr Koschut, und das vieler anderer linker Kritiker: Sie sehen nur die Ausgaben der derzeitigen Landesregierung. Für die fehlende Verantwortung der sozialdemokratisch regierten Kommunen an den Hilfebedürftigen ihrer Städte, speziell im Ruhrgebiet, haben Menschen wie Sie leider keinen Blick.

Ich für meinen Teil freue mich, dass man erkannt hat, endlich auch Projekten wie Haltern eine Chance zu geben, sich in Zukunft zu behaupten, den wie schon gesagt: Das Ruhrgebiet ist mehr als nur Montankultur, Ballspiele und Hartz IV.

18.12.2009
07:44
Halterns Römermuseum wird zur Baustelle
von Stahlexpress | #3

Nein lieber Herr Koschut, müssen wir nicht.

Wir können auch weiter, mit unseren Seifenopern und DSDS, verblöden. Wer nichts über die Vergangenheit weiß, weiß gar nichts!

Schon mal überlegt das der Bau auch Arbeit schafft, welche bezahlt wird?

18.12.2009
01:17
Halterns Römermuseum wird zur Baustelle
von Ork | #2

ja, müssen wir

17.12.2009
21:00
Halterns Römermuseum wird zur Baustelle
von Ewald Koschut | #1

Ich frage mich allen Ernstes, ob wir in unserer heutigen Zeit mit soviel Arbeitslosen und sozial Schwachen wirklich soviel Geld für so einen Sche** ausgeben müssen. 60% Landesmittel, demnach zahlt jeder NRW-Bürger mit! Hut ab CDU, der 10 Mai wird kommen.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2277123/create

Aktuelle Fotos und Videos
2. Firmenlauf in Oer-Erkenschwick
Bildgalerie
Spaß-Teamlauf
Traum eines lächerlichen Menschen
Bildgalerie
Theaterprojekt
Deutscher Mühlentag
Bildgalerie
Volksparkl Marl
Aus dem Ressort
Superintendent Burkowski wechselt nach Berlin
Personalwechsel in der...
Eigentlich sollte er am 23. Juni bei der Kreissynode für seine dritte Amtsperiode kandidieren, seine Wiederwahl galt als sicher. Aber nach 16 Jahren als Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises verlässt Peter Burkowski überraschend Recklinghausen. Der 53-jährige Familienvater dreier
Wie viel Brandschutz muss sein?
Kreishaus- und...
Eine große, mindestens 40 Millionen Euro teure Renovierung des Kreishauses ist vom Tisch. „Auf Drängen der Städte werden wir auf eine energetische Sanierung verzichten“, lässt Landrat Cay Süberkrüb (SPD) in einer Erklärung wissen. „Die kurzfristige Sicherung der kommunalen Liquidität steht derzeit