Gutachter für Fusion von Real- und Gesamtschule
14.02.2012 | 11:56 Uhr 2012-02-14T11:56:00+0100
Waltrop. „Ich entscheide nichts“, sagt Prof. Rösner seinem Publikum aus rund 75 Eltern, Lehrern und Schülern im Waltroper Ratssaal.
Wie und vor allem wo sollen Schüler in kommenden Jahrzehnten lernen? Alleine mochten Waltrops Politiker dieses Paket nicht aufschnüren – und beauftragten den Schulwissenschaftler Prof. Dr. Ernst Rösner von der Technischen Universität Dortmund.
„Ich weiß, dass es heftige Auseinandersetzungen gegeben hat, ob das Thema überhaupt diskutiert werden darf“, sagt der Professor zum Auftakt seines Vortrags im Ratssaal. Gemeint ist die Diskussion um eine mögliche Schließung der Realschule. Doch dem Wissenschaftler geht es nicht um die Qualität der Schulen oder um Emotionen, es geht nur um künftige Schülerzahlen.
Bei den Kleinen sieht die Schulwelt auch in acht Jahren noch aus wie heute. Zwar werden die Anmeldungen um gut 16 Prozent sinken, doch die vier Grundschulen in Waltrop werden alle überleben und das im Schnitt zweizügig mit je rund 200 Schülern 2020. Deutlich komplexer wird’s, wenn es um die fünf weiterführenden Schulen geht.
„Ich entscheide nichts“, sagt Prof. Rösner den 75 Eltern, Lehrern und Schülern im Publikum und betont. Genug Waltroper Kinder sind es aber schon heute nicht. Gerade an der Gesamtschule und dem Gymnasium sind etliche Schüler aus Datteln, Lünen und Dortmund dabei. „Alles könnte so bleiben“, sagt der Schulforscher. Zwar werden sowohl die Realschule an der Ziegeleistraße als auch das Theodor-Heuss-Gymnasium sich künftig mit drei Klassen pro Jahrgang anfreunden müssen. Die Gesamtschule wird über 50 Prozent der Schüler im Umland anwerben. Alle Schulen sind rechtlich lebensfähig.
Ob es aber sinnvoll ist und ob sich die Stadt Waltrop es leisten kann, Schulkapazitäten für Nachbarn anzubieten, ist die entscheidende Frage, denn Waltroper Kinder gehen kaum außerhalb zur Schule. Drei mögliche Strategien sieht das Konzept vor, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Zum einen kann alles so bleiben wie es ist, denn wenn weiterhin genug Schüler den Weg über die Stadtgrenze finden gibt es „keine akuten Handlungsnotwendigkeiten“.
In einer zweiten Option soll nur an der Gesamtschule gekürzt werden. „Die sechszügig geführte Gesamtschule ist für die Belange der Stadt Waltrop überdimensioniert“, so Prof. Rösner. Die profilierte gymnasiale Oberstufe könnte auf der Strecke bleiben. Eine dritte Lösung: „Umwandlung der Realschule in einen Teilstandort der Gesamtschule“: Dies ist der beste Weg aus Sicht des Gutachters. Um den optimalen Weg zu finden, wird dem Schulausschuss eine Grundschuleltern-Befragung vorgeschlagen. Für Klaus Harde von der Lehrergewerkschaft GEW zeigt sich aus dem Gutachten vor allem: „Waltrop ist gut aufgestellt und wir müssen nichts übers Knie brechen.“
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