Grundwasser in Sythen enthält krebserregende Stoffe
04.01.2010 | 18:42 Uhr 2010-01-04T18:42:00+0100
Haltern am See. Der Schock sitzt tief – und zwar im Grundwasser. Und der Schock heißt: 13.000 Mikrogramm/Liter sprengstofftypische – und Krebs erregende – Verbindungen im Grundwasser von Sythen-Lehmbraken. Das wurde nach jüngsten Messungen festgestellt.
Der Schwellenwert liegt bei 0,2 Mikrogramm. Darüber hinaus wird's gefährlich. Ab sofort darf das Grundwasser, das für Mensch und Tier schon seit langem tabu ist, auch nicht mehr zum Bewässern von Rasen, Pflanzen und Gemüse aus dem heimischen Garten verwendet werden. Nach den letzten Grundwasser-Kontrolluntersuchungen im Herbst, deren Ergebnisse der Kreis im Dezember veröffentlichte, wurden die Anwohner bereits davon in Kenntnis gesetzt und ein Nutzungsverbot des Wassers ausgesprochen. „In dem Ortsteil”, so die Untere Bodenschutzbehörde des Kreises, „liegen zahlreiche Hausgärten und landwirtschaftlich genutzte Flächen. Die Hausbrunnen im Halterner Ortsteil Sythen sind nach Angaben des Kreises „bisher nicht belastet”.
„Ausgangspunkt der Verunreinigungen ist das Gelände der WASAG-Chemie. Zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg waren beim Umgang mit Munition und Sprengstoffen große Mengen ins Grundwasser gelangt”, erklärt Georg Wohlfahrt von der Unteren Bodenschutzbehörde des Kreises. Der Grund für den plötzlichen Anstieg der Werte, die bislang zwischen 800 und 3000 Mikrogramm lagen? „Die Frage kann man nicht beantworten. Denn die Werte schwanken stark. Zumal das belastete Grundwasser ca. 30 Meter pro Jahr fließt”, erklärt Wohlfahrt.
Säuberung in naher Zukunft nicht möglich
In 20 Grundwasser-Messstellen werden regelmäßig Grundwasseruntersuchungen im Nahfeld des WASAG-Werksgeländes bis nach Sythen und in einer Gesamtentfernung bis zu drei Kilometern vorgenommen. Wobei der Ortsteil Sythen bislang nicht belastet ist, so der Kreis. Das Grundwasser und damit auch die Verunreinigungen bewegen sich in diesem Bereich nur sehr langsam fort. Allerdings: Um die Gesamtausdehnung und mögliche weitere Ausbreitung bewerten zu können, muss viel und tief gebohrt werden. Erst danach, so gibt der Kreis Recklinghausen bekannt, „wird man sich der Frage nähern können, ob Sanierungsmaßnahmen überhaupt technisch und finanziell leistbar sind”. Schnell geht übrigens die Sanierung des Werksgeländes voran. In diesem Jahr sollen erste konkrete Sicherungsmaßnahmen in Angriff genommen werden.
Und eine grundsätzliche Sanierung des Grundwassers, beispielsweise mit Ozon, sei in dem weiträumigen Bereich, der bereits von der Verunreinigung betroffen ist, in absehbarer Zeit nicht zu realisieren. Zum einen seien die technischen Möglichkeiten beschränkt, zum anderen würde man mit Kosten in Höhe einer dreistelligen Milliardensumme rechnen müssen. Allerdings, so ein schwacher Trost, sei der Boden nicht mit den Schadstoffen angreichert worden. Auch das Trinkwasser sei nicht gefährdet, zumal Gelsenwasser in diese Untersuchungen eingebunden sei. Ebenso im Silbersee gebe es keine Probleme. Das verseuchte Wasser fließe in Richtung Südost ab. „Wir beobachten aber, ob sich vielleicht die Fließrichtung nicht eines Tage ändert”, so Wohlfahrt, der auch keine Gefährdung des Mühlenbaches sieht. Das Wasserniveau des Mühlenbaches werde über dem des Grundwassers gehalten. Um aber die räumliche Ausdehnung der Schadstoffe und ihre mögliche weitere Ausdehnung endgültig bewerten zu können, müssen nach Einschätzung des Kreises Brunnen mit bis zu 100 Meter Tiefe errichtet werden. „Eine Aufgabe, die sicher einige Jahre in Anspruch nehmen wird.”
Bereits im August 1999 wurden die Bewohner von Lehmbraken über die Umweltbelasten unter ihren Häusern informiert. Damals ließ es der Kreis mit Empfehlungen zur Grundwassernutzung bewenden. „Die Untersuchungen belegen aber nun eindeutig ein Ansteigen der Grundwasserkontamination”, so der Kreis. Und zwar an mehrern Stellen.
Forum: Halterns belastetes Wasser: Was lernen wir aus den Umweltsünden der Vergangenheit?
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