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Grafen prägten die Geschichte

26.04.2011 | 16:30 Uhr
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Grafen prägten die Geschichte
In vergangenen Tagen lebten die Grafen Westerholt in einem hochherrschaftlichen Anwesen. Foto: Heinrich Jung

Herten-Westerholt Die Geschichte Westerholts steht und fällt mit der Grafenfamilie. Männer wie Frauen hinterließen ihre Spuren.

Bereits 1017 waren die Herren von Wessel, so hieß die Familie vor der Niederlassung im Ort, im Vest tätig. Das belegen Urkunden von Kaiser Heinrich II. Die Wessels waren Dienstmannen des Kaisers. „Sie waren auf dem diplomatischen Parkett sehr aktiv und haben für den Kaiser Beziehungen geknüpft“, weiß Matthias Latus, Vorsitzender des Heimatvereins Westerholt. Als Dank für ihre Loyalität erhielten sie Westerholt.

Seit 1193 sind die Herren von Westerholt urkundlich nachweisbar. Ihr Stammsitz war die Burg Westerholt, die bis zum 14. Jahrhundert ihr Eigentum war. „In dieser Zeit versuchte die Familie, ihr Gebiet zu vergrößern. Und das war nicht im Sinne des Erzbischofs von Köln, unter dessen Schutz sich die Grafen 1359 stellten. Ob freiwillig oder nicht, das ist nicht überliefert.“

Die Westerholts waren ein angesehenes Adelsgeschlecht. Bis 1762 Joseph Clemens August ohne einen Stammhalter starb. Die Bewohner des Dorfes sahen darin einen Fluch, der seit der Verbrennung der Anna Spiekermann auf dem Dorf lastete. „Das Geschlecht wäre ausgestorben und das ganze Vermögen hätte an den Kaiser zurück gegeben werden müssen“, weiß Latus. Es war die Stunde der 13-jährigen Wilhelmine Franziska, die den 22-jährigen Ludolph Friedrich Adolf heiratete. „Ludolph war ein trunk- und spielsüchtiger Mensch. Er verspielte in nur einer Nacht Schloss Horneburg.“ Wilhelmine Franziska rettete das Hab und Gut der Familie. Sie ersann eine List. „In betrunkenem Zustand ließ man Ludolph einen Ehevertrag unterschreiben, der ihm nur repräsentative Pflichten überließ. Die Geschäfte führte fortan Wilhelmine Franziska.“

So sehr wie das Spiel liebte Ludolph auch die Musik, unterhielt eine Kapelle und spielte Fagott. 1786 engagierte er für seine Tochter einen Klavierlehrer: Ludwig van Beethoven. Vier Jahre lang lebte der bei den Westerholts. „Beethoven nahm rege am Familienleben teil“, so Latus. Zu rege, vielleicht. Er verliebte sich in Maria Anna Wilhelmine, die Tochter des Hauses. „Die Zuneigung war wohl da. Aber sie war so erzogen, dass eine Adelige einen Hauslehrer nicht heiraten durfte.“ Die Liebe durfte nicht sein. 1790 ging Beethoven. Zum Dank komponierte er ein Trio für Klavier, Flöte und Fagott. Der Tochter schrieb er weiter Briefe. „Niemals wird mein Herz sich ändern und es wird dich immer lieben“, heißt es da.

Die Westerholts überstanden die Zeiten der Industrialisierung, der Veränderung der Welt, gut. Im ersten Weltkrieg dienten die Adeligen unter Kaiser Wilhelm II. Als Egon Graf von Westerholt im August 1914 an seine Kriegswunden starb, übernahm sein 17-jähriger Sohn Egon.

Egon war ein berühmter Rennfahrer, der Anfang der 30er Jahre Erfolge feierte. Kurz nach der Machtergreifung der Nazis fuhr er ein Rennen in Paris - und hob dort nicht den Arm zum Führergruß. „Das machte ihm das Leben schwer“, weiß Latus vom früheren Grafen selbst, „seine Karriere war zu Ende.“

Die geradlinige Haltung Egons machte ihn auch unter den Westerholtern beliebt. „Er war ein großer Verfechter der Westerholter Rechte und immer fair“, schwärmt auch Matthias Latus. Nach Egons Tod im Jahr 2002 folgte sein Enkel, Carlo Graf von Westerholt, ihm nach.

Kira Schmidt

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