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Gleiche Arbeit, gleiches Geld

10.04.2008 | 20:01 Uhr

Die IG Metall Recklinghausen will die Kampagne auch in ihrem Verwaltungsbereich mit Leben erfüllen.Für Leiharbeiter sollten dieselben Lohn- und Arbeitsbedingungen gelten wie für Stammbeschäftigte

Unterstützen die Kampagne (v.l.): Rainer Matz, Herbert Lauf, Walter Schmidt und Dr. Josef Hülsdünker. Foto: WAZ, Jürgen Hein

Vest. Die gleiche Firma, der gleiche Arbeitsplatz, die gleiche berufliche Qualifikation. Und doch verdient der eine Produktionshelfer in der Metallbranche 1050 Euro brutto, der neben ihm aber 1960 Euro brutto im Monat. Warum? Einer ist Leiharbeiter, der andere zählt zur Stammbelegschaft.

"Gleiche Arbeit - Gleiches Geld" lautet der Slogan einer bundesweiten Gewerkschaftskampagne, die jetzt in Frankfurt begonnen hat und auch im Vest durch die IG Metall Recklinghausen mit Leben erfüllt werden wird, wie ihr erster Bevollmächtigter Herbert Lauf (57) bestätigte. "Eine Umfrage hat ergeben, dass durchschnittlich 20 Prozent der Beschäftigten in den Betrieben aus Leiharbeitnehmern bestehen." Im Zuständigkeitsbereich der Recklinghäuser Verwaltungsstelle sind das mehr als 2000 Menschen.

Was die Gewerkschaft verändern will, sind die Ungleichbehandlungen am Arbeitsplatz. Sie resultiert ihrer Meinung nach nicht zuletzt aus unternehmerischem Wettbewerbsdruck und dem Erreichen von Renditezielen.

Das bestätigt Walter Schmidt. Der 59-Jährige ist freigestellter Betriebsrat des Unternehmens JC Eckardt GmbH, das einen großen Standort in Dorsten unterhält. "Wir waren mal 500 Monteure", schildert Schmidt. "Mittlerweile sind wir noch 120 mit einem Durchschnittsalter von 52 Jahren. Alle anderen, teilweise 50 bis 75 Prozent der Kollegen, werden als Leiharbeiter eingestellt und verschwinden mit ihrem Know-how wieder, sobald der Auftrag erledigt ist."

Warum das so ist, erklärt Schmidt mit den Gesetzen des Marktes. "Die Monteure der Stammbelegschaft verdienen durchschnittlich 19 Euro pro Stunde, erhalten 30 Tage Urlaub, dazu Urlaubs- und Weihnachtsgeld nach Tarif. Die Leiharbeiter verdienen zwischen sechs und elf Euro. Sonst nichts."

Mittlerweile gibt es die Problematik der Ungleichbehandlung auch im Ausbildungsbereich. Die Hella KG in Recklinghausen etwa praktiziert das, schildern die Gewerkschaftsfunktionäre. Da stünden Auszubildende von Hella neben denen der Leiharbeitsfirma avitea GmbH, einer Tochter des Hella-Konzerns. Die Azubis von Hella verdienten nicht nur mehr, sondern hätten im Gegensatz zu ihren avitea-Kollegen auch tariflich zugesichert eine Übernahmegarantie für eine Dauer von zwölf Monaten nach Ausbildungsende.

Nach Ansicht von Dr. Josef Hülsdünker (56), Vorsitzender der DGB-Region Emscher-Lippe, ist es wichtig, die Auseinandersetzung zwischen Kapital und Arbeit im Bundestagswahlkampf zuzuspitzen, um ihr Gehör zu verschaffen. "Es ist nicht einzusehen, dass Arbeitsplätze abgebaut werden, obwohl Arbeit vorhanden ist. Und wir wollen auch keinen Arbeitsplätze vernichten, was uns ja vorgeworfen wird. Sondern wir wollen billige Arbeitsverhältnisse verhindern."

Und das gehe am besten über die Organisation der Leiharbeiter, etwa in der IG Metall. "Nur dann können wir auch wirklich etwas für sie tun", sagt Rainer Matz (42), Gewerkschaftssekretär der IG Metall Recklinghausen.Forum: Gleiche Arbeit, gleiches Geld - wie sehen sie das?

DerWesten.de/vest

Von Friedhelm Pothoff f.pothoff@waz.de 02361 9370-128

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