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Bauern in der Stadt

Gelb ist nur die Quietscheente

16.09.2012 | 15:54 Uhr
Gelb ist nur die Quietscheente
Auge in Auge mit einem Classic-Pony-Fohlen. „Landwirtschaft und Stadt“ machten es möglich.Foto: Mathias Schumacher

Recklinghausen.   Landwirte informieren auf dem Altstadtmarkt über ihren Beruf und ihre Produkte. Landwirt sein, heißt heute auch, sich mit viel Bürokratie zu plagen.

Wenn man auf dem Altstadtmarkt Trecker sieht, freut man sich, dass es nicht wie in Frankreich Ärger, verstopfte Straßen und Streik bedeutet. Hier bedeutet es nur, dass der Landwirtschaftliche Kreisverband Recklinghausen die Bürger informieren will. Bauern, Landfrauen und Landjugend präsentieren sich.

Bei Andreas Vortmann dreht die siebenjährige Marina Weizen durch eine Mühle. „Mal schauen, ob du da Brötchenmehl herausbekommst“, sagt Vortmann. Das ist echt Arbeit, muss die Kleine feststellen. Der Landwirt aus Dorsten, der Legehennen, Spargel und Erdbeeren hat und auch häufig Schulklassen über seinen Hof führt, will informieren. „Für Kinder aus der Stadt ist es wichtig, mal eine Ente zu sehen“, sagt er. Schließlich sei die nicht gelb, „das ist nur die Quietscheente.“

Auch wüssten die Bürger oft gar nicht mehr, wo Mehl herkomme. Er hat darum Hafer, Roggen, Mais und Weizen in Gläsern aufgebaut, zum Anfassen und zum Mahlen. Eine Familie würde gern ihr selbstgemahlenes Mehl mitnehmen, sie holt sich Tüten aus der Bäckerei. „Daran haben wir gar nicht gedacht“, gibt Vortmann zu. „So lernen wir selber noch – nächstes Jahr sollten wir unbedingt selber Tüten mitbringen“, sagt er zu WLV-Pressesprecherin Laura Jacobs.

Melken üben

„Wir haben festgestellt dass die Menschen aus der Stadt kaum noch auf die Höfe kommen, wenn wir da Veranstaltungen organisieren, also versuchen wir, in die Stadt zu kommen.“ An zwei Melkkühen können Kinder einmal ausprobieren, wie man früher die Milch aus den Kühen herausbekam, „ein Gefühl dafür bekommen, merken, wie schwierig das ist“, erklärt Jacobs. So wie die neunjährige Marie aus Recklinghausen. „Wenn man es sich erklären lässt, dann klappt es – aber es ist ganz schön schwer.“ Das wichtigste sei es, so Jacobs, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, „zu erfahren, was den Verbraucher beschäftigt“.

Kornelia Wübber aus Dorsten gibt Kochtipps, Empfehlungen für Quarkwickel und Heilrezepte – alles, was man aus Milch machen kann. Sie hat 200 bis 250 Tiere „auf viel Platz mit Stall und Wiesen“. Sie achte darauf, dass es nicht zu eng wird, denn sonst fühlten sich die Tiere nicht wohl. Kuhmilch sei über Jahrhunderte immer von den Menschen getrunken worden. „Wir wissen, dass das ganz wichtig für den Knochenaufbau und die Zähne ist“, berichtet die offizielle Schulmilchbotschafterin.

Trecker für 100 000 Euro

Während der Rentner, Jäger, ehemalige Sägewerker sowie Landwirt Armin Schulzepellangahr vom Hegering Rehpfoten zeigt, ausgestopfte Fischotter, Füchse, Marder, Blätter, Zapfen und vieles mehr, hoffen die Landfrauen, ihre Kartoffeln mit Kräuter- oder Knoblauch-Dip an den Mann zu bringen. Ein Teile des Erlöses geht an den Ambulanten Kinderhospizdienst.

Hubertus Hölscher aus Gelsenkirchen erklärt den Bürgern welche Maschine wie funktioniert. Ein alter luftgekühlter Deutz von 1956 wird von den Kindern erklettert, ein gut zehn Jahre alter Fendt Favorit 515C mit 150 PS und schon 50 km/h sowie ein brandneuer Fendt 309 für rund 100 000 Euro zeigen den Fortschritt der Landmaschinen. „Der neue schafft aber auch in einer Stunde, wofür man mit dem alten einen ganzen Tag brauchte“, erklärt Hölscher. „Der Fortschritt hat da Gott sei dank nicht Stopp gemacht“, sagt er auch angesichts solcher Annehmlichkeiten wie Tempomat, Computertechnik und Klimatisierung. Satellitengestützte Erntemaschinen gebe es im Vest aber kaum: „Das lohnt bei den kleinen Parzellen hier nicht.“ Der 39-Jährige hat rund 1000 Schweine und 40 Hektar Acker, wo hauptsächlich das Futter für die Tiere produziert wird. „Ein schöner und sehr vielschichtiger Beruf, aber sehr anstrengend und arbeitsintensiv“, schränkt er ein. „Mittlerweile ist es sehr bürokratisch geworden.“

Von Oliver Mengedoht

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