Gärtnern, klettern, matschen
04.09.2007 | 08:22 Uhr 2007-09-04T08:22:21+0200Auf dem Natur- und Begegnungsbauernhof in Waltrop sind Bewegungsdrang und Experimentierfreude keine Grenzen gesetzt. Er soll ein Erfahrungsraum für behinderte und nicht behinderte Kinder sein
Waltrop. Im Matsch buddeln - Valentina (11), Tracy (7) und Sharon (10) finden das "toll". Lukas (10), Daniel (11) und Jonas (8) hüpfen lieber auf dem Trampolin. Auf dem Natur- und Begegnungsbauernhof am Rapensweg sind dem Bewegungsdrang und der Experimentierfreude keine Grenzen gesetzt. Wer gärtnern will, der gärtnert. Wer auf Bäume klettern will, klettert auf Bäume. Wer Meerschweinchen streicheln will, der streichelt Meerschweinchen.
"Unsere Naturwerkstatt bietet viele naturnahe Erlebnisräume, die alle Sinne ansprechen", sagt Dorothee Zijp. Der 4000 Quadratmeter große Garten solle eine Begegnungsstätte sein, ein außerschulischer Lern- und Erfahrungsort - für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Für Menschen mit und ohne Behinderungen. Die Erzieherin zählt zu den sieben kinder- und naturverbundenen Menschen, die vor gut einem Jahr den Verein NaBeBa (Natur-/Begegnungsbauernhof) gründeten. "Wir wollten ein Projekt starten, das es Kindern ermöglicht, die Natur kennen zu lernen, Umweltbewusstsein zu entwickeln und zudem ihre motorischen und sozialen Fähigkeiten zu erweitern. Es sollte dabei so konzipiert sein, dass auch körperlich und geistig behinderte Kinder mitmachen können", so Zijp. Denn: "Behinderte Kinder haben oft kaum Kontakt zu Natur und Tieren."
Die engagierten Naturfreunde pachteten ein Grundstück an der Stadtgrenze Waltrop/Ickern - direkt am Waldrand. "Das Gelände war verkommen und vermüllt", erinnert sich die Vereinssprecherin. Mit Unterstützung der Stadt gelang es, das Chaos zu beseitigen. Im Frühjahr 2007 konnte dann mit dem Anlegen der Freizeitstätte losgelegt werden. Fachwissen war und ist im Kreis der Gründungsmitglieder vorhanden - zu ihm gehören u. a. eine Biologin, ein Gärtner, ein Imker, eine Kindergärtnerin oder auch Eltern von behinderten Kindern.
In die Aufbauarbeiten wurden von Beginn an Kinder einbezogen. "Sie identifizieren sich dann mehr mit dem Projekt, lernen noch mehr", erläutert Dorothee Zijp. Auch die Nachbarn aus dem Rapensweg legten häufig engagiert mit Hand an. Dem Verein gelang es zudem, Geld- und Sachspenden einzutreiben (z. B. vom Hornbach-Baumarkt).
Aus dem verwilderten Areal ist in nur wenigen Wochen ein grünes Spielparadies geworden. Blumen- und Gemüsebeete wurden angelegt, ein Gartenhaus renoviert, ein Bienenstock mit drei Völkern besiedelt, ein Schredderhaufen aufgetürmt, eine Wasserpumpe aufgestellt, Rucksäcke für Waldspaziergänge mit Lupen bestückt usw. Die Naturwerkstatt hat auch schon verschiedene Workshops angeboten - vom Waldspaziergang bis zur "Untersuchung des Drecks".
Das Angebot des NaBeBa richtet sich an Kindergärten, Schulen, Kleingruppen, Einzelpersonen. Sie können auf dem Naturbauernhof Projekttage oder -wochen verbringen oder auch ihren Geburtstag feiern. Für Menschen mit Behinderungen bietet der Verein auf Nachfrage auch Einzel- und Kleingruppenbetreuung am Nachmittag oder am Wochenende an. Zum NaBeBa-Team gehört zudem eine Ergotherapeutin, die Kinder und Jugendliche mit körperlichen oder geistigen Benachteiligungen in der Natur ergotherapeutisch fördern kann.
Der Erlebnishof entwickelt sich Schritt für Schritt. Der Verein (mittlerweile an die 40 Mitglieder) hat viele weitere Pläne. So will man Hühner, Enten, Kaninchen anschaffen und in Gehegen unterbringen, die auch mit dem Rollstuhl erreichbar oder befahrbar sind. Das kleine Schreberhäuschen soll zur Waldschule ausgebaut werden, eine Feuerstelle und eine Waldbühne sollen geschaffen werden. Aus dem angrenzenden Waldweg will man einen Lehrpfad machen. Und: Auf einer riesigen Wiese, die der NaBeBa von der Stadt dazu gepachtet hat, sollen eine Streuobstwiese und ein Bolzplatz angelegt werden.
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