Für mehr Bildungsgerechtigkeit
27.01.2012 | 18:50 Uhr 2012-01-27T18:50:00+0100
Marl.Den Wunsch, (mehr) Sozialarbeiter in die Schulen schicken zu können, gab es in Marl schon lange. Das von der Bundesregierung im Vorjahr auf den Weg gebrachte „Bildungs- und Teilhabepaket“ macht die Umsetzung nun finanziell möglich: Sieben neue Schulsozialarbeiter wird die Stadt in Kürze einstellen, ausgewählt aus rund 70 Bewerbern. Voraussichtlich ab dem 1. März beginnen die Schulsozialarbeiter ihren Dienst: an der August-Döhr-, der Bonifatius-, der Goethe-, der Käthe-Kollwitz-, der Martin-Buber- und der Pestalozzi-Grundschule sowie an der katholischen Hauptschule an der Wiesenstraße. Eine Halbtagskraft zur Koordination arbeitet zudem im Rathaus, genauer: im Jugendamt.
Zwei Kriterien kamen bei der Schul-Auswahl zum Tragen. Zum einen sollen die sieben neuen Schulsozialarbeiter möglichst präventiv arbeiten; daher kämen sie in Marl vornehmlich in Grundschulen zum Einsatz, erklärte Jugendamtsleiter Volker Mittmann. An den ausgewählten Einrichtungen, ergänzte Schuldezernentin Dr. Barbara Duka, nähmen dabei überdurchschnittlich viele Kinder aus bedürftigen Familien am Unterricht teil. Die neuen Fachkräfte sollen diese Kinder (und ihre Eltern) dabei gezielt über ihre Ansprüche auf finanzielle Unterstützung informieren: für Nachhilfestunden, Schulausflüge, die Mittagsverpflegung, für die Teilhabe an Kulturprojekten und die Mitgliedschaft im Sportverein.
Doch auf eine derartige rechtliche Beratung soll sich der Dienst der neuen Schulsozialarbeiter bei weitem nicht beschränken. Schließlich sei „Schulsozialarbeit mehr, als Kinder dahin zu bringen, die Leistungen des Bildungs- und Teilhabepakets in Anspruch zu nehmen“, so Duka.
Von Hilfestellungen im Schulalltag (etwa zur Lösung von Konflikten) über Maßnahmen zur Stärkung des Selbstbewusstseins bis hin zum Elterncafé oder (an der katholischen Hauptschule) Hilfe beim Übergang von der Schule in den Beruf scheint hier vieles denkbar. Zumal der Einsatz der Sozialarbeiter allen Kindern der am Projekt teilnehmenden Schulen zugute kommen soll, wie Jugendamtsleiter Volker Mittmann betont: „Wir wollen nicht stigmatisieren.“
Die Aufgaben der Schulsozialarbeiter würden „nicht an allen Schulen gleich sein“, sagte Mittmann. Vielmehr werde jedes Lehrerkollegium entsprechend der Bedürfnisse an seiner Schule und in enger Kooperation mit dem künftigen Kollegen ein eigenes bildungs- und sozialpolitisches Förderkonzept entwickeln.
Bis es soweit ist, dauert es zwar noch ein paar Tage, doch die beteiligten Schulen stehen längst in den Startlöchern. Eigene Räume für die künftigen Schulsozialarbeiter wurden bereits gesucht, auch die Eltern wurden in einem gemeinsamen Schreiben aller sieben Schulleitungen bereits über die fachliche Verstärkung für die Lehrer/innen und die pädagogische Unterstützung für die Kinder informiert.
„Wir sind glücklich“, sagte stellvertretend für alle Isa Hofemann, Leiterin der Goetheschule, „dass wir bald starten dürfen.“
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