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Kultur

Für „Local Heroes“ kehrt das Glasboot nach Marl zurück

14.04.2010 | 20:00 Uhr
Für „Local Heroes“ kehrt das Glasboot nach Marl zurück

Marl.Vier Stunden dümpelte das Boot im flachen Wasser vor dem Rathaus. Die Kunstaktion „Glasboot“ war zurückgekehrt in den Heimathafen Marl, mitten in der Local-Heroes-Woche, mitten in die Stadt. Ein Symbol für Frieden, Freundschaft, Toleranz, Liebe, Völkerverständigung.

Der Glasboot-Erfinder Bernhard Krug und die Projektleiterin Helga Ahlert waren gestern zusammen mit der Klasse 6b des Geschwister-Scholl-Gymnasiums damit beschäftigt, 2000 grüne und klare Glasflasche zu einem großen Boot zusammenzustellen, mitten im (noch trockenen) Wasserbecken auf dem Creiler Platz.

Das Boot blieb nicht alleine. Gaitano Dsaraschneli, 14-jähriges Geiger-Talent der Willy-Brandt-Gesamtschule, spielte zur Aktionen-Eröffnung um 14 Uhr ungarische Weisen. 28 junge Tänzerinnen und Tänzer der Marler Moschee führten traditionelle türkische Tänze auf. DJ Merten Freitag spielte Melodien aus Frankreich, England und der Türkei und zu sehen gab es in einem digitalen Bilderrahmen die Installationen des Glasbootes in den Marler Partnerstädten.

Vor neun Jahren ist
das Projekt gestartet

Denn das Glasboot war eigentlich genau in diesem Wasserbecken vor neun Jahren und mit 1000 grünen Flaschen gestartet, beigefügt waren vier Ruder. Eine Idee des Kunstlehrers Bernhard Krug. Noch im selben Jahr wurde die Boot-Idee auch in Kusadasi (Türkei) aufgebaut: Auf der Promenade mit Blick auf die Ägäis. Soldaten hielten hier Nachtwache. Im folgenden Jahr ging es weiter nach Creil (Frankreich), begleitet von Bernhard Krug und seinem Leistungskurs Kunst. Hier stand es im Schlosspark.

Kulturhauptstadt
Das Geld fehlt

Marl hat mehr zur Kulturhauptstadt Ruhr 2010 beizusteuern als es bezahlen kann. Viele Ideen fanden keine finanzielle Unterstützung – und kamen auch nicht zu Stande. Andere bekamen zwar eine Zusage, aber dennoch kein Geld. Denn die Auszahlung ist erst möglich, wenn die Stadt ihren Haushalt verabschiedet hat, berichtet Projektleiterin Helga Ahlert. Die Beratungen der Politiker laufen in den nächsten Wochen, weil auch die neuen Steuerschätzungen eingearbeitet werden sollen. Alle hoffen auf bessere Zahlen als noch im letzten Jahr.

Nächste Station war Pendle (England) 2003. Ein Recycling-Unternehmen, das man um die benötigten Flaschen gebeten hatte, fand die Idee so faszinierend, dass sie ein Riesen-Boot zusammenstellen ließ und das Bild in die eigene Werbung einbaute.

2004 wurde das Glasboot an dem Tag in Zalaegerszeg installiert, als Ungarn in die EU eintrat. „Ein Zigeunerboot“, wie Helga Ahlert sagt, die die Organisation von ihrem inzwischen verstorbenen Mann Heinrich Ahlert übernommen hat: Nicht einmal die Etiketten waren in Ungarn von den Flaschen entfernt worden.

Idee lag jahrelang auf dem Trockenen

In Bitterfeld war die Installation 2005 aufgebaut worden, als die Wasserfront des Binnensees eingeweiht wurde. Seitdem lag die Idee im Trockendock. Mit Herzlia (Israel) kam keine Veranstaltung zustande.

Gestern in Marl wurden Boot und Idee wieder zu Wasser gelassen. Die Frage nach entsprechender Flaschen-Unterstützung war über den ZBH und die Recycling-Firma Reiling an die Firma Moselglas weitergeleitet worden, 2000 gesäuberte Exemplare standen bereit, um zu dem großen Glasbild zusammengefügt zu werden.

Am Abend war alles wieder vorbei. Eine Nachtwache hatten sich die Künstler erspart, das Glas wanderte in die beiden Recycling-Container neben dem Wasserbecken. Sauber nach klar und grün getrennt.

Mehr zum Thema:

Bericht: Auf dem Forumsplatz und im Marler Stern spielt Kultur die Hauptrolle

Gert Eiben

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