Für kleine und große Jungs
05.02.2012 | 19:14 Uhr 2012-02-05T19:14:00+0100
Haltern am See. Die Seestadthalle verwandelte sich am Sonntag in ein El Dorado für Modellbauer und -sammler. Der Modellspielzeugmarkt lockte sie alle nach Haltern. Auch aus weiter entfernten Städten, wie Johannes Elsinghorst und Sohn Thomas aus Oeding nahe der Grenze zu den Niederlanden.
Der Vater sammelt Eisenbahnen – natürlich von Märklin. Seine Leidenschaft hat er auch an seine Söhne weitergegeben, und so sucht er an diesem Tag mit dem 13-jährigen Thomas nach neuen Schätzchen. Nur die alten Modelle dürfen es sein, klärt der Sohnemann auf. Eine Tüte hat er bereits in der Hand, darin mehrere Waggons für die Eisenbahn zu Hause. Schließlich will das Hobby stets gepflegt werden, aber die wahren Schätzchen, die Klassiker wie die Märklin 3015, das „Krokodil“, die stehen natürlich längst zu Hause.
Bei Andreas Sühling (43) sieht das nicht anders aus. Er sammelt Modellautos, und das seit über 20 Jahren. 700 Modelle besitze er jetzt etwa, sagt Sühling. „Die sind zusammen bestimmt an die 120 000 Euro wert.“ Ein Stück weit konnte er seine Sammelleidenschaft auch schon an seinen Sohn Taylor weitergeben. Aber der Fünfjährige interessiert sich derzeit noch eher für Trecker, und so landete schnell ein Pflug für sein Modell in der Hand des Jungen.
Seine eigenen Modelle kaufe er meist über das Internet oder bei Sammlerbörsen in Holland, berichtet Sühling. Aber manchmal fahre er eben auch von seiner Heimatstadt Heiden aus zu Märkten in Deutschland. Dieses Mal machten sich gleich drei Generationen der Familie auf den Weg nach Haltern, Opa Hubert ist auch dabei. „Aber er sammelt nichts, er ist nur so dabei“, sagt Sühling. Ihn hat also nicht die Sammelleidenschaft des Vaters zu dem Hobby gebracht.
Dass jemand ohne den Einfluss eines Familienmitglieds zum Sammler wird, erlebe er kaum noch, sagt ein Händler aus Köln. Er will seinen Namen nicht nennen, redet aber Klartext. „Die Preise sind im Sturzflug“, sagt er. Das liege schlichtweg an einer zu geringen Nachfrage, „das interessiert ja keinen mehr und es gibt keinen Nachwuchs, seit über 20 Jahren“, bedauert er.
Seiner Meinung nach liegt die Schuld vor allem an Computern und dem Internet. Zum einen habe die Technologie neue Hobbys hervorgebracht, zum anderen seien Online-Auktionshäuser eine zu große Konkurrenz. „Ich kriege auf einer Börse vielleicht noch 40 Euro für ein Modell, bei eBay maximal 30 Euro“, und das lohne sich nicht. Dabei ist zumindest die Seestadthalle zu diesem Zeitpunkt rappelvoll. Die Zeiten eines hohen Umsatzes bei den Modellbörsen sei aber definitiv vorbei, so der Händler, „ich mache vielleicht 200 Euro“. Er lockt mit Rabatten Interessierte an, „aber die meisten gucken nur, und dann kaufen sie vielleicht online, da können sie es ja Tag und Nacht“, sagt er.
Zwei, die vielleicht zum sehnsüchtig erwarteten Nachwuchs gehören werden, sind die Brüder Ben und Max. Der Acht- und der Vierjährige sollen in einer schnelllebigen Zeit das Warten lernen, findet Arno Kroll. Er selber ist Plattenbauer, und da geht es nicht immer schnell. In einer Woche wird geleimt, und in der anderen Woche erst kann weitergebaut werden. Außerdem will er den beiden Kleinen die alte Technik näherbringen. „Bei mir ist alles mechanisch.“
Das Interesse sei bei den Jungen schon vorhanden, aber vielleicht schlage ihr Herz doch eher für Modell-Autos. Zumindest verlässt die Familie die Halle mit mehreren Tüten. Von wegen Eisenbahn: Die Jungs haben zwei schicke Ferraris-Modelle geschossen.
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