Fruchtbarer Boden
09.12.2007 | 19:18 Uhr 2007-12-09T19:18:19+0100Regierungspräsident Peter Paziorek stellte sich im Halterner Seehof den Fragen der Landwirte aus dem Vest.Eine Sorge, die die Bauern umtreibt: Gefährden Biogasanlagen und Flächenverluste ihre Arbeit?
Haltern am See. Gefährden Biogasanlagen und Flächenverluste die traditionelle Landwirtschaft im Vest? Fragen, denen sich Peter Paziorek, Regierungspräsident aus Münster, im Seehof stellte.
Der Landwirtschaftliche Kreisverband Recklinghau-sen hatte den Präsidenten (seit 1. September in Amt und Würden) in die Seestadt geladen. Die Rede Pazioreks bildete den Höhepunkt des Kreisverbandstages. Viele Landwirte hatten mit Spannung erwartet, wie sich der "neue" Präsident zu ihren Anliegen äußern würde. Was den Bauern auf der Seele brennt, fasste Kreisverbandsvorsitzender Friedrich Steinmann in einer einleiten-den Rede zusammen.
Da sei zunächst die Schattenseite der gestiegenen Getreidepreise, die bei vielen Landwirten zu erfreulichen Gewinnen geführt hatten. Veredelungsbetriebe, also auf Viehhaltung spezialisierte Bauern, hätten große Probleme, da die Futtermittel nun auch entsprechend teurer geworden wären. Steinmann forderte Zugeständnisse der Politik: "Es kann doch nicht sein, dass in Deutschland schärfere Richtlinien beim Tierfutter gelten als im Rest Europas", bemängelte Steinmann. Er regte an, alternative Futtermittel wie etwa Essensabfälle wieder zu erlauben. Auch das Verbot der Verfütterung tierischer Fette sei "Wettbewerbsver-zerrung unter dem Deckmän-telchen des Verbraucherschutzes", so der Vorsitzende. Er begrüßte die für die Bauern positive Preisentwicklung für Milch- und Getreideprodukte und vertrat die Meinung, die Verbraucherpreise seien ohnehin noch zu niedrig.
Ein weiterer Streitpunkt sei der nach Ansicht der Land-wirte ungerechtfertigt hohe Flächenverbrauch etwa durch den Straßenbau. Die Bauern fordern eine Einschränkung von Ausgleichsflächen, die nach dem Gesetz für zuge-bauten Naturraum ausgewie-sen werden müssen.
Kein leichtes Terrain also für den Regierungspräsidenten. Paziorek versprach den Bauern, Rücksicht auf ihre Belange zu nehmen, sah aber in bestimmten Fragen keinen Handlungsbedarf. So wies er etwa die Beschwerde eines Landwirtes zurück, Aus-gleichsflächen seien sinnlos und was "zugebaut ist, ist eben weg". Der Naturschutz sei in dieser Frage eben nicht zu vernachlässigen, mahnte Paziorek an. Auch die Angst der Bauern, zu Zulieferern der Biogasanlagen zu werden, relativierte der Präsident: "Die Hauptaufgabe der Landwirtschaft bleibt die Erzeugung von Nahrungsmitteln." Er sehe aber "große Chancen" im Bereich der nachwachsenden Rohstoffe, von denen die Bauern profitieren könnten.
In der Frage der Veredelungsbetriebe wies Peter Paziorek darauf hin, dass außerhalb von Viehhalterschwerpunkten wie dem Vest andere Prioritäten gesetzt würden, die es auch zu berücksichtigen gelte. "Wir dürfen das Kind hier nicht mit dem Bade ausschütten", mahnte er eine sachliche Diskussion über die Agrarpolitik an.
Im Großen und Ganzen gab sich der Präsident verständnisvoll gegenüber den Sorgen der Landwirte und versprach, sich für sie einzusetzen. Die Bauern mochten nicht in allen Punkten mit Paziorek einverstanden sein, aber sie entließen ihn mit gebührendem Applaus. Einer fruchtbaren Zu-sammenarbeit scheint so der Boden geebnet zu sein.
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