Frische Tasche
19.01.2011 | 16:22 Uhr 2011-01-19T16:22:00+0100
Recklinghausen.Es gab Zeiten, da war so ein Wochenmarkt ein Selbstläufer. Das hat sich geändert. Heute müssen die Händler offensiv werben – und schriftlich versichern, dass ihre Produkte mit Dioxin nichts zu tun haben.
Die jüngste Werbeaktion auf dem Wochenmarkt im Dr.-Helene-Kuhlmann-Park zwischen Rathaus und Augenklinik ist grün: eine praktische, standsichere Stofftasche mit dem Aufdruck „Mein Wochenmarkt“ und dem Recklinghausen-Logo. „Dieses Grün steht für Frische und Kompetenz, für die Qualität unseres Angebots“, betont der Hertener Landwirt Ludger Südfeld, der mit seinem Gemüsestand auch Minus-Temperaturen trotzt. Dass Südfeld und seine Kollegen den Taschen-Coup gerade jetzt im Winter landen, hat seinen guten Grund: „Die Jahreszeit setzt uns schon zu. Man sieht es ja an den Lücken zwischen den Ständen, die regelmäßig aufgeschlagen werden.“ Planmäßig sind samstags 42 Stände da, mittwochs etwa die Hälfte, berichtet Marktmeister Martin Sandkühler.
Einige Händler sind schon vorgeprescht und haben ihren treuen Kunden den Stoffbeutel schon angeboten, aber richtig los geht’s am Samstag, 22. Januar: „Dann bringen die teilnehmenden Marktbeschicker die Taschen in großer Zahl unter die Leute. Und zwar geschenkt“, erklärt Verena Budéus vom städtischen Fachbereich Ordnung, der den Markt veranstaltet. Wobei „geschenkt“ in diesem Fall nicht ganz geschenkt ist. Ludger Südfeld zum Beispiel legt den grünen Beutel drauf, sobald ein Kunde bei ihm für mehr als zehn Euro einkauft: „Sonst werden die Taschen als Sammelobjekte abgegriffen.“
Die Winter-Flaute ist ein Hintergrund dafür, dass die Aktion gerade jetzt stattfindet, aber sie kommt auch genau richtig angesichts der alarmierenden Nachrichten über Dioxin in Hühnereiern und Schweinefleisch oder andere Sauereien. Der Wochenmarkt ist zwar keine absolute Garantie für gesunde Lebensmittel, für viele Verbraucher aber doch ein besonders vertrauenswürdiger Einkaufsort.
„Unsere Stammkunden schätzen die kompetente, direkte Beratung. Wir wissen, woher unsere Ware kommt, haben sie ja in vielen Fällen selbst erzeugt“, erläutert Landwirt Südfeld. Ein paar Meter weiter am Eierstand deutet Marktfrau Heidrun Lorenz auf den Brief eines Untersuchungsinstituts, wonach die Hühnereier, die der Henrichenburger Betrieb Sander anbietet, garantiert nicht mit Dioxin belastet sind. „Sehr viele Kunden fragen danach“, sagt Heidrun Lorenz. Der Mann von „Geflügel Baumann“ bestätigt: „Das ist im Moment das große Thema. Unsere Produkte sind sauber, trotzdem müssen wir erhebliche Einbußen verkraften.“
Dass die grünen Taschen Besorgnis ausräumen können, darf man bezweifeln. Den Händlern bleibt nur die Hoffnung, die sich bei früheren Skandalen bestätigte: „In ein paar Wochen hat sich das wieder erledigt.“
Dann kommt der Frühling und mit ihm eine noch schönere Markt-Zeit. Dann dürfen auch der Kaffee-Stand und das Verzehr-Zelt auf größeren Zuspruch rechnen. Sie sind neu auf dem Recklinghäuser Wochenmarkt und stehen für das Bedürfnis, das immer mehr Kunden mitbringen: „Die Leute wollen kommunizieren. Sie wollen sich treffen und was erleben“, sagt Ludger Südfeld. Und das wolle er bieten, „Mein Wochenmarkt“.
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