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Franz Müntefering bricht eine Lanze für die Jugend

07.10.2012 | 20:28 Uhr
Franz Müntefering bricht eine Lanze für die Jugend
Führte Gespräche mit Genossen: Franz Müntefering (MdB, M.)Foto:SchypullaFoto: Gerhard Schypulla

Haltern am See. Wir leben alle länger – wer den 73-jährigen Müntefering auf der Bühne im Ratssaal sieht und hört, hat daran keinen Zweifel. Nicht nur, weil seine Ehefrau 40 Jahre jünger ist, er fast asketisch wirkt und Sigmar Gabriel wahrscheinlich konditionell übertreffen würde, er spult in seinem Vortrag auch jede Menge Zahlen ab. Vor allem zur Bevölkerungsentwicklung.

Das demografische Problem

In Deutschland lebten derzeit 7000 über 100-Jährige sind. 2050 werden es über 75 000 sein. „Das ganze Schalker Stadion voller Hundertjähriger – außer auf dem Platz.“ Mit knarzender Sauerland-Stimme schmettert er viele dieser Sätze in den voll besetzten Ratssaal. Die Frage sei: Wie können wir den demografischen Wandel so gestalten, dass die jüngere Generation nicht darunter leidet? „Das Problem ist nicht die Altersarmut, weil die alten Leute heute genauso gut leben wie die Jungen. Das Problem ist, dass wir in Deutschland zu viel Arbeit durch Minijobs und Billiglöhne machen.“

Folge dieser verfehlten Politik: Die Rente reiche künftig nicht mehr für den Lebensunterhalt. Das Problem verschärfe sich durch die geringe Geburtenrate in Deutschland und dass die Menschen heute 18 Jahre länger Rente bezögen als das noch 1960 der Fall war. In absehbarer Zeit seien deshalb die Sozialkosten für den Staat aus dem Steuer- und Sozialaufkommen nicht mehr finanzierbar.

Müntefering fordert, das demografische Problem umfassender anzugehen: mit einer guten Vorschule und schulischen Bildung, einer planbaren Zukunft für junge Menschen, besseren Positionen und Bezahlungen für Frauen, einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Es gibt ein enormes Potenzial bei den Frauen. Wer nach dem Kinderkriegen auf Teilzeit geht und dabei bleibt, riskiert Altersarmut.“

Und auch für Sätze wie diesen gibt es Beifall: „Wenn in den Kindergärten mehr Männer als Frauen arbeiten würden, wäre die Arbeit besser bezahlt.“ Eine klare Absage erteilt er der „Herdprämie“, nennt die CSU-Haltung eine „reaktionäre Positionierung“.

Zum Ende wendet er sich doch noch den Senioren zu. „Die wollen nicht unbedingt die Vögel im Wald hören, die wollen in Pantoffeln an die Bushaltestelle, zum Bäcker, zum Arzt.“ „Münte“ hat’s vorgemacht: Herne statt Sauerland.

Irene Stock



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