WAZ-Medizinforum
Fitness für die Venen
24.02.2010 | 18:49 Uhr 2010-02-24T18:49:00+0100
Marl. Nein, so möchte man seine Krampfadern wirklich nicht los werden: dass ein Arzt einem diese einfach aufsticht und sodann ein heißes Eisen auf die eröffnete Stelle hält . . .
Der Grieche Hippokrates (geboren um 460 v. Chr.) hat auf diese Weise einst kranke Venen verödet – mit dieser Rückschau in die Anfänge der Krampfader-Behandlung eröffnete Dr. Hans-Gerhard Schindler (63) seinen Vortrag beim jüngsten WAZ-Medizinforum zum Thema „Krampfadern und offene Beine” am Dienstagabend in der Kapelle der Paracelsus-Klinik. Doch der Chefarzt der Gefäßchirurgie im Hause konnte die zum Teil etwas erschrockenen Besucher rasch beruhigen: Heutzutage stehen Betroffenen weitaus angenehmere Therapiemöglichkeiten für ihr Leiden zur Verfügung . . .
Mehr als nur ein ästhetisches Problem
Denn „leiden” können Menschen an Krampfadern durchaus – und das nicht nur, weil Betroffene diese zumeist wenig ästhetisch finden. Vielmehr können die sackartig erweiterten Venen mit defekten Klappen, infolgedesssen die Rückführung des Blutes zum Herzen behindert ist, auch Krankheitssymptome hervorrufen. Diese reichen von Spannungsgefühlen über Krämpfe in den Beinen bis hin zu Verfärbungen und Verhärtungen. Auch Hautentzündungen, zählte Prof. Dr. Rolf-Markus Szeimies von der Klinik für Venenerkrankungen am Knappschaftskrankenhaus auf.
Gut zu wissen. Aber: Wie sieht eine erfolgreiche Therapie kranker Venen aus? „Grundlage jeder Krampfaderbehandlung bleibt die Kompressionstherapie”, sagte Dr. Nadine Deppermann. Das Prinzip: Spezialstrümpfe engen die erweiterten Venen ein und ersetzen damit die Klappenfunktion. Dazu, so die Venen-Expertin, könne die Einnahme von Rosskastanien-Extrakt die Schwellneigung der Beine vermindern. Allerdings werde dieses „auf Dauer nicht gerade kostengünstige Medikament nicht von den Kassen bezahlt”.
Bleiben die operative Therapiemöglichkeiten (siehe auch Zweittext). Das gängigste Verfahren, erklärte Dr. Hans-Gerhard Schindler, sei dabei das so genannte Venenstripping, also Herausziehen der Vene, erstmals angewandt vom Mediziner Babcock 1907: Über einen kleinen Schnitt in der Leiste wird die Stammvene entfernt. Eine weitere Methode ist die so genannte Sklerosierungsbehandlung: Bei diesem Verfahren wird ein hochkonzentrierter Alkohol oder aus diesem hergestellter Schaum in das Gefäß gespritzt und danach eine Kompression ausgeübt, so dass eine Verklebung entsteht und das Gefäß verödet. Die Gefahr bei diesem Verfahren, warnte Schindler, sei aber, „dass dieses Mittel auch ins tiefe System abfließen und eine tiefe Beinvenenthrombose auslösen kann”. Und dies passiere in etwa 18 Prozent aller Fälle.
Vier Experten informierten beim jüngsten Medizinforum von WAZ im Vest und Klinikum Vest rund um das Thema „Krampfadern und offene Beine”: Prof. Dr. Rolf-Markus Szeimies (46), Chefarzt der Klinik für Haut-, Allergie-, Venen- und Umwelterkrankungen am Knappschaftskrankenhaus (RE), seine Assistenzärztin Dr. Nadine Deppermann (30), Dr. Hans-Gerhard Schindler (63), Chefarzt der Gefäßchirurgie an der Paracelsus-Klinik (Marl), und sein Oberarzt Antony Burbank (45).
Ob sich eine Krampfader-Entfernung überhaupt lohne, wollte ein Forumsbesucher wissen: „Die kommen doch wieder.” Ja, gestand Schindler, allerdings nur in vier Prozent aller Fälle – „vorausgesetzt, die Operation ist gut gemacht”.
Ob eine Operation allerdings immer vonnöten ist, dies sollten Betroffene stets erst von Venen-Experten untersuchen lassen, erfuhren die Forumsbesucher. Und sie hörten auch, wie sie dieser Erkrankung (für deren Anlage es indes auch eine erbliche Veranlagung gibt) vorbeugen können. Denn auf bestimmte Risikofaktoren wie zu viel Gewicht, (zu) viel Sonne und heiße Bäder lässt sich durchaus Einfluss nehmen. Und wer zudem „einen ebenfalls wenig venenfreundlichen, sitzenden oder stehenden Beruf ausübt”, so Prof. Dr. Rolf-Markus Szeimies, „bei dem tut Bewegung Not”. Schwimmen, Laufen, Wandern seien empfehlenswert (Squash, Handball, Tennis, Fußball dagegen weniger). Und was den Venen auch noch gut tut, verriet schließlich Dr. Nadine Depperman: „Legen Sie regelmäßig Ihre Beine hoch – mindestens 30 Minuten am Tag.”
Toller Tipp!
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