Festwoche für den „schönen Torso“
15.11.2011 | 15:57 Uhr 2011-11-15T15:57:00+0100
Recklinghausen. Das Gymnasium Petrinum feiert die „Ingebrauchnahme“ vor 100 Jahren – und den neuen Trakt für die Naturwissenschaften.
Das Gymnasium Petrinum kann zwar auf eine stolze Schultradition seit 1421 verweisen. Doch das „nur“ hundert Jahre alte Schulgebäude von 1911 wurde – bis heute – nie festlich eingeweiht. Das „Amtliche Kreisblatt für den Stadt- und den Landkreis“ schrieb damals nur dröge von der „Ingebrauchnahme“ des Neubaus.
Den Grund für dieses Versäumnis – das mit hundertjähriger „Verspätung“ der Festakt für den Abschluss der Petrinum-Bauten nachholen wird – kennt Theo Kemper, als Historiker und stellvertretender Schulleiter bestens im Thema: Das vertraute Gebäude ist ein „schöner Torso“. Die Front entlang des Herzogswall „sollte noch viel prächtiger werden“, wie Schulleiter Detlef Klee sagt. In der Tat zeigen die hundert Jahre alten Bauzeichnungen (links vom Türmchen) eine Neorenaissance-Fassade mit Schmuckgiebeln und hohen Bogenfenstern, wie sie Gildehäuser in der Danziger Altstadt nicht schöner vorweisen könnten. Dahinter sollte ein Festsaal 500 Gästen Platz bieten – doppelt so groß also wie die heutige Schulaula. Das Petrinum des Jahres 2011 zählt 873 Schüler.
Es kam dann alles etwas schlichter. Drei Jahre nach der ungefeierten „Ingebrauchnahme“ fehlte mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs schlicht das Geld, um protzig weiter zu bauen. Ist es da nicht erstaunlich, dass dieses Jubiläum nicht auch noch ungefeiert vorbei strich? Nein, meint Theo Kemper, „Recklinghausen war ja ein Gründerzeit-Ensemble“. Das Hundertjährige des Rathauses von 1908 wurde gebührend gefeiert; auch die Christuskirche von 1911 ist nur acht Monate älter als das Gebäude des Traditions-Gymnasiums.
Die Stelle des nie gebauten Prunk-Trakts nahm schließlich der schlichte Anbau aus den 1950er Jahren ein, der übrigens einen Weltkriegs-Bunker überbaut. Und jetzt gilt es, einen „unsichtbaren“ Neubau zu feiern, der seit Beginn dieses Schuljahres in Betrieb ist. Für das Büro Stefan Ludes – mit besten Referenzen im Hochschul- und Klinikbau – mag es ein kleiner Auftrag gewesen sein, den Klinkerbau von 1982 aufzustocken. Und den Aufbau auch noch in perfekter architektonischer „Mimikry“ dem 29 Jahre alten Sockel-Trakt anzupassen
Der Direktor aber „freut sich“, sagt Detlef Klee – von Haus aus Mathematik- und Physiklehrer. Drei neue Biologieräume, je einer für Physik und Chemie, dazu ein Raum für die Oberstufe: „technisch sind wir jetzt auf der Höhe der Zeit“, betont der Schulleiter. 1,3 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket 2, dazu für Mittel des „100 Schulen-Programms“ machten die Ideal-Ausstattung möglich. „Wir haben um jedes Detail gekämpft“, sagt Detlef Klee, „und es hat wirklich exzellent geklappt“. Und im Hofgebäude neben der Gymnasialkirche ist seit zwei Tagen die Mensa eingerichtet: 60 Petriner finden hier Platz an apfelgrünen Stühlen, weitere 100 speisen auf der anderen Straßenseite im Finanzamt.
Den Festakt am Samstag, 26. November, in der Schulaula – die übrigens (anders als der einst geplante wilhelminische Prunksaal) „nur“ 250 Gäste aufnehmen kann – krönt die Uraufführung einer Schulhymne: „Petriniani“ heißt das Werk des Abiturienten Christian Schneider. Der Chor singt lateinisch; schließlich lautet das offizielle Leitbild des Gymnasiums: „Innovation und Tradition“.
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