Fernwärme heizt künftig ein
06.02.2012 | 19:08 Uhr 2012-02-06T19:08:00+0100
Oer-Erkenschwick.In der Stimbergstadt ist ein neues Kapitel der Energieversorgung aufgeschlagen worden: Künftig ist es möglich, in bestimmten Bereichen Fernwärme zu beziehen.
Möglich macht dies zum einen eine Grubengasanlage auf dem ehemaligen Zechengelände, die derzeit zur Stromgewinnung eingesetzt wird. Künftig soll die Abwärme des mit dem Grubengas betriebenen Blockkraftwerks für die Fernwärmeversorgung genutzt werden. Zum anderen hat die eigens gegründete Forma Fernwärme Oer-Erkenschwick, an der die Stadtentwicklungsgesellschaft beteiligt ist, mit RWE einen Partner gefunden, um die Wärme in die Häuser transportieren zu können. Zunächst sollen die Netze über die ehemalige Zechenbahntrasse auf das neue Calluna-Wohnquartier geführt werden. Dort werden etwa 120 Wohnungen ans Netz angeschlossen. Von dort aus ließe sich die Versorgung in die Wohngebiete der Innenstadt und darüber hinaus bewerkstelligen. Mögliche Fernwärmekunden wären der Wohnpark an der Schiller Straße, das Matthias-Claudius-Zentrum oder das Einkaufszentrum sowie die Stadtverwaltung selbst. 1000 Wohnungen könnten allein mit der Grubengasanlage mit Wärme versorgt werden.
Doch dies sei nur der Anfang, wie gestern Vertreter von Stadt, FOE, RAG-Immobilien sowie RWE erklärten. Sie unterzeichneten im Rathaus den ersten Fernwärme-Versorgungsvertrag. Außerdem vereinbarten FOE und RWE-Dienstleistungen (RWE ED) einen Kooperationsvertrag, um gemeinsam dezentrale Anlagen für die Strom- und Wärmeversorgung zu bauen.
Der technische Beigeordnete Bernd Immohr erklärte dabei gestern, dass Fernwärme nur ein Standbein sein werde für den Umbau hin zur Nutzung der regenerativen Energie in der Stimbergstadt. Dabei werde weniger an Windkraft, sondern mehr an kleine, dezentrale Blockkraftwerke sowie an eine Biomasseanlage gedacht. „Wir haben im Bereich Winkelfeld 33 000 Quadratmeter Land, wo dies gut hinpassen würde.“ Auch die RAG-Immobiliengesellschaft plant auf ihrem Gelände ein Blockkraftwerk zur lokalen Energiegewinnung.
Außerdem soll in der Stadt die Photovoltaik-Technik gefördert werden. Das Willy-Brandt-Gymnasium hat durch die Stadtentwicklungsgesellschaft eine neue Anlage bekommen. Stadtweit gibt es ein Solarkataster, das mit Unterstützung von RWE erstellt wurde. Jeder Hausbesitzer kann dort sehen, ob und in welchem Maße sich sein Dach für die Gewinnung der Energie aus Sonne eignet. Einblicke gibt es im Internet unter Stadt-Oer-Erkenschwick.de
Und auch von RWE-Seite waren neue Töne zu hören. „Die großen Kohle- und Braunkohlekraftwerke werden zwar noch eine Weile gebraucht, sind aber irgendwann Geschichte“, sagte gestern RWE ED-Geschäftsführer Markus Mönig. Auch RWE setze auf lokale und regenerative Energieversorgung.
Deswegen auch die Beteiligung an dem Oer-Erkenschwicker Projekt. Mit der Fernwärme soll auch Bewegung in die Nutzung der denkmalgeschützten Gebäude kommen. FOE-Geschäftsführer Ludger Heine: „2500 Quadratmeter in dem leerstehenden Ewaldgebäude können nun weiterentwickelt werden.“
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