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Ausstellung

Feiner Stichel an derben Bohlen

09.02.2012 | 16:00 Uhr
Feiner Stichel an derben Bohlen
Blick in den oberen Ausstellungsraum im Kutscherhaus: Der Holzschnitt rechts ist als kleine Edition auch den ersten 24 Katalogbüchern dieser Ausstellung beigelegt. Foto: Lutz von Staegmann / WAZ FotoPool

Recklinghausen.   Seinem zweitältesten Mitglied Paul Hülsmann, Holzschneider aus Passion, widmet der Künstlerbund eine Werkschau im Kutscherhaus: vom 11. Februar bis 11. März.

Sein Vereinskollege Karel Studnar dreht das zierlich anmutende Schnitzwerkzeug in der Hand: „Andere Holzschnitzer nehmen Hämmer und Meißel. Paul Hülsmann arbeitet sehr subtil.“ Für den 87-jährigen einstigen Kunstlehrer des Marie-Curie-Gymnasiums macht der Vestische Künstlerbund eine wohl begründete Ausnahme – und richtet ihm eine Einzelausstellung aus.

„Seit der Nachkriegszeit“, sagt Gerhard Reinert vom Vorstand des Künstlerbundes, sei Paul Hülsmann, der gebürtige Münsterländer aus Buldern, „eine feste Größe in Recklinghausen“. Schon auf seinem Münsteraner Abitur-Zeugnis stand: „Hülsmann will Maler werden.“ Tatsächlich zeigt die kleine Werkschau aus 44 Arbeiten im Kutscherhaus auch einige kleinformatige Gemälde – aber es sind unverkennbar die Bilder eines passionierten Holzschneiders.

Der 87-Jährige selbst zitiert vergnügt aus einer älteren Rezension: „Hülsmann ist auch als Maler noch Grafiker.“ Und als Meister der Holzschnitte ist er ein Könner der ausdrucksvollen Reduktion: Sein zerbrechlich wirkendes Werkzeug, der Stichel, liegt im oberen Raum auf einer türgroßen derben Eichenbohle, seiner Druckplatte für ein markantes Porträt, geschaffen im Handreibedruck und betitelt „Mit Schlagschatten“.

Paul Hülsmann schätzt diese Hölzer mit sichtbarer Maserung, auch mit den Spuren ihrer früheren Nutzung. „Bevor die alten Dinge verbrennen . . .“ darf’s ruhig eng werden im Reihenhaus-Atelier. „Der Charakter des Holzes ist mir wichtig.“ Mit derartigen „Druckplatten“ lassen sich keine Auflagen produzieren. Dieser Grafiker ist ein Mann der Unikate – und macht seinerseits für den Vestischen Künstlerbund eine Ausnahme: „Ich habe jetzt erst zum zweiten Mal eine kleine Auflage gedruckt“ – und zwar 24 Blätter für die 24 ersten Käufer des feinen, 72-seitigen Katalogbandes.

Schließlich ist Paul Hülsmann nach dem auch als Kulturpolitiker und Museumsdirektor bekannten 97-jährigen Thomas Grochowiak, der ja seit vielen Jahren im badischen Kuppenheim lebt und arbeitet, der älteste Künstler in den Reihen des Vestischen Künstlerbundes. Er selbst nennt sich lachend „ein Fossil aus der Vergangenheit“ – und erntet den entschiedenen Widerspruch von Gerhard Reinert: „Die jungen Künstler in den Akademien fangen wieder mit der Grafik an. Genau das ist es.“

In ihrer verspielten Strenge, in ihrem gekonnten Changieren zwischen Abbildhaftem und Abstraktion, wirken die Blätter von Paul Hülsmann zeitlos. Er verweist auf seinen einstigen Gymnasial-Lehrer Franz Homoet, einen Künstler der Neuen Sachlichkeit. Ein prägendes Vorbild? „Manchmal kommt bei mir das Expressive stärker durch“, weiß Paul Hülsmann – und schmunzelt: „Da habe ich die schlimmsten Dinge zu Hause.“

Die Werkauswahl im Kutscherhaus zeigt auch streng gefügte und zugleich expressive Antlitze und Masken-Gesichter neben grafischen Kompositionen, aus denen die lebenslange Entdeckerfreude des Künstlers spricht. „Es ist schon repräsentativ – oder?“, fragt Gerhard Reinert und hört vom 27 Jahre Älteren ein gedehntes „Ja“. Vom markanten Häusergebirge des fast 60 Jahre alten Holzschnittes „Sorano“ bis zu den ein Meter hohen „Figurationen“ als konsequent auf wenige kantige Linien reduzierten Konturen der menschlichen Figur: Mit der markanten Auswahl für diese Würdigung gelingt dem Vestischen Künstlerbund ein Glücksgriff.

Ralph Wilms

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