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Gewerkschaften

Fast 3000 streikten im Kreis Recklinghausen

04.02.2010 | 14:41 Uhr
Fast 3000 streikten im Kreis Recklinghausen

Vest. Das freute den Veranstalter, den Verdi-Bezirk Emscher-Lippe Nord: 1000 Demonstranten hatten die Organisatoren Donnerstagmorgen erwartet, es kamen fast 3000 Mitarbeiter aus dem öffentlichen Dienst im Kreisgebiet, um für ihre Interessen auf die Straße zu gehen.

„Gib mir die Fünf!” skandierte Vera Marquardt, Verdi-Sekretärin in Recklinghausen, nachdem sie die fast dreitausend Teilnehmer der Demonstration auf dem busfreien Recklinghäuser Busbahnhof am Donnerstagmorgen begrüßt hatte. Dabei freute sie sich besonders über die Teilnahme der „Sparkässler” sowie der Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes und des Wasserstraßen-Neubauamtes in Datteln.

Verdi-Geschäftsführerin Andrea Becker stellte fest: „Wir können auf Euch zählen! Wenn das überall in NRW so aussieht, dann kommen wir unserem Ziel, Tauwetter in die eingefrorenen Tarifverhandlungen zu bringen, ein gutes Stück näher.”

Durchschnittsalter bei knapp 60 Jahren

Sie begründete noch einmal die Tarifforderungen der Gewerkschaften. Verlängerung des Altersteilzeitmodelles: „Es kann nicht sein, dass das Durchschnittsalter im öffentlichen Dienst bald bei 60 Jahren liegt.” Verbindliche Übernahme von Auszubildenden: „Wir brauchen junge Leute mit neuen Ideen; die jungen Leute brauchen eine Perspektive nach der Ausbildung.”

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Die Bilanz der Polizei

Das freute dann die Polizei: Trotz der dreifachen Menge an Demonstranten verlief der Umzug vom Busbahnhof über den Grafenring, die Herner Straße bis zum Kreishaus, zurück zum Rathaus und Bahnhof ohne Störungen. Polizeisprecher Michael Franz zog die Bilanz: „Bis auf ein paar leichte Verkehrsbehinderungen in der Innenstadt, die nur aber wenige Minuten dauerten, gab es bei der Veranstaltung keinerlei Probleme.”

Bei dem Angebot der Arbeitgeber, den Topf für leistungsorientierte Bezahlung (LOB) aufzufüllen, sprach Andrea Becker aus, was viele Teilnehmer dachten und mit Applaus bedachten: „Kloppt die LOB in die Tonne!”

Über die Situation bei der „Vestischen” sprach Karsten Löcker: „Die 1000 Bediensteten in Herten und Bottrop sorgen dafür, dass die Räder heute still stehen. Wir stehen hinter den Tarifforderungen, haben aber auch eigene Forderungen. Es kann nicht sein, dass wir berufliche Fortbildung und Qualifizierung aus der eigenen Tasche bezahlen müssen. Und die Kollegen im ÖPNV, die im Dauernachtdienst arbeiten, brauchen mehr Urlaub.”

Hohe Arbeitsbelastung

Arno Oppelhoff von der LWL-Klinik in Herten freute sich über die rege Beteiligung des Personals aus vier Kliniken im Vest und beklagte die hohen Arbeitsbelastungen: „Wir arbeiten 24 Stunden und haben kein geregeltes Frei. Wir kennen nur den Anruf: Kannst Du mal aus dem Frei kommen? Dafür brauchen wir einen Bonus und fordern von den Arbeitgebern geregelte Arbeitszeiten. Und 1,28 Euro für eine Stunde Nachtarbeit ist untragbar, 20 Prozent sind im öffentlichen Dienst normal.”

Reinhard Link motivierte die Demonstranten mit seiner Gitarre und dem Song „Wenn nicht jetzt, wann dann?” zusätzlich. Und auch DGB-Bezirkschef Dr. Josef Hülsdünker ließ es sich nicht nehmen, seine Unterstützung zu bestätigen: „Wir wollen, dass die Steuergelder dazu dienen, einen funktionierenden öffentlichen Dienst auszubauen.”

Ewald Setzer

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