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Exportschlager Fahrrad-Pool

13.09.2011 | 18:39 Uhr
Exportschlager Fahrrad-Pool

Marl.„Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ Das behaupten die Menschen im Ländle gern von sich. Aber mindestens bei einer Sache bekamen die Baden-Württemberger nun Starthilfe aus Marl: Dort schauten sie sich nämlich das Projekt „Fahrrad-Pool“ ab, das am Gymnasium am Loekamp (GiL) nun schon im elften Jahr läuft.

Das Grundprinzip: Fünft-Klässler, die von einem Tag auf den anderen ihren noch unbekannten und oft weiteren Schulweg zur Penne bewältigen müssen, müssen nicht alleine losradeln (oder von ihren Eltern per Pkw zur Schule gebracht werden). Sie finden sich in kleinen Zweirad-Gruppen zusammen und werden zwei Wochen lang von einem Erwachsenen auf Hin- und Rückweg begleitet.

Genau dies stellte Diplom-Ingenieur Udo Lutz, städtischer Mitarbeiter im Verkehrswesen und Schulpflegschaftsvorsitzender am GiL, u. a. im Dezember 2010 in Stuttgart vor. In Baden-Württemberg wurde im vergangenen Jahr nämlich eine Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen gegründet. Und die war laut Lutz auf der Suche nach Projekten, die sich schnell umsetzen lassen. „Im Internet sind sie auf Marl gestoßen.“ Nun: Der Marler Fahrrad-Pool gefiel, und als SchulRadler sollte die Aktion nach den Sommerferien in Esslingen, Filderstadt, Heidelberg und Tübingen starten. Auf den Info-Flyern sind Fotos aus Marl abgedruckt.

Wo natürlich seit Montag auch schon wieder gemeinsam geradelt wird. „Die Tourenführer fahren dabei nicht vorweg, sie sind mitten drin in der Gruppe“, berichtet Lutz. Gerate das Team in knifflige Situationen, dürfen die Kinder zuerst ihre Lösungsvorschläge machen. Denn das ist den Beteiligten wichtig: Dass die Schüler den Erwachsenen nicht einfach nur hinterher fahren, sondern aktiv ihre Erfahrungen machen.

Aus dem Stadtteil Sinsen radeln zurzeit fünf Fünftklässler unter Begleitung eines Elternteiles morgens gemeinschaftlich zum GiL – und mittags wieder zurück. Aus Hüls-Süd kommt eine Fahrradgruppe mit sechs Kindern. 13 Schüler schließlich starten von Sickingmühle über Hamm zur Penne. Dabei: Emre (10) aus der 5b, der sich in dem Pool sicherer fühlt als alleine. Und Niklas findet es spannend, in der Gruppe zu fahren. „Vor allem, wenn man als erster radelt“, erzählt der Zehnjährige, der weiß: Wenn der Radler an der Spitze falsch fährt, machen alle anderen aus der Gruppe ihm das vielleicht nach – „man hat Verantwortung“, findet Niklas. Zu schnell sein darf man nicht – damit auch alle anderen mitkommen. Zu langsam (morgens) aber auch nicht – damit man nicht zu spät zum Unterricht kommt. Obwohl: „Mit dem Fahrrad-Pool haben wir erst einmal eine Schonfrist. Schließlich fahren wir auf dem Weg von Sickingmühle zur Schule auch mehrere Stationen an“, erzählt Gruppen-Lotsin Sabine Dobberstein (41), deren Tochter Laura (11) auch mit von der Partie ist.

Nach den zwei Einführungswochen sind die jungen Pedalritter so fit, weiß Udo Lutz aus über zehnjähriger (unfallfreier) Erfahrung, dass sie sich zu zweit oder zu dritt auf den Weg machen können. Von den insgesamt 935 GiL-Schülern kommen in den Sommermonaten stattliche 600 bis 700 mit dem Drahtesel zu Schule.

Ehrenamtlicher Schrauber

Glücklich schätzen kann sich das GiL laut Udo Lutz auch darüber, dass dort – im Gegensatz zu den übrigen weiterführenden Schule in Marl – die Stelle eines Fahrradwächters wieder besetzt werden konnte: Wilfried Spranger repariert ehrenamtlich kleine Blessuren an den Rädern und verhindert Vandalismus sowie Diebstähle. Er wurde auch aktiv ins Modell „Fahrradpool“ eingebunden, begleitet zwei Kindergruppen nach Hüls-Süd bzw. Hamm/Sickingmühle.
Die Fahrradwachen an anderen Marler Schulen waren von der Arbeitsloseninitiative „Alte Schmiede“ betrieben worden und mussten wegen gekürzter finanzieller Mittel eingestellt werden (WAZ berichtete). In der Folge stiegen die Diebstahlzahlen von Rädern an Schulen wieder an, so Lutz.

Nina Stratmann

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