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Interview mit dem scheidenden Superintendenten Peter...

„Es gibt keine große Baustelle“

15.09.2012 | 07:00 Uhr
„Es gibt keine große Baustelle“
Guter Dinge wechselt Peter Burkowski nach Berlin. Am Freitagabend wurde der langjährige Superintendent im Rahmen eines Gottesdienstes verabschiedet.Foto: Lutz von Staegmann

Mehr als 16 Jahre lang stand er als Superintendent dem Evangelischen Kirchenkreis Recklinghausen mit seinen 116 000 Mitgliedern vor. Am Freitagabend wurde Peter Burkowski in einem Gottesdienst in der Recklinghäuser Christuskirche von Präses Annette Kurschus verabschiedet. Der 54-jährige gebürtige Mindener wechselt an die Führungsakademie für Kirche und Diakonie nach Berlin. WAZ-Redakteur Andreas Rorowski sprach mit ihm.

Ist Ihr Schreibtisch aufgeräumt?

So ziemlich. Es gibt noch ein paar Dinge zu klären.

Was lassen Sie zurück?

Ich lasse viele liebe Menschen zurück, viel gewachsenes Vertrauen und viel Vertrautes. Das hat was damit zu tun, dass ich schon ganz lange in diesem Kirchenkreis bin; erst als Pfarrer und dann als Superintendent.

Gehen Sie mit Wehmut?

Ja. Ich gehe mit Wehmut, aber auch mit Freude auf die neue Aufgabe.

Die Nachfolge
Die Nachfolge

Der Nominierungsausschuss unter Leitung von Pfarrer Ulrich Lammers aus Waltrop beschäftigt sich seit Juni mit der Nachfolge von Peter Burkowski. Der Ausschuss hat ein Nominierungsprofil ausgearbeitet. Innerhalb der Evangelischen Kirche von Westfalen läuft eine Ausschreibung für das Amt des Superintendenten. Auch Gespräche mit Kandidaten wurden bereits geführt.

 „Der Superintendent ist ein alter evangelischer Amtsbegriff, seit der Reformation, und hat etwas mit Draufschauen, mit Menschen begleiten und heute mit der Verwaltung eines Kirchenkreises zu tun“, erklärt Peter Burkowski. In anderen Landeskirchen gebe es andere Begriffe, etwa den des Dekan.

Gewählt werden Superintendenten in Westfalen für acht Jahre. Verantwortlich „ist er für alle, die ein Amt haben“. Dazu zählen im hiesigen Kirchenkreis 90 Pfarrerinnen und Pfarrer, 700 kirchliche Mitarbeiter sowie mehr als 1600 Mitarbeiter des Diakonischen Werkes. Burkowski: „Es ist also eine geistliche und eine organisatorische Leitungsaufgabe.“

Was würden Sie als erfolgreichste Tat Ihrer Amtszeit bezeichnen?

Also ich glaube, das Entscheidende was ich hinterlassen werde, und dafür bin ich dankbar, ist, dass wir in den 16 Jahren trotz der deutlich veränderten Rahmenbedingungen es geschafft haben, uns nach und nach zu verändern mit einem vorsichtigen, zielorientierten Prozess. Es gab eher Entwicklungen als Brüche.

Welche Baustelle bleibt?

Es gibt immer welche. Keine großen, finde ich. Die offene Frage bleibt, wohin entwickeln sich die Kirchenkreise in der Nachbarschaft – also Recklinghausen und Bottrop, Gladbeck, Dorsten. Wir haben angefangen, aufeinander zuzugehen. Aber im Moment gibt es Stillstand.

Schmerzt es Sie, dass dieser Prozess stockt?

Nein. Dieser Prozess ist notwendig. Aber es schmerzt nicht, dass es noch nicht so weit ist. Wir sind in der evangelischen Kirche immer unterwegs mit vielen, die Prozesse gestalten. Und wenn die Zeit nicht da ist, dann braucht man eben noch mehr Zeit, um Argumente zu sammeln und Vertrauen zu gewinnen. Das wir angefangen allerdings haben, war richtig.

In welchem Zustand sind die evangelischen Christen im Kirchenkreis?

Ich glaube, dass wir dabei sind, in der richtigen Weise Kirche zu sein in der Nähe der Menschen: in der Form, dass die Gemeinden einladend sind und noch einladender sein müssen; in der Form, dass wir auch verstanden haben, dass es neben dem Herzschlag in der Gemeinde neue Ansprechpunkte gibt, die die Menschen neu erreicht; zum Beispiel kirchliches Filmfest, Blinking Bible, Abrahamsfest, Krankenhausseelsorge. Es gibt auch Erfahrbarkeit der Evangelischen Kirche, die noch einen anderen Ton hat. Ich glaube, dass das der richtige Weg ist: die Beheimatung in der Gemeinde und da, wo die Menschen sind, deutlicher und intensiver zu sein.

Das erinnert mich an das, was der katholische Theologe Professor Hobelsberger unlängst bei einem Hearing in Recklinghausen gesagt hat. Die katholischen Christen sind gerade dabei, den so genannten pastoralen Raum zu entdecken und ihm eine besondere Wertigkeit zu geben. Sind die beiden Kirchen da ganz nah beieinander in den Nöten und den Lösungen?

An manchen Stellen sind wir ja sogar institutionell zusammen, bei der Notfallseelsorge, Telefonseesorge, beim kirchlichen Filmfest, auch beim Religionsunterricht an Schulen. Vieles ist nicht sichtbar. Dieser Weg, wir nennen es kirchliche Orte, führt dahin, zu sagen, wo die Menschen sind, müssen wir auch sein.

Fördert das Ökumene? Und wie weit ist diese im Kreis?

Als Gemeindepfarrer und als Superintendent habe ich eine große Nähe der Konfessionen erlebt. Wir haben das gleiche Thema, die gleiche Botschaft und tun das in unterschiedlichen Formen. Das sollte uns nicht trennen, und trennt uns auch nicht.

Andreas Rorowski



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