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Prozess

Es gab kein Versteck gegen den Stalker

15.12.2008 | 18:40 Uhr

Recklinghausen. Nirgends fühlte eine 23-Jährige sich sicher. Immer hatte sie Angst, dass der Mann, der jetzt als Stalker angeklagt ist, sie findet. Und er kam ihr auch tatsächlich immer wieder auf die Spur.

Es begann, wie viele Beziehungen beginnen: „Wir haben uns locker und lustig unterhalten und er hat mir optisch gefallen.” So wurde der Nachbar zum Partner und bald zum Verlobten. Nach dem Eheversprechen allerdings kam er ins Gefängnis, musste vier Jahre absitzen wegen Vergewaltigung einer anderen. Die Liebe bröckelte, Monaten später machte die Frau Schluss. Für sie war die Sache erledigt – für ihn nicht.

Der Recklinghäuser bombadierte sie aus der Zelle heraus mit Post. Und als er Ende 2006 wieder frei war, war er überall. Im Garten, am Auto, hinter der Tür. Das zumindest war ihr Gefühl. Und so habe sie nur noch einen Wunsch gehegt, so die 29-Jährige: „Er soll aufhören mit den Nachstellungen.”

Tag zwei im Stalking-Prozess vor der 1. Strafkammer: Der Angeklagte (34), der zurzeit in einer Klinik für psychisch kranke Straftäter untergebracht ist, soll drei Frauen terrorisiert haben. Auch eine Bochumerin (23), mit der er im April 2007 zusammengekommen war und gleich ein Kind gezeugt hatte, sagte gestern aus. „Anfangs war's schön.” Dann habe er Bilder von ihr in Dessous ins Internet gestellt hatte, auf eine Partnertausch-Seite. „Die habe ich gelöscht.” Er habe sie daraufhin auf den Boden geworfen. Und die Fotos wieder hochgeladen.

Nach einem weiteren Übergriff, kurz vor der Entbindung, war ihr klar: Ich verlasse ihn. So begann auch dort der Stalking-Horror. Er habe sie belagert, ihr in zwei Monaten 369 SMS geschickt und ihrer Freundin sogar 1000. Darin drohte er, sie wegen Mietbetrugs anzuzeigen und wegen Kindesmisshandlung. Er habe auch tatsächlich Anzeige gestellt. Er drohte, sie überall ausfindig zu machen – und habe es wahrgemacht. Die junge Mutter zog um, versteckte sich in Frauenhäusern, beantragte Auskunftssperren. Er aber spürte sie auf, gab sich bei der Suche u.a. als Kommissar aus. Schlafstörungen waren die Folge „und totale Angst”. Der Prozess geht weiter.

Deike Frey

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