Erfolgreiche Jungunternehmerinnen
12.11.2010 | 17:52 Uhr 2010-11-12T17:52:00+0100
Recklinghausen.Zwei junge Frauen wollten den Erfolg und wurden Unternehmerinnen. Die 28-jährige Felizitas Jockenhöferist und die 29-jährige Johanna Gebauer gründeten vor vier Jahren in Recklinghausen das Geschäft „Grafik hoch 2“.
Sind Frauen selbst Schuld daran, wenn sie keine Karriere machen? Wenn sie kein dickes Gehalt kassieren und die Männer auf der Erfolgsleiter locker an sich vorbeiziehen lassen? Bundesfrauenministerin Kristina Schröder (CDU) formulierte das kürzlich so und zog sich prompt den Zorn der Feministinnen zu. Dabei: Ganz Unrecht hat die Ministerin nicht.
Auch wenn die Gründe für Frauen in schlechter bezahlten Jobs vielschichtig sind, liegt es oft auch daran, dass sich Frauen selbst im Weg stehen. Dass sie eher an sich und ihrer Qualifikation zweifeln, dass sie lange überlegen, ob sie den Posten schaffen. In der Zeit hat der selbstbewusste Mann seine Bewerbung längst abgeschickt. Auch hat so manche die Rollenklischees so verinnerlicht, dass es selbstverständlich ist, kürzer zu treten, wenn die Familie wächst. Und oft sind es die Frauen, die die Berufswahl nach Neigung treffen und nicht nach dem zu erwartenden Gehalt. Steine, die Frauen sich selbst in den Weg legen, müssen sie selbst wegräumen! Elisabeth Höving
Das kommt immer noch vor. Dass jemand den Laden betritt und fragt: „Kann ich mal den Chef sprechen?“ Felizitas Jockenhöfer stört das nicht. Sie antwortet: „Da sprechen Sie schon mit.“ Die 28-Jährige ist zusammen mit Johanna Gebauer (29) Jungunternehmerin – und äußerst erfolgreich.
Zwei Frauen, die’s geschafft haben, die aus der Not eine Tugend machten. Die um ihre Karriere gekämpft haben und heute sagen: „Wir haben’s geschafft, wir haben alles richtig gemacht.“ Die eine geboren in Dorsten-Wulfen, die andere in Herten-Westerholt, zusammen gründeten sie vor vier Jahren in Recklinghausen eine eigene Existenz, mit dem Geschäft „Grafik hoch 2“.
Bitteres Jahr der Arbeitslosigkeit durchlitten
Beide Geschäftsführerinnen und Mediengestalterinnen durchlitten zuvor ein bitteres Jahr der Arbeitslosigkeit. Jockenhöfer: „Wir schlugen uns mit Gelegenheitsjobs durch, bis Johanna sagte: Es reicht.“ Dann ging alles ganz schnell.
Beide Jungunternehmerinnen haben eine gute Ausbildung. Realschulabschluss, Fachabitur: „Dann fanden wir keinen Ausbildungsplatz.“ Bei beiden half das Arbeitsamt, bot einen Grundausbildungslehrgang an, inklusive Betriebspraktikum. Es folgten drei Jahre Ausbildung in einer Werbeagentur und einer Druckerei. Auf der Berufsschule lernten sich Johanna und Felizitas auch kennen. Bei beiden lief alles glatt, bis kurz nach der Ausbildung die jeweiligen Betriebe dicht machten.
Beide Frauen hielten sich mühsam mit Aushilfsjobs über Wasser. Nach einem enervierenden Jahr besuchten sie ein Existenzgründerseminar.
Wenn eine Ministerin mit knapp über 30 Frauen völlig undifferenziert ins Stammbuch schreibt, sie könnten Karriere machen – wenn sie es nur wollten, sträuben sich mir die Nackenhaare. Weil damit Heerscharen von Frauen, die Haushalt, Kinder und (!) Beruf unter einen Hut bringen (müssen), abgewatscht werden.
Viele dieser Frauen, wahre Organisationstalente in einer Gesellschaft mit starren Arbeitsstrukturen in den unteren Chargen und der Forderung nach einem Höchstmaß an Flexibilität in der upper Job-Class, haben gar keine andere Möglichkeit, als tiefer zu stapeln. Von Hartz 4-Empfängerinnen mit Kind(ern) ganz zu schweigen. Was Ministerin Schröder da von sich gegeben hat, ist blanker Zynismus aus dem Munde einer politischen Quotenfrau, die offensichtlich in einer anderen Realität lebt. Und: Solange echte Karriere-Frauen immer noch meinen, doppelt so gut sein zu müssen wie Männer, um sich zu beweisen, ist das eine verlogene Wirklichkeit, an der Frauen höchstens scheitern. Inge Ansahl
Johanna Gebauer erinnert sich lächelnd: „Und das war noch nicht zu Ende, da hatten wir schon Geschäftsräume angemietet.“ Zuerst nur zur Untermiete, um das Risiko so gering wie möglich zu halten. Denn zum Grundprinzip der beiden Geschäftsfrauen gehört es bis heute: vorsichtig sein und vernünftig, gerade in finanziellen Dingen.
Startkapital von den Eltern geliehen
Das Startkapital liehen sie sich von den Eltern, um die notwendigsten Maschinen zu kaufen: „Ab dann haben wir erst wieder investiert, wenn Geld reinkam.“ Ein Konzept, das aufging: „Nach zwei Jahren hatten wir unsere Schulden abgezahlt, sind seitdem in den schwarzen Zahlen.“
Ihr Geschäftskonzept ist eine pfiffige Mischung aus Werbeagentur und Werbetechnik. Besonders erfolgreich sind die Unternehmerinnen beim Verkauf von individuellen Geschenkartikeln wie T-Shirts mit flotten Sprüchen oder Tassen mit witzigen Fotos. So richtig reich werden sie damit (noch) nicht, „wichtig war uns aber vor allem die Freude am Beruf“, sagt Johanna Gebauer. Das kostet: Zeit. Ein Zehnstundentag ist Alltag. Aber: Sie sind ihr eigener Chef. „Wir müssen nie jemanden fragen. Toll.“
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