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Tötung auf dem Friedhof – 3. Verhandlungstag

„Er hat noch geröchelt“

27.09.2012 | 19:14 Uhr
„Er hat noch geröchelt“
Bis tief in die Nacht arbeitete an jenem 8./9. März der Erkennungsdienst.Foto: Sascha Schumann/dapd

Recklinghausen. Um den genauen Tathergang am 8. März auf dem Friedhof in Süd ging es am dritten Verhandlungstag im Totschlagprozess vor der Jugendkammer des Landgerichts Bochum. Angeklagt ist der 18-jährige Tobias W., der an jenem Abend gegen 18.15 Uhr seinen Freund Matthias K. (21) mit einer Grablampe erschlagen haben soll (die WAZ berichtete). Fünf Stunden wurde der Verdächtige, der mittlerweile auch gegenüber dem Gericht bereits gestanden hat, im seinem Zimmer der elterlichen Wohnung festgenommen.

Nicht unbedingt überrascht habe er gewirkt, als die Polizei gegen 23.30 Uhr an der Blitzkuhlenstraße erschien und Tobias W. mit dem Vorwurf konfrontierte, er werde im Zusammenhang mit einer Straftat gesucht. In sich gekehrt habe er gewirkt, so einer der Polizisten gestern bei der Zeugenvernehmung. Einmal sei er jedoch laut geworden, vorsorglich sei er daher in Stahlfesseln abgeführt worden.

Mit Stahlfesseln abgeführt

Den Tipp zur Festnahme hatten Bruder und Mutter gegeben. Ihnen gegenüber soll der 18-Jährige erklärt haben, er werde sich etwas antun, wenn sein Freund „Matse“ sterben würde. Ihn hatte er auf dem Friedhof Stunden zuvor offenbar mehrfach mit einer Grablampe auf den Kopf geschlagen und war danach in die Wohnung seines Bruders geflüchtet.

„Er hat noch geröchelt“, erinnert sich Gerhard G., der 56-Jährige hatte das Opfer gefunden, Polizei und Feuerwehr alarmiert. Mit seinem Hund war der Feuerwehrmann in der Nähe des Friedhofs spazieren gegangen, hatte das Klirren von Glas gehört und wollte nach dem Rechten sehen. Er habe noch eine flüchtende Person gesehen und fand kurz darauf den in einer Blutlache liegenden Matthias K., der noch geröchelt habe, aber nicht mehr ansprechbar gewesen sei.

Das 21-jährige Opfer und der Täter waren befreundet, an jenem Tag waren sie seit 17 Uhr gemeinsam unterwegs und hatten an einer Tankstelle u.a. Schnaps gekauft. Bei dem Opfer, das in einer „spärlich eingerichtete und verwahrlosten Wohnung“, so ein Polizist, am Grünen Platz gewohnt hatte, war später ein Alkoholgehalt von drei Promille im Blut festgestellt worden. Bei Tobias W. wurden am Abend nach der Festnehme 1,54 Promille festgestellt, allerdings hatte er in der Wohnung des Bruders Alkohol getrunken und nach Zeugenaussagen auf dem Weg zum Friedhof noch einen eher nüchternen Eindruck gemacht. Einer der Kernfragen wird sein, ob eine verminderte Schuldfähigkeit vorliegt oder nicht. Die Verhandlung wird am 4. Oktober fortgesetzt.

Andreas Rorowski



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