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Kohlekraftwerk

Eon verabschiedet sich vom ursprünglichen Zeitplan

08.06.2010 | 17:46 Uhr

Datteln.Der Energiekonzern Eon rechnet nicht mehr damit, mit dem neuen Kohlekraftwerk 2011 ans Netz gehen zu können. Wie lange sich das Procedere rund um den Bebauungsplan noch hinzieht und mit welchen Klageverfahren zu rechnen ist, ist völlig offen.

Etwa 1200 Leute arbeiten noch auf der weit und breit größten Baustelle. Und könnten dies auch noch länger tun – wenn die Bezirksregierung in Münster nicht auch noch die 2. und 3. Teilgenehmigung für das neue Kohlekraftwerk ausbremst.

Das fast fertig gebaute Eon-Kraftwerk am Ufer des dortmund-Ems-Kanals. Foto: Reiner Kruse WAZ FotoPool

Wie lange sich das Procedere rund um den geplanten vorhabenbezogenen Bebauungsplan für das neue Dattelner Kohlekraftwerk hinzieht und mit welchen Klageverfahren noch zu rechnen ist, das ist völlig offen. Der Eon-Konzern hat sich jedenfalls inzwischen vom ursprünglichen Zeitplan verabschiedet. „Wir gehen davon aus, das wir nicht wie geplant 2011 ans Netz gehen“, sagte Eon-Sprecher Andreas Brandtner am Dienstag im Gespräch mit Medienvertretern.

Das allerdings könnte Eon in eine echte Zwickmühle bringen. Denn: Ende 2012 soll das alte Eon-Kraftwerk in Datteln stillgelegt werden. Wenn der „große Bruder“ dann immer noch keinen Strom produziert? Man prüfe zurzeit, so Brandtner, wie man mit der Energieversorgung bei einer deutlichen Zeitverschiebung für das neue Kraftwerk umgehe. Nicht nur die Fernwärmeversorgung müsste dann vorübergehend organisiert werden. Immerhin liefert das Dattelner Kohlekraftwerk ein Viertel des deutschen Bahnstroms. Ergo  hätte Eon dann ein nicht unerhebliches Lieferproblem.

Für den Konzern sei Datteln 4 eines der größten Projekte und ein energiewirtschaftlich enorm wichtiges obendrein, unterstrich der Unternehmenssprecher die Bedeutung des Neubaus, der alleine rund 1,2 Milliarden Euro verschlingt. Und das vor dem Hintergrund des großen Unsicherheitsfaktors: Was kommt da noch alles?

Andreas Brandtner, Leiter der Eon-Unternehmenkommunikation. Foto: Reiner Kruse/WAZ FotoPool

Fertige Pläne oder den großen Plan B habe Eon nicht in der Schublade, wie Andreas Brandtner gestern erneut ausdrücklich betonte. Man werde sich vielmehr „ganz konkret mit den Themen beschäftigen, die jetzt an uns herangetragen werden“. Zum Beispiel Themen aus dem großen Bereich Umweltverträglichkeit, die von der Stadt Datteln nach dem Scoping-Termin in der vergangenen Woche an das Unternehmen herangetragen werden sollen. Nicht in dieser Form, aber inhaltlich, erklärte Brandtner, seien alle umweltrelevanten Punkte schon einmal genau geprüft worden. Mit der Aufnahme des Scoping-Termins in das neue Bebauungsplan-Verfahren will man nun eine vom Oberverwaltungsgericht bemängelte Unterlassung ausgleichen.

Projektsprecherin Franziska Krasnici bezeichnete das Klima während des dreistündigen Scoping-Termins mit rund 50 Teilnehmern als konstruktiv, offen und ehrlich“. Ein Thema sei dabei unter anderem das Umweltmonitoring gewesen, das ab Inbetriebnahme des 1100 Megawatt-Kraftwerks drei Jahre lang laufen solle. Hier wurde eine Verlängerung vorgeschlagen.

Was Gutachten angeht, so ist nach Einschätzung der Unternehmenssprecher nicht in jedem Einzelfall ein neues notwendig. Wo die Angaben stimmig seien, weil sich an den gegebenen Verhältnissen nichts geändert habe, will Eon die für das erste Bebauungsplanverfahren erstellten Gutachten erneut vorlegen, im Einzelfall indes neue in Auftrag geben.

Datteln 4 sei ein Präzedenzfall, hieß es gestern Und: So, wie die Anlage jetzt stehe, habe sie einen Wirkungsgrad von 46 % – „und zwar nur so“.

Inge Ansahl

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Kommentare
20.07.2010
12:49
Eon verabschiedet sich vom ursprünglichen Zeitplan
von herbertbellawa | #14

Ich fahre nicht mit der Bahn und kaufe auch kein Elektroauto, weil die Strom benötigen. Ich möchte hier nicht am Auspuff der Nation leben.

18.06.2010
09:48
Eon verabschiedet sich vom ursprünglichen Zeitplan
von Annamarie | #13

Der Bebauungsplan ist von einem hohen deutschen Gericht für unwirksam erklärt worden - es gibt mehr als 100 grobe Mängel/Fehler. Die sind zum Teil seit 2007 bekannt und wurden u.a. von fachkompetenten BürgerInnen ehrenamtlich vorgetragen. Der Konzern hat nachweislich auf eigenes Risiko gebaut und Verbesserungsvorschläge nicht berücksichtigt. Das gilt insbesondere auch für die Planer der Stadt Datteln. Dieses Versagen muss von den Verantwortlichen akzeptiert werden, die Rechtsprechung ist eindeutig. Rückbau ist angesagt. Und um nichts anderes geht es derzeit. Oder meinen Sie wirklich, dass es Ausnahmen geben muss und dass die hohen Damen und Herren eine 2., 3., 4... Chance verdient haben? Wäre das gerecht?

11.06.2010
10:57
Eon verabschiedet sich vom ursprünglichen Zeitplan
von Flammkuchen | #12

@11

Die Abstandsklasse I (Feuerungswärme =900MW) = 1500m Abstand zur Wohnbebauung galt auch zur Zeit der ersten Untersuchungen bzw. Anfragen zum Standort vor 2005. Daran hat sich bis heute nichts geändert - auch nicht durch die spezialisierten, erfindungsreichen Parteien.

Auch wenn sie es für wirklichkeitsfremd halten das fachkundige Personen mit aktuellem Wissen an den Genehmigungsverfahren beteiligt sind halte ich das für ein Muß und gehe auch stillschweigend davon aus.
Meine Bereitschaft größere Bauten zu betreten oder mich auch nur in die Nähe derselben zu bringen würde sonst arg schwinden ...

Wenn E.ON die Einwände die gleich schon zu Beginn des Bauvorhabens auf dem Tisch lagen beachtet und berücksichtigt hätte wäre das Bauvorhaben in Time - in Money durchgegangen. Die Haltung alles zu ignorieren hat sich letztendlich nicht ausgezahlt.

10.06.2010
20:46
Eon verabschiedet sich vom ursprünglichen Zeitplan
von feder24 | #11

zu #10..
Zitat:...
Als Antragsteller muss man die betreffenden gültigen Gesetze kennen und kann dann auf diese zu dem Zeitpunkt verlassen.
Wer mit Genehmigungsverfahren zu tun hat weiß das...
Diese Einschätzung, erscheint mir sehr sehr wirklichkeitsfremd .
Die Planung des Kraftwerkes in Datteln ist mit Sicherheit bereits in der Regierungsphase von Rot-Grün vor 2005 begonnen haben, in dieser Zeit dürften auch die ersten Untersuchungen bzw. Anfragen zum Standort stattgefunden haben auf der Basis der gültigen Gesetze.
In den nachfolgenden Jahren sind etliche Gesetze bzw. Richtlinien geändert worden, auch durch den Einfluss der Internationalisierung des Umweltschutzes, darin sind die Politiker, besonders einiger darauf spezialisierten Parteien, sehr erfindungsreich .
Sowas zu berücksichtigen bzw. zu kontrollieren, dürfte selbst den Fachleuten in den zuständigen Behördenämtern schwierig bzw. unmöglich sein, wie die jetzt beklagte, ursprünglich wohl nach besten Gewissen und Können der Beteiligten erteilte 1. Baugenehmigung für E.on beweist.
Kürzlich habe ich während eines Besuches in Hamburg gelernt, dass diese Stadt im Zeitraum von 3 Jahren , von ca. 1885-1888 zur Erlangen des Beitritts in den sogenannten Wirtschaftsverbund Zollverein“ einen neuen HAFEN gebaut hat. (ja, die Zeche Zollverein in ESSEN erinnert mit ihrem Namen an diesen wirtschaftlichen Zusammenschluss der Multistaaten in D, der erst den Wirtschaftaufschwung Deutschland zum Industrieland erst ermöglicht hat)
Es wurde in Hamburg ein ganz neues Stadt/Hafen-Viertel, die heutige „Speicherstadt“, mit vielen großräumigen, mehrstöckigen Speicherhäusern mit den notwendigen anliegenden Wasserkanälen für Schiffstransport und Straßenanschlüssen und Energieversorgungsanlagen nicht nur geplant, sondern auch genehmigt und G E B A U T, und das alles, ich muss es wiederholen, so unglaublich ist das, in 3 Jahren!lang
Dazu kann man nur sagen: Lang, ist es her!

09.06.2010
22:18
Eon verabschiedet sich vom ursprünglichen Zeitplan
von krisenmanager | #10

@ 9

Ganz einfach es gilt das Gesetz und die Kommentare die zur Zeit des Genehmigungsdatums gültig waren.

Und daher liegt @8 mit seiner Einschätzung eben Richtig.

Als Antragsteller muss man die betreffenden gültigen Gesetze kennen und kann dann auf diese zu dem Zeitpunkt verlassen.
Wer mit Genehmigungsverfahren zu tun hat weiß das.

09.06.2010
21:16
Eon verabschiedet sich vom ursprünglichen Zeitplan
von feder24 | #9

Zitat aus #8:....Sie haben geltendes Recht gebrochen...
Welches Recht gilt eigentlich. Die Gesetze von Rot-Grün, die vor 2005 die Verwendung von heimischer Kohle festgelegt haben , oder die, welche nachfolgendeSchwarz-Gelbe mit dem Ausstieg aus dieser Energiequelle per Gesetz beschlossen hat.
Das Dilemma ist ein Streitpunkt des jetzigen in Münster laufenden Verfahren.
Wie kann eine Industriefirma überhaupt planen, wenn jede Landesregierung sich widersprechende Gesetze beschließt?
An diesem Beispiel zeigt sich die Unfähigkeit der beteiligten Politiker bzw. die durch diese hervorgerufene unklare Gesetzeslage.

09.06.2010
13:27
Eon verabschiedet sich vom ursprünglichen Zeitplan
von BenHur | #8

Auch wenn Eon noch so sehr auf die Tränendüsen drückt - die Verdummungs-Masche hat sich totgelaufen. Sie haben geltendes Recht gebrochen, bewusst und in der begründeten Hoffnung, wieder mal damit durchzukommen. Es hat nicht geklappt, und das ist die einzig erfreuliche Komponente in diesem Sch-Spiel.

09.06.2010
12:47
Eon verabschiedet sich vom ursprünglichen Zeitplan
von wursti | #7

Kraftwerk stillegen und allen Grünen den Strom abstellen... fertig!

08.06.2010
23:06
Eon verabschiedet sich vom ursprünglichen Zeitplan
von EinOerer | #6

Wenn diese Spinner wirklich Recht bekommen sollten, was der Herr verhüten möge, dann hat sich ein gewisser Herr Morgenthau nach 65 Jahren doch durchsetzen können.......

Welch ein Irrsinn

08.06.2010
22:41
Eon verabschiedet sich vom ursprünglichen Zeitplan
von k | #5

@4 fritzel

Solche Rechtsfragen vom Europäischen Gerichtshof klären zu lassen finde ich richtig gut.
Die Gesetze dazu wurden ja von unseren Volksvertretern gemacht.
Der Ausgang ist so oder so interessant.

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