Energiestandort Vest
09.09.2008 | 17:54 Uhr 2008-09-09T17:54:00+0200Fünf Kohlekraftwerke arbeiten im und um das Vest herum. Zwei neue werden gebaut, zwei weitere sind in Planung. Über die Pläne der Energieerzeuger und neue Technologien: CO2-Abscheidung, Hochtemperatur-Anlagen
Vest. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Ohne Strom geht im Vest natürlich nichts. Aber brauchen wir all den Strom, der hier erzeugt wird?
Die fünf Kohlekraftwerke im und um das Vest herum liefern derzeit rund 4000 MW Strom: Gelsenkirchen Scholven, Chemiepark Marl, Herne, Lünen, Datteln. Es sollen weitere folgen. In Marl, Datteln und Lünen wird geplant, in Datteln und Lünen wird an anderen Stellen auch schon gebaut.
Nach Angaben der Industrie sollen mit der Inbetriebnahme der Neubauten alte Werke abgeschaltet werden: Datteln 1, 2, 3, so Eon, sollen vom Netz genommen werden, sobald Datteln 4 bereit für den Regelbetrieb ist. Eon streicht hervor, dass mit dem neuen Kraftwerk in Datteln die Energieeffizienz gesteigert werde.
Gleichwohl argwöhnen Umweltschützer wie der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), dass die „Dreckschleudern” noch Jahrzehnte die Luft der Region verschmutzen werden. Kohlekraftwerke werfen zwar keine langfristigen Probleme auf wie Atomkraftwerke. Aber sie stehen wegen ihres CO2-Ausstoßes in der Kritik. Und: Der Wirkungsgrad liegt bei knapp unter 50 Prozent, das heißt, über die Hälfte der verfeuerten Energie verpufft sozusagen durch den Schornstein. Eon baut derzeit in Datteln eine Anlage, die einen Wirkungsgrad von über 45 Prozent bietet. Die Umweltbilanz werde sich um „20 Prozent verbessern”, so Eon. Im Bundesdurchschnitt liegt der Wirkungsgrad der Kohlekraftwerke bei 36 Prozent.
Die Energieerzeuger setzen weiterhin auf Kohlekraftwerke und begründen dies im wesentlichen damit, dass Kohle noch rund 200 Jahre verfügbar sei. Und so suchen die Konzerne Wege, die Bilanz zu verbessern. Das Kraftwerk in Datteln steht Gerüchten zufolge auf der Liste der Anlagen, in denen die Abtrennung von CO2 aus dem Rauchgas erforscht werden könnte. CO2 gilt als Gas, das zum Klimawandel entscheidend beiträgt. Bei der Filtermethode geht es darum, möglichst große Mengen des Klimagases abzufangen und schließlich zu lagern. Als Stätten werden ehemalige Bergwerksstollen ins Auge gefasst. Die Methode ist jedoch weitgehend unerforscht. Und seit dem dramatischen Unfall in Mönchengladbach ist deutlich geworden, wie giftig CO2 ist: Dort war Mitte August in einem Lackbetrieb Kohlendioxid zum Löschen verwandt worden, das Gas entwich jedoch, im Freien bildete sich eine Kohlendioxid-Wolke, der über 100 Menschen zum Opfer fielen.
Kohlekraftwerke: Wird das Vest jetzt ausgeräuchert? Oder brauchen wir den Strom?
Diskutieren Sie mit anderen DerWesten Lesern
In der unmittelbaren Nachbarschaft zum Vest, in Gelsenkirchen, läuft im Kraftwerk Scholven das Forschungsprojekt COMTES700. Eon und weitere Energieerzeuger suchen unterstützt von EU-Fördergeldern dort Wege, den Wirkungsgrad über die 50-Prozent-Marke zu treiben.
Hinter Comtess700 verbirgt sich ein Hochtemperatur-Kohlekraftwerk. Schon die Kraftwerksgeneration, die gerade gebaut wird, erzielte bessere Wirkungsgrade durch höhere Temperaturen. Datteln 4 arbeitet mit einer Dampftemperatur von 600 Grad. Comtess700 erforscht Temperaturen über 700 Grad. Dabei treten Drücke von über 350 bar auf (Autoreifen haben einen Druck von ca. 2,5 bar).
Derzeit werden Materialen getestet, die diesen extremen Belastungen dauerhaft Stand halten. Im Einsatz sind Nickelbasis-Werkstoffe, so Eon. Offenbar entwickelt sich das Projekt positiv. Denn schon sehen Experten das Ende der „Eisenzeit”. Und Eon plant bereits mit einem, Standort: Wilhelmshaven.
21:14
und nicht nur Strom wird produziert, sondern hoffentlich auch mehr Wärme durch Auskoppelung . . .
GE _ Scholven liefert auch zur Phenochemie / Gladbeck - INEOS 70 bar Dampf für die Chemieprodukltion usw. usw.
Es wäre zu schön, wenn übergreifend die Versorgungsgrenzen endlich gekappt würden :
- Quasi - Gebietsmonopole . . .