Ende der „Feierabstinenz“
27.11.2011 | 13:54 Uhr 2011-11-27T13:54:00+0100
Recklinghausen. Mit neuer Schulhymne und launigen Rede holt das Gymnasium Petrinum – nach hundert Jahren – die Einweihung des Altbaus nach.
„Möchte es doch den Schülern lebhaft vor die Augen treten und ständig in Erinnerung bleiben, dass die großen Geldmittel zunächst für sie aufgebracht sind und deswegen an erster Stelle berufen sind, dies Kapital der Allgemeinheit nutzbar zu machen!“
So hieß es jetzt zur Einweihung der neuen naturwissenschaftlichen Räume, der Mensa und der „Ingebrauchnahme“ des Neubaus am Gymnasium Petrinum vor 100 Jahren. Gesprochen hat diese Worte Schuldezernent Georg Möllers. Er zitierte den damaligen Schuldirektor Paul Werres, der diese gedrechselten Worte 1911 den Schülern mit auf den Weg gegeben haben könnte.
Denn 1911 wurde der heute liebevoll Altbau genannte Neubau ohne Festivitäten „in Gebrauch genommen“, wie es genannt wurde. Wieso es keine Einweihungsfeier für diese Schule gab, „die in 80 Jahren sechs Jubiläen feiern konnte: 500-jähriges, 125-, 150-, 175-, 350- und jetzt 100-jähriges“, erklärte Möllers in einem launigen Vortrag. „Der Grund für diese völlig unpetrinische Feierabstinenz“ liege darin, dass dieser inzwischen altvertraute Neubau nur der erste Bauabschnitt der neuen Schulgebäude darstellte.
„Die eigentliche Feier sollte folgen, wenn man den Hauptbau fertig gehabt hätte, einen Prachtbau des Neoklassizismus, Sporthalle mit Tribüne, chemischem Laboratorium, Plattform auf dem Dach für ein astronomisches Fernrohr und eine Aula mit 560 Sitzplätzen für 1300 Schüler“, erzählte Möllers. „Aber so gab es nur eine schnörkellose Ingebrauchnahme.“ Der Erste Weltkrieg kam dem architektonischen Pomp der Schulplaner damals dazwischen.
Zuvor hatte Direktor Detlef Klee die Gäste in der Aula begrüßt, welche soeben die Welturaufführung der Schulhymne gehört hatten. „Als ich Schulleiter wurde und die naturwissenschaftlichen Räume sah, begann ich von neuen Räumen zu träumen“, erinnert er sich. „Manche Träume werden wahr!“ Zum Ende der Bauarbeiten – lobend erwähnt wurde die exzellente Zusammenarbeit mit Stadt, Architekten und Baufirmen – wurden die Gelder knapper, darum wurden einige Kleinigkeiten gestrichen und einige auf 2012 verschoben. Insgesamt wurden aus dem Konjunkturpaket II fast 1,6 Millionen Euro bereitgestellt, die Stadt beteiligte sich mit 150 000 Euro aus eigenen Mitteln.
Bürgermeister Wolfgang Pantförder ist überzeugt, „wer viel arbeitet und gut und gerne, der darf auch das Feiern nicht vergessen“. Er überbrachte Grüße des damaligen Bürgermeisters Peter Heusers – und den Schlüssel zum Gebäude. „Die ganze Stadt war damals auf diesen Neubau stolz.“ Er berichtete viel von den Schwierigkeiten der Stadt in den letzten zwölf Jahren, mit dem wenigen Geld die große Infrastruktur zu erhalten, allein fünf Gymnasien.
Teamleiter Martin Sadlowski von der Architekturfirma Ludes erläuterte kurz, wie er die neuen naturwissenschaftlichen Räume ins Gesamtkonzept einbauen wollte, „ohne noch eine Architektursprache hinzuzufügen“. Licht, Akustik und Energieeffizienz kennzeichneten den Trakt.
Nachdem das Schulorchester unter Leitung von Lioba Pott mit der Filmmusik „Fluch der Karibik“ einen Begeisterungssturm auslöste, erhielten Chor und Orchester auch für Beethovens „Ode an die Freude“ stehende Ovationen.
0mitdiskutieren