Eltern erhalten 100 Euro fürs Kinder-Wecken
27.01.2009 | 23:59 Uhr 2009-01-27T23:59:00+0100Vest. Oer-Erkenschwick will ungewöhnliche Wege in der Sozialarbeit gehen und Eltern finanziell belohnen, die ihre Kinder zur rechten Zeit zur Schule schicken. Die Bonus-Karte ist in anderen Kreis-Städten kein Thema.
Wenn Eltern in der Stimbergstadt künftig vier Wochen lang ihre Kinder pünktlich wecken und in die Schule schicken, gibt es einen Bonus. Wenn sie täglich das Essen auf den Tisch bringen auch. Und wenn sie in der VHS sich zusätzlich noch darüber informieren lassen, wie Erziehung optimiert werden kann, gibt's ebenfalls Punkte.
Dies fein säuberlich auf einer Karte abgestempelt, kann bis zu 100 Euro bringen. Das Jugendamt der Stadt will neue, ungewöhnliche Wege in der Sozialarbeit gehen und ökonomische Mechanismen ausprobieren. Bestimmte Eltern sollen mit finanziellen Anreizen in ihrem Erziehungsauftrag unterstützt werden. Rund 25 000 Euro sollen dafür zur Verfügung gestellt werden. Vorausgesetzt das Land beteiligt sich an den Kosten für die sozialpädagogische Bonuskarte. Rund 100 Familien kämen in der Stimbergstadt für dieses Pilotprojekt in Frage. Ob dies funktioniert? Stadtjugendpfleger Michael Hess: „Wir wollen es auf jeden Fall versuchen. Es ist ein Test.”
Herangehensweise wie in der Wirtschaft
In Gesprächen mit Schulleitern kam immer wieder heraus, dass die Eltern, die es angeht, nicht erreicht werden. „Da haben wir uns gefragt, wie die Wirtschaft Dinge regelt”, sagt Hess. Eben mit Rabatten und Bonuskarten. „Es ist klar, dass dies nicht die Probleme löst. Wir hoffen aber, dass Eltern damit motiviert werden könnten.” Auch kaufmännisch könnte sich die Bonuskarte rechnen. Michael Hess: „Die Kosten für einen Monat Heimunterbringung liegen zwischen 3.000 und 8.000 Euro. Die Bonuskarte kostet 100 Euro.” Ausgegeben werden soll diese von Schulen, Kindergärten und vom Jugendamt.
Finanzielle Anreize für Eltern, damit sie ihren Aufgaben nachkommen – in anderen Städten des Vestes ist das bisher kein Thema. „Wir sehen das so, dass es die selbstverständliche Pflicht der Eltern ist, ihr Kind zur Schule zu bringen”, sagt Rainer Kohl, Sprecher der Stadt Marl. Allerdings will er dies nicht als Kritik an den Überlegungen der Oer-Erkenschwicker verstanden wissen. „Es kann durchaus Sinn machen, diesen Weg zu gehen.” In Marl gebe es Beratungs- und Hilfsangebote wie zum Beispiel ein Projekt für schulmüde Kinder aus den sechsten und siebten Klassen.
Dabei betreuen Sozialarbeiter derzeit 15 Schüler in der Schule, um die Motivation der Kinder zu fördern. Eine Eskalationsstufe weiter setzt ein weiteres Marler Projekt an, das sich um Schulverweigerer der neunten und zehnten Klassen kümmert. Diese werden außerhalb der Schule unterrichtet, derzeit sind es zwölf Jugendliche, „und die Erfahrung in den letzten Jahren zeigt, dass relativ viele die Kurve Richtung Berufstätigkeit kriegen”, sagt Rainer Kohl.
In Herten nicht angedacht
Eine Bonus-Karte für Eltern ist auch in Herten nicht angedacht, so Stadtsprecherin Nele Däubler. Hier setzt die Jugendhilfe andere Akzente: So gab es die Aktion Point-Pass, bei der Kinder Punkte sammeln konnten für gesunde Aktivitäten und auch eine Belohnung erhielten. Oder die Stadt bietet ein Anti-Aggressions-Training für Jungen an. Wenn Jugendliche schwierig und auffällig seien, „sind der Knackpunkt ja meist die Eltern”, so Nele Däubler, „wenn man die dazu bringt, sich frühzeitig Hilfe zu suchen, wäre viel gewonnen”.
In Datteln wartet man die Entwicklung ab. Stadtsprecher Dirk Lehmanski: „Diese Maßnahme müsste erst vor dem rechtlichen Hintergrund geprüft werden. Wir werden das aber auf jeden Fall mit großem Interesse beobachten.”
Rückgriff aufs Kindergeld
Eine Bonus-Card für Eltern? Mit dem Recklinghäuser Sozialdezernenten Georg Möllers (CDU) sprach WAZ-Redakteur Ernst zur Nieden.
Ein Modell für Ihre Stadt?
Georg Möllers: Nein. Ich halte das für ein falsches Signal. Mir drängt sich spontan die Gegenfrage auf: Und was kriegen Eltern, deren Kinder seit Jahren jeden Morgen pünktlich zur Schule kommen?
Also wollen Sie alles den Eltern überlassen?
Möllers: Das ist auch keine Lösung. Es gibt ja Fälle, in denen Eltern ihren Verpflichtungen gegenüber den Kindern nicht nachkommen. Dann bieten wir konkrete Unterstützung wie etwa Erziehungshilfe an. Das Spektrum geht ja so weit, dass Kinder aus der Obhut ihrer Familie herausgenommen werden können.
Reichen diese Möglichkeiten denn aus?
Möllers: Wir sind als Kommunen schon sehr lange mit Land und Bund im Gespräch darüber, dass es keine Möglichkeiten gibt, auf staatliche Transferleistungen zuzugreifen.
Was meinen Sie damit?
Möllers: Der Staat greift, wie gesagt, ein, wenn Eltern versagen. Aber an das Kindergeld traut er sich nicht heran. Das wäre aber sinnvoll, wenn zum Beispiel nachgewiesen ist, dass Eltern dieses Geld eben nicht ihren Kindern zugute kommen lassen, sondern es anderweitig verwenden.
Was habe Sie für dieses Ziel unternommen?
Möllers: Wir haben in zahlreichen Stellungnahmen an Bund und Land mehrfach auf die bestehenden Probleme hingewiesen und die Forderung nach Rückgriff auf das Kindergeld erhoben.
Diskussion: Was halten Sie vom Modell der Eltern-Bonuskarte? Ist das sinnvoll?
15:32
Wir wollem mal so rechnen: Habe 6 Kinder, wohne in Erkenschwick und ab heute schicke ich 4 meiner Kinder davon nicht mehr zur Schule. Macht 400,- € Nicht schlecht.
10:06
Was muss man sich da reingeschmissen haben, um auf solche Gedanken zu kommen ???
Na ja, im Juni sind Kommunalwahlen !!!!
22:45
Die Umkehrung aller gesellschaftlichen Normen in der Stadt mit dem größten Feuerwehr-Skandal der deutschen Nachkriegsgeschichte.
22:33
Wenn beute der 1. April wäre, würde ich den Vorschlag für einen schlechten Aprilscherz halten. Aber scheinbar ist das Ernst gemeint.
17:27
wie wäre es mit einer Belohnung von 50,- Euro wenn man mit 29km/h in einer 30er Zone erwischt wird ???
17:24
EIN SCHLAG INS GESICHT für alle engagierten und pflichtbewussten Eltern. Tolles Motto: STELL DICH DOOF UND DIR GEHT ES GUT ... dann blasen Dir die OE-Politiker auch noch Geld in den Hintern. Wir haben 3 Kinder und sind beide berufstätig und investieren trotzdem viel Zeit und Mühe in unsere Kids, geben viel Geld für Nachhilfe aus, sind fleißig und zahlen pünktlich unsere Steuern (neuerdings sogar im voraus) die Entlastung der Familien geht irgendwie immer an uns vorbei. und jetzt SO ETWAS ... UNGLAUBLICH !!! Da hilft nur eins ... ABWÄHLEN !!!
14:44
So, liebe OE-Politiker: ich hoffe, Ihr lest die Reaktionen aus der Bevölkerung und legt die übliche Ignoranz ab. Dieser Weg wird von fast KEINEM befürwortet.
Traurig stimmt mich, dass solch eine Idee überhaupt entsteht, denn ich mutmaße, dass es eine reine Verzweiflungsaktion ist. Die Aussage des Stadtjugendpflegers Michael Hess: „Wir wollen es auf jeden Fall versuchen. Es ist ein Test. ist nämlich einfach zu übersetzen: Wir wissen nicht mehr weiter.
Und das ist, glaub ich, nicht nur in OE so....
12:11
Als dummer Taugenichts wird man in diesem Staat noch belohnt. Als fleißiger strebsamer Normalo hat man wie immer die A.......Karte!!!!
Bravo ihr Politiker!!! Macht weiter so!!! Das motiviert auch unsere Jugend ungemein.
11:55
Da kann man einem Schläger auch Geld für jeden Tag geben, an dem er mal nicht prügelt.
*kopfschüttel*
11:48
In dem Unternehmen, in dem ich beschäftigt bin, gibt es einähnliches Prämien-System (für Pünktlichkeit etc).
Zusammengefasst kann man sagen, man prämiert (immerhin über 150 Euro/monatl.!) dass die Mitarbeiter das tun, wofür sie ohnehin schon bezahlt werden.
M.E. führt das aber dazu, dass die Kolleginnen & Kollegen die i n h a l t l i c h e Q u a l i t ä t ihrer Arbeit völlig vernachlässigen.
Ich fürchte, eine solche Eltern-Prämie hätte genau den selben Effekt.