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Rosenmontag 2010

Einmal Prinzessin im Karneval

15.02.2010 | 17:56 Uhr
Einmal Prinzessin im Karneval

Recklinghausen. Einmal Prinzessin sein, keine Kölnerin, die davon nicht träumt. Und ich bin eine. Doch als "Immi" aus dem Ruhrgebiet hätte ich wohl nie die Chance auf eine Fahrt im kölschen Karnevalswagen...

Die Berufstätigkeit in Recklinghausen sollte es mir doch möglich machen, dem närrischen Volk zuzujubeln. Wenn schon arbeiten, dann doch bitte mit karnevalistischem Stil!

Diesen Rosenmontag erklimme ich im rosa-güldenen Prinzessinnenkostüm die Leiter zum Wagen der KG Rote Funken Recklinghausen. Zugleiter Christoph Graczyk und Heinz-Georg Wickel, 1. Vorsitzender der Roten Funken, machten es möglich.Eine Ehre zwischen dem Elferrat und Senatoren der Gesellschaft.

Der Generator für die Stereoanlage brummt, der Wagen vibriert. An den Banden werden in lange Fächer Kamelle gefüllt und ab und an eine Bierflasche abgestellt. Mein Wurfnachbar wird Siegbert Zapka. Zehn Jahre ist er im Traditionsverein aktiv und zum dritten Mal auf dem Wagen. Immer wieder entfährt es ihm: „Ist doch toll, oder?” Ist es. Wenn man die Kamelle in die Menge wirft, wenn sich Augen zu Schlitzen zusammenkneifen – die Gummibärchen könnten am Kopf ja weh tun – während sich Münder zum zufriedenen Grinsen verziehen. „Helau, Recklinghausen, Helau!”

Die Narren in Recklinghausen: Auch hier liebt man das Leben...

DJ Carsten Böckmann fährt auf, was Karnevals- und Schlagermusik zu bieten hat: Wir holen das Lasso raus und singen: „Super jeile Zigg” von der Kölner Band „Brings” oder „Viva Colonia” – eben alles von den Höhnern, erklärt der Lüdinghausener.

Nach wenigen Minuten auf dem Wagen, wird mir die erste große Ehre zu Teil. Ich darf einen Orden übergeben, an Herbert Herbe. 30 Jahre lang war er Fahrer der Roten Funken. Dieses Jahr hat er frei, denn erstmals hat der Verein nur einen Wagen. Nein, über die Gründe möchte man am Rosenmontag nicht laut sinnieren. Die „Finanzkrise” ist heute allen egal. Genauso wie die Schweinegrippe. Sie ist das Motto der Roten Funken. Herbert Hebe ist optimistisch: „Nächstes Jahr geht hier wieder so richtig die Post ab”, sagt er und reckt die Faust in die Luft, wackelt mit den Hüften und wirft zwei Hände voll mit Kamellen in die Menge.

Nicht alles auf einmal werfen

Ich mache es nach. „Aber Maß halten”, ist der Tipp des Karnevalisten Siegbert Zapka. Ich dürfe nicht alles auf einmal schmeißen. 50.000 Zuschauer, so meldet die Polizei später, jubeln uns zu. 23 Wagen sind dabei, außerdem 19 Fußgruppen sechs Tanzgarden , ebensoviele Kapellen und 15 weitere Fahrzeuge.

Vom Startpunkt am Konrad-Adenauer-Platz geht es zweimal um den Wall und durch die City. An neuralgischen Punkten wie dem Gymnasium fliegen Kamelle leider auch zurück in den Wagen, der mit Schweinepopos und Spritzen zur Grippe-Impfung dekoriert ist. Drei Monate lang haben Wagenbauer Peter Solbach und vier Kollegen dekoriert. „Wir haben ja nur wenige Nachmittage Zeit”, sagt er.

„Super Stimmung”, sagt derweil der DJ, wenn es nur nicht so kalt wäre. Doch Ex-Prinz Volker I. (Klimpel) ist da schon um einige Karnevalserfahrungen reicher. „Zu kalt ist es nie”, sagt er. Auf die lange Unterhose habe er dennoch nicht verzichtet.´

Zehn Zentner Bonbons

Als der Wagen der Roten Funken zurück auf den Stellplatz fährt, macht Heinz-Georg Wickel noch einmal eine Durchsage: „Egal, wohin ihr heute noch geht. Erst einmal geht es zum Bierwagen. Und am Mittwoch ist unser Fischessen.” Der Rote-Funken-Chef ist zufrieden. „Das Wetter hat der Stimmung keinen Abbruch getan”, freut er sich. Insgesamt wurden zehn Zentner Bonbons geworfen.

Zurück in der Redaktion bemerken meine Kollegen nach dem winterlichen Umzug nur eines: „Du strahlst so eine Kälte aus!” Ach, was so eine echte Prinzessin ist. . .

Oyindamola Alashe

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