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„Eine übereilte Entscheidung“

10.02.2012 | 17:31 Uhr
„Eine übereilte Entscheidung“
PK bei der evangelischen Stadtkirchengemeinde Marl (ESM) am Freitag, 09.12.2011 in Marl. Mitglieder des Presbyteriums, sowie der Pfarrer der Gemeinde geben die Aufgabe des Versöhnungszentrum an der Ringerottstrasse ( Bild) bekannt. Foto: Joachim Kleine-Büning/WAZ FotoPool

Marl.Volker Marpe bracht die Gefühle vieler Gemeindeglieder auf den Punkt: „Ich empfinde das als Provokation und Willkür-Entscheidung, eine Kirche ist doch kein Schrebergarten.“ Die Stimmung bei der Infoveranstaltung der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Marl (esm) zur Zukunft des Versöhnungszentrums (VZ) war aufgebracht. Das Presbyterium hatte bekanntlich im Dezember beschlossen, das VZ zu schließen (die WAZ berichtete).

„Schon seit 2007 wird im Ausschuss diskutiert, dass das VZ wahrscheinlich aufgegeben werden muss – das wollten viele nicht wahrhaben“, erinnerte Pfarrer Roland Wanke, esm-Vorsitzender. Und nannte Hintergründe: 1973 habe die esm 40 000 Mitglieder gehabt, heute seien es noch 25 000 -- „und 2030 wird es noch mal die Hälfte weniger sein“. Das Bistum Essen etwa habe schon ein Drittel seiner Gebäude abgegeben, so Wanke. Nach dem Jugendzentrum Delta sowie den Gemeindezentren an der Schachtstraße und in Polsum stehe 2013 die Aufgabe des VZ an, das mit rund 45 000 Euro im Jahr zu viel Unterhaltskosten verursache. Ursprünglich habe die esm mit ins neue Nachbarschaftszentrum in Hüls-Süd gewollt, aber der Umbau der angemieteten Räume wäre mit 300 000 Euro zu teuer gewesen.

Pfarrer Jörg Krunke versuchte, ein neues Konzept für die Gemeindearbeit vorzustellen; seine Ausführung indes erinnerten eher an eine Predigt. Gemeinschaft, Gespräche und Gestalten seien die Mittelpunkte, und sowohl Gemeinschaft als auch Predigt-Stätte hingen nicht an einem Gebäude, ist er überzeugt. Die 1600 Gemeindeglieder könnten sich auch im Nachbarschaftszentrum, Johannes-Kapelle, Pauluskirche und anderen Orten zum Gottesdienst treffen. Wobei sich das Interesse dieser 1600 am VZ eh’ in Grenzen zu halten schien, denn nicht mal 70 Personen waren zum Infoabend erschienen.

Diese aber waren umso aufgebrachter. Ihre Vorschläge zur Zukunft der Gemeindearbeit sollten sie auf Zettel notieren; da wird die esm einiges auszuwerten haben. Für „übereilte Entscheidungen“ hielt Hermann Flasche die Aktionen. „Wir haben in der esm kaum eine Stimme.“ Dass das VZ kaum finanzierbar sei, „bezweifeln wir stark, wir haben auch keine Zahlen bekommen“. Die Gründe seien vorgeschoben, ist Flasche überzeugt. „Hier soll eine wachsende Gemeinde zerstört werden“, pfefferte Erwin Walter.

Das esm-Presbyterium hätte möglicherweise die Schließungsentscheidung zum jetzigen Zeitpunkt nicht getroffen, wenn nicht einzelne Gemeindeglieder an die Öffentlichkeit gegangen wären und demonstriert hätten, schoss Wanke zurück. Gleichwohl sei der Antrag ans Landeskirchenamt noch nicht raus. Zudem solle eine Predigtstätte in Lenkerbeck und Hüls-Süd bleiben, „nur nicht in diesen Räumen“.

Bauunternehmer Kurt Annuss wies darauf hin, dass „dieses herrliche Gebäude die Kirche nicht einen Cent kosten würde, weil es eine Unternehmergruppe gibt, die investieren und alle Kosten übernehmen will, damit die Menschen sich hier wohlfühlen, um Religion, die Jugend und die Senioren zu stützen“. Der Umbau der Johannes-Kapelle würde dagegen mindestens 250 000, der Abriss des VZ 100 000 Euro kosten. „Die Investoren sind bekannt, wir wollen das VZ übernehmen und den Erhalt sichern – für Ihre Entscheidung zur Schließung hat hier keiner Verständnis!“

Moderator Hans Beier schlug vor, Anuss’ Ideen noch einmal im Presbyterium zu besprechen.

Oliver Mengedoht

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