Das aktuelle Wetter Unser Vest 11°C
Herman van Veen umjubelt

Ein zärtliches Gefühl - noch immer

12.11.2009 | 13:44 Uhr
Ein zärtliches Gefühl - noch immer

Recklinghausen. Ein zärtliches Gefühl hat er noch immer. Ein zärtliches Gefühl für alle Träumer und Taugenichtse, für jede Frau und jeden Mann, wenn er nur vollkommen wehrlos lieben kann. Auch wenn Herman van Veen seinen großen Hit beim ausverkauften Konzert im Ruhrfestspielhaus gar nicht sang.

Auch „Schnell weg, schnell weg” stimmte er nicht an. Was passte, denn der 64-jährige Liedermacher stand am Mittwoch abend nahezu drei Stunden lang auf der Bühne - mit zärtlichen Songs, zauberhaften Clownerien und derben Kalauern.

Dabei hieß sein Programm „Im Augenblick” - der dann aber nicht zuletzt wegen des heftigen Jubels eines restlos begeisterten Publikums so ausgedehnt ausfiel, dass selbst der erfolgsverwöhnte Entertainer am Ende staunte: „Mensch, Ihr habt Ausdauer!”

Alte und junge Fans

Ihr, das waren die alten, treuen Fans aus den letzten Jahrzehnten, die mit den Rosen in der Hand, gemeinsam gealtert mit ihrem Idol, grau das Haar oder kahl das Haupt. Das sind aber auch die Jungen, die den sanften Poeten und melancholischen Clown, den Kabarettisten und Komponisten für sich neu entdeckt haben.

Der Vorhang öffnet sich und Geigen und Gitarren, Piano und Lautsprecher dominieren die Bühne. Van Veen und sein musikalisches Quartett werden sie zu Leben erwecken, sie tanzen, swingen und albern lassen. Der Holländer entert die Bretter im weißen Flatterhemd und nicht minder flattriger schwarzer Hose. Ein Schuh weiß, einer schwarz, der Clown eben. Van Veen ist ein begnadeter Solist, lässt aber auch seinen vier kongenialen Musikern reichlich Raum zur Entfaltung. Der barfüßigen Gitarristin Edith Leerkes, dem sensiblen Pianisten Erik van der Wurff, den singenden Geigerinnen Jannemien Cnossen und Dorit Oitzinger.

Hände reiben und Finger schnippen

Warm up: Gleich bei der ersten Ballade „Es regnet, regnet, regnet” darf das Publikum mitmachen, die Hände reiben, die Finger schnippen. Dass es das auch später noch leidenschaftlich tut, wenn das Wort Regen auftaucht, lässt selbst den Entertainer überrascht schmunzeln.

Info
Info:

Weitere Konzerte Herman van Veen: 12., 13., 14.11. 2009 Tonhalle Düsseldorf, 5., 6.3. 2010 Stadthalle Wuppertal, 6., 7.5. 2010 Konzerthaus Dortmund, 21., 22.5. Philharmonie Essen.

Van Veen bleibt sich selbst treu, auch wenn er längst nicht jeden alten Hit wieder aufleben lässt, wechselt zwischen sozialkritischen Songs und soften Liebesliedern. Er gibt die Plaudertasche, wenn er von Vater und Mutter, von Tochter Anne und seinem Enkelkind erzählt und er verzichtet auch heute nicht auf Witze und Kalauer. Beispiel gefällig? „Ein Tag ohne Bier ist . . . wie ein Tag ohne Wein.” Nicht genug? „Treffen sich zwei Männer. Sagt der Eine: Ich glaube, deine Frau betrügt uns.” Nicht zuletzt van Veens Mischung macht die Kurzweiligkeit seines Programms aus.

Weiße Bälle und Glitter

Denn Sekunden später besingt er mit „Kyrie Eleison” die hungernden und toten Kinder dieser Welt, um es kurz darauf weiße Bälle von der Decke und Glitzer ins Publikum regnen zu lassen. Van Veen lässt Luftballons über die Bühne schweben oder hängt sie sich an den Hut. Nur die rote Nase, die setzt sich der Gaukler erst ganz zum Schluss auf. Und da lässt er auch sein Publikum wieder leise mitsingen, singen von Vergessen und von Freundschaft. Vergessen werden diese Menschen Herman van Veen sicherlich nicht.

Zumal er auch jenseits der Bühne als kritischer Geist von sich reden macht. Wegen seiner Haltung zu einer rechtspopulistischen Partei war er erst kürzlich in seiner Heimat in den Fokus niederländischer Neo-Nazis geraten.

Elisabeth Höving

Facebook
 
Kommentare
12.11.2009
23:45
Ein zärtliches Gefühl - noch immer
von Vatih | #1

Dieser sogenannte ********* van Veen, der den niederländischen Politiker Geert Wilders als Nazi verunglimpfte ist für mich mittlerweile nur noch ein übler Hetzer, der gesellschaftliche Veränderungen durch die Masseneinwanderung fundamentaler und rückständiger Moslems nicht wahrhaben will.
Er sollte endlich mal abtreten und mit ihm sein gealtertes Publikum. Meine Kinder finden ihn einfach doof.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1429982/create

Aktuelle Fotos und Videos
2. Firmenlauf in Oer-Erkenschwick
Bildgalerie
Spaß-Teamlauf
Traum eines lächerlichen Menschen
Bildgalerie
Theaterprojekt
Deutscher Mühlentag
Bildgalerie
Volksparkl Marl
Aus dem Ressort
Superintendent Burkowski wechselt nach Berlin
Personalwechsel in der...
Eigentlich sollte er am 23. Juni bei der Kreissynode für seine dritte Amtsperiode kandidieren, seine Wiederwahl galt als sicher. Aber nach 16 Jahren als Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises verlässt Peter Burkowski überraschend Recklinghausen. Der 53-jährige Familienvater dreier
Wie viel Brandschutz muss sein?
Kreishaus- und...
Eine große, mindestens 40 Millionen Euro teure Renovierung des Kreishauses ist vom Tisch. „Auf Drängen der Städte werden wir auf eine energetische Sanierung verzichten“, lässt Landrat Cay Süberkrüb (SPD) in einer Erklärung wissen. „Die kurzfristige Sicherung der kommunalen Liquidität steht derzeit