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Ein Rezept heißt Heimat

18.02.2010 | 16:00 Uhr
Ein Rezept heißt Heimat

Herten. Am 1. Februar 1990 pachtete Dorothea Winter die Heideapotheke an der Herner Straße, zuvor hatte die junge Frau in Münster Pharmazie studiert: „Ich habe mich immer stark für Biologie und Chemie interessiert und wollte deshalb eigentlich Biochemie studieren”, erinnert sich die heute 47-Jährige

Dorothea Winter hat eine Wäscheleine quer durch den Laden gespannt, hat Karten daran geheftet, für jedes Jahr eine. Zeichnungen und Zeitungsartikel, kurze Texte, Fotos, Schaubilder: Sie erzählen von 20 Jahren im Hertener Süden, vom Lebenswerk einer Frau, die heute fast verwundert vor ihren Papier gewordenen Erinnerungen steht. „Jetzt, wo ich so drauf schaue, bin ich doch erstaunt, was wir hier alles gemacht haben”, murmelt sie und fährt sich durchs Haar. Die Zeit zum Grübeln ist knapp bemessen, schon naht der nächste Kunde und dass er nach wie vor König ist, daran ändern auch zwei Jahrzehnte nichts.

Am 1. Februar 1990 pachtete Winter die Heideapotheke an der Herner Straße, zuvor hatte die junge Frau in Münster Pharmazie studiert: „Ich habe mich immer stark für Biologie und Chemie interessiert und wollte deshalb eigentlich Biochemie studieren”, erinnert sich die heute 47-Jährige.

Auch die Chefin hat

sich verändert

„Damals haben sie mir auf dem Arbeitsamt gesagt, das sei nichts für Frauen, ich sollte lieber Lehrerin werden.” Doch die Schulbank lockte kein bisschen und so entschied sich Winter schließlich für Pharmazie. Dass sie nach Jahren wieder in ihrer Heimatstadt Herten landete, war nicht geplant: „Da drüben bin ich geboren”, erzählt sie und deutet grinsend auf die andere Straßenseite, „Eigentlich wollte ich ja immer weg. . . Das war wohl Schicksal. Aber ich bin gerne in Herten, sonst wäre ich nicht hier.”

Zahlreiche Umbauten, Ausbauten, Neubauten haben das Gesicht der Apotheke verändert: Größer und heller ist sie geworden, ein Seminarraum lädt zu Vorträgen, Bewegungs- und Wellnessangeboten ein. Auch die Chefin selbst hat sich mit den Jahren verändert, hat zahlreiche Weiterbildungen im Bereich Naturheilkunde, Homöopathie und Ernährung besucht. „Wir werden nicht durch das Schlucken von Pillen gesund. Gesundheit ist vielmehr ein multifaktionelles Geschehen”, findet die Fachfrau. „Wer keine Luft kriegt, braucht Asthmaspray, und wer Bluthochdruck hat, sollte natürlich seine Tabletten nehmen, aber es gibt Krankheiten, die lassen sich nicht ohne weiteres mit Medikamenten behandeln.”

Ganzheitliche Sicht auf

den Patienten

So erzählt Winter ihren Kunden auch von der Wirksamkeit homöopathischer Mittel, gibt Tipps zur vernünftigen Ernährung, und stellt Sport- und Wellnessangebote auf die Beine. Ein ganzheitliches Konzept, das auf die Nähe zum Kunden setzt.

Besorgt beobachtet die Expertin, dass immer mehr Leute ihre Medikamente im Internet kaufen: „Eine Arznei ist kein Fahrrad. Wenn Sie das falsche kaufen und nehmen, kann das Auswirkungen auf Ihre Gesundheit haben.” Zudem fehlt der persönliche Kontakt, das Gespräch mit dem Apotheker: „Letztens war zum Beispiel ein Kunde da, der Aspirin für seine schwangere Frau kaufen wollte. An so einer Stelle kann ich dann erklären, dass sie das gar nicht nehmen darf. Hätte er das Medikament aber im Internet bestellt, hätte seine Frau einfach Pech gehabt.”

Katharina Müller

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