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Ein lohnendes Geschäft

08.02.2012 | 19:13 Uhr
Ein lohnendes Geschäft
Kimerlis

Vest.Es besteht zwar kein Grund zur Euphorie. Aber zufrieden zeigten sich Heike Hürland und Manfred Frericks, Vorsteher der Finanzämter Marl und Recklinghausen, bei der Präsentation der Finanzverwaltungsbilanz des Jahres 2011 fürs Vest schon. Und das hat mehrere Gründe:

Erstens: Es wurden im Vorjahr wieder „vermehrt Nachwuchskräfte eingestellt. Gott sei Dank“, erklärte Heike Hürland. Teilweise befanden sich 2011 bis zu 47 Personen in der Ausbildung; gegenwärtig sind es noch 38. Voraussichtlich zehn Nachwuchskräfte im gehobenen sowie sechs im mittleren Dienst werden in 2012 zudem ihre Ausbildung bei einem der beiden vestischen Finanzämter (insgesamt 700 Beschäftigte; 2010: 692) beginnen. So sollen u. a. Altersabgänge kompensiert werden.

Zweitens: Das Gesamt-Steueraufkommen der Finanzämter Marl und Recklinghausen lag 2011 mit 1,621 349 Milliarden Euro leicht über dem des Vorjahres (2010: 1,615 172 Milliarden Euro). „Dieses Plus ist im Vergleich zum Ruhrgebiet allerdings relativ unauffällig“, relativierte Manfred Frericks. Und: „Die Aussichten für 2012 sind nicht so euphorisch!“ So etwa habe es bei der Lohnsteuer im Januar bereits ein leichtes Minus gegenüber der Lohnsteuer vom Januar 2010 gegeben.

Drittens: Die Aufstockung des Pools der Steuerprüfer um rund zehn Prozent (durch Mitarbeiter aus dem Innendienst) hat sich gelohnt: 40,5 Millionen Euro an Steuernachzahlungen erbrachten die 1950 Außenprüfungen der 68 Steuerfahnder in 2011 , so Heike Hürland. 2010 waren noch 38 Millionen Euro an Steuernachzahlungen nach Außenprüfungen fällig geworden. Jeder Steuerprüfer „erwirtschaftete“ in 2011 damit durchschnittlich 596 176 Euro, pro Prüfungsfall 20 788 Euro.

Hinzu kamen die Erfolge so genannter „Flankenschützer“: Personen aus dem Innendienst, die etwa überprüften, ob eine neu angemeldete Firma auch tatsächlich existiert. Allein für das Finanzamt Marl wurde durch deren Einsatz im Vorjahr ein Steuereinnahme-Verlust in Höhe von rund 470 000 Euro verhindert.

Viertens: Die sich bereits 2010 abzeichnende positive Konjunktur-Entwicklung hat im Vorjahr auch das Vest erreicht. „Die Zahl der Insolvenzen war bei uns mit noch 853 Fällen leicht rückläufig“, erklärte Heike Hürland. Zum Vergleich: 2010 waren im Vest noch 996 Unternehmen „pleite“ gegangen (+5,6 Prozent).

Dass sich die Insolvenzen im Vorjahr in bestimmten Unternehmungen häuften, lasse sich aber nicht feststellen, so die Marler Finanzamts-Chefin. „Es gibt vielmehr einen Mix unterschiedlicher Firmen, die in 2011 in die Insolvenz gehen mussten.“

Eine Besonderheit zum Schluss: Einem deutlichen Rückgang bei den Neugründungen von Personen- und Kapitalgesellschaften (-21,6 Prozent) steht im Vergleich zu 2010 eine ähnlich hohe Zahl neu angemeldeter Einzelunternehmen gegenüber. Bei diesen handelt es sich allerdings in erster Linie um Personen, die eine Photovoltaik-Anlage als Gewerbebetrieb angemeldet haben – was Pflicht sei, wie Hürland erklärte. Um hinzuzufügen: Als „Gewerbebetrieb Photovoltaik-Anlage“ schaffe man „keine Arbeitsplätze“. – Nein, leider nicht.

Sabine Kruse

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