Ein Gespräch zum Welt-Toilettentag
19.11.2009 | 15:39 Uhr 2009-11-19T15:39:00+0100
Recklinghausen. Den Welt-Toilettentag hielt Sybille Risse zunächst für einen Scherz. Doch es gibt ihn wirklich. Immer am 19. November. Mit der Hertenerin sprachen wir über ausufernden Papierbedarf, Wischmopp und Lappen, Frauen und Männer.
Es soll sie ja geben, die Menschen, die das stille Örtchen am liebsten aufsuchen, mit etwas zum Lesen. Und dann gibt es solche, die am liebsten etwas darauf schreiben. Ja, Wände sprechen Bände. Hier einige WC-Weisheiten.
Gefunden in einer Kegelkneipe: „Das Schönste an mir bin ich.”
An der Wirtschaftsfakultät: „Marx ist die Theorie, Murks die Praxis.”
In der Schule: Mein Lehrer hat keine Ahnung, ständig fragt er mich”!
Im Schullandheim: Lässt der Bauer einen fahren, flieht das Vieh in hellen Scharen!”
In der Wohngemeinschaft: „Toilettenpapier beidseitig benutzen! Der Erfolg liegt auf der Hand!”
Im Studentenwohnheim: „Meditieren ist immer noch besser als rumsitzen und nichts tun” und „Wer im Glashaus sitzt, sollte im Keller pinkeln.”
Als sie das zum ersten Mal hörte, musste Sybille Risse laut lachen. Welttoilettentag? "Ich dachte, das wär ein Aprilscherz", sagt die 31-Jährige und greift beherzt nach dem gelben Lappen, mit dem sie nur wenig später eine weiße Klobrille reinigen wird.
Die Hertenerin ist bei einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt und kümmert sich vertretungsweise im Löhrhofcenter um Sauberkeit. Sie fegt das Laub aus der Eingangshalle, säubert die großen Aschetonnen auf dem Weg zur Garage und reinigt nicht zuletzt auch das WC in der ersten Etage.
Vor dem Eingang suchen zwei Männer Münzgeld zusammen. Eine Frau hat das Kleingeld schon parat, wirft es in die Box am Ausgang. „Dankeschön” sagt Risse freundlich, als sie vom Damen- ins Herren-WC wirbelt. Zurück auf dem Flur kommt ihr ein Mann mit hochrotem Kopf entgegen. „Tschuldigung, hatte mich vertan, hab's erst gemerkt als ich Stöckelschuhe gehört habe”, sagt er entsetzt. Jeden Tag was Neues und Kontakt zu vielen Menschen, auch deshalb mag Sybille Risse ihre Arbeit. „Eigentlich sind immer alle freundlich”, sagt die Frau, die auch mal Ersatzwindeln in den Wickelraum reicht.
Keine Hemmungen
Hemmungen, Toiletten zu reinigen habe sie nie gehabt, erzählt die zweifache Mutter, die sonst in einem Supermarkt kassiert. Jedenfalls ekle sie sich nicht schnell. „Wenn's ganz schlimm ist, gibt es ja Handschuhe”, sagt sie. „An meinen ersten Vertretungstagen habe ich mich oft gewundert, was für Ferkel Frauen sein können. Die Männer haben aber schnell aufgeholt. Die stören sich auch an einem verstopften WC nicht”, sagt Risse. Wischmopp, Klobürste und Lappen sind bei ihrer Arbeit jedenfalls nicht nur Zierde.
Seit 2001 veranstaltet die Welttoilettenorganisation (WTO) den Welttoilettentag. Klingt komisch, ist aber so. Dahinter steckt ein ernstes Anliegen. Hygienische und funktionierende Toiletten, so die WTO, sollten ein Menschenrecht sein. Wer in Nöten ein Bahnhofs- oder Schulklo aufsuchen musste, wird diese Idee verstehen. 40 Prozent der Weltbevölkerung haben aber weder Zugang zu Trinkwasser noch zu Sanitäranlagen. Probleme mit Fäkalien und Abwässern sind die Folge. Toiletten, in denen wir die Banalität des täglichen Geschäfts verrichten können, sichern unsere Würde. Sie lassen uns gesünder leben und sind Zeichen von Fortschritt und Wohlstand. Deshalb sollten wir nicht nur heute froh sein über jedes gepflegte WC und diejenigen, die dafür sorgen. oa
Immer mehr Kunden des Einkaufscenters treten in eine der Kabinen. „Sie müssten mal an einem Samstag oder in den Ferien hier sein”, erzählt Sybille Risse. Dann nämlich, so schätzt sie, suchten pro Stunde 80 oder 100 Menschen das WC im Einkaufszentrum auf. Da bleibt kaum Zeit für eine kurze Zigarettenpause. „Dann fülle ich fast alle halbe Stunde das Klopapier auf und frage mich: Essen die das?” Die junge Frau streicht sich eine Strähne aus dem Haar und muss wieder lachen.
Am Welttoilettentag hat sie frei
Viel Aufhebens wird Sybille Risse um den Welttoilettentag am Donnerstag nicht machen. „Ich habe nämlich frei, Überstunden abbauen”, sagt sie. Einen Wunsch hat sie für sich und ihre Kollegen aber. „Wenn die Männer das mit dem Treffen lernen könnten, das wäre schön.” Ja, wirklich sehr schön...
19:22
@2: Das ist doch gewollt. Die Leute, die noch die Bahnhöfe erreichen zahlen jeden der unverschämten Preise, als negativstes Beispiel fällt mir Köln ein, die die Bahn, oder der von Ihr installierte Betrieb, dort verlangt. Meistens sind die Bahnhöfe so gelegen, dass alternative kostenfreie Toiletten, soweit überhaupt vorhanden, nicht zu erreichen sind.
18:04
@1:Ihr Kommentar ist dringend den Managern der DB zu empfehlen.Führt vielleicht dazu,dass man sich als Fahrgast in manchen Regional-und S-Bahnzügen in Zukunft nicht mehr in die Hosen machen muss.
10:43
Hallo Freunde,
Nach Ansicht der „World Toilet Organisation (WTO)“ sind hygienische und zweckmäßige Toiletten eine Notwendigkeit und ein grundsätzliches Menschenrecht. Sie seien auch ein Symbol für den Fortschritt einer Gesellschaft.
2,5 Milliarden Menschen weltweit haben keinen Zugang zu angemessenen sanitären Einrichtungen. Durch Magen-Darm-Infektionen verursacht Krankheiten sterben fünf Mal so viele Kinder in den Entwicklungsländern, wie an HIV / AIDS.
Schaut mal hier rein: http://www.2aid.org/wasser
Wir können helfen!
Liebe Grüsse,
anna :)