Ein besonderer Geist
09.02.2012 | 20:03 Uhr 2012-02-09T20:03:00+0100
Herten.Ausnahmezustand rund um die Gesamtschule, Feiertag an einem eigentlich doch sehr normalen Donnerstag. Schüler, die mit ihren Lehrern um die Wette strahlten, und obwohl es weder Ferien, noch Zeugnisse oder „Kältefrei“ gegeben hatte, wehte ein besonderer Geist durchs Haus. Bemerkenswert, welche Kräfte freigesetzt werden, wenn nur der Anlass stimmt. Rosa-Parks-Tag, hoffentlich im nächsten Jahr wieder.
Geredet wurde viel, gesungen, getanzt und Spaß gehabt noch viel mehr. Letztlich aber war es dieser eine Satz, der in seiner tiefen Bedeutsamkeit dann doch über allem schwebte und einmalig war.
„Rosa Parks würde sich sehr freuen, wenn sie hätte erleben können, wie ihr Erbe an dieser Schule fortgeführt wird.“ Sagte Janice G. Weiner, Generalkonsulin des US-Generalkonsulats in Düsseldorf, die als Ehrengast eingeladen war, den 3. Rosa-Parks-Award zu überreichen.
Auf den Tag zwei Jahre zuvor war US-Botschafter Philip D. Murphy in Herten noch empfangen worden „wie ein Rockstar“, so Weiner. Und auch diesmal sorgte der Tag zu Ehren Rosa Parks’, Namensgeberin der Schule, eine der „Mütter der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung“ und wie Martin Luther King eine, so Weiner, „der großen Figuren der Geschichte“, für Ausgelassenheit.
Schüler, die sich kritisch mit leider nach wie vor existierenden Themen wie Diskriminierung und Rassismus auseinandersetzen – herrlich und Beweis dafür, wie richtungsweisend Schule auch ohne Noten sein kann.
Das Programm? Ein Gedicht, weil man sich auf alles einen Reim machen konnte. Geprägt von Vielfältigkeit, Respekt voreinander, Respekt vor allem vor dem Menschen, der vielleicht anders aussieht, andere Wurzeln hat. Begrüßungen auf Türkisch, Albanisch, Arabisch, Französisch, Hebräisch, Englisch, selbst auf Latein und Lingala, einer der Sprachen Angolas, dem Land, in dem die Familie von Mena Vela ihre Wurzeln hat. Mit Muhammet Bayrak führte die 14-Jährige durchs Programm, und wenn die Lehrer beiden noch keine guten Noten dafür gegeben haben, sollten sie das heute nachholen.
Im Ernst: Das, was die Schüler auf die Beine und die Bühne stellten, war mal fesselnd und furios, dann wieder leise und nachdenklich. Ein gar wunderbares Treiben, das mehr als zwei Stunden die Stimmung im Forum bestimmte und am Ende auch auf dem Schulhof spürbar war.
Wie die Konsulin schon sagte. Rosa Parks, die große, alte Dame, die einst an diesem 1. Dezember 1955 im rassistisch geprägten Montgomery/Alabama verhaftet wurde, weil sie sich weigerte, ihren Platz in einem Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen. Eine Frau, die sitzenblieb, damit ein ganzes Volk aufstehen konnte.
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