Ein Baas, wie er im Buche steht
14.02.2012 | 16:29 Uhr 2012-02-14T16:29:00+0100
Recklinghausen.Mehdi Noheh-Khan (66) hat in seinem Leben schon viel erreicht: Jahrzehnte lang führte er ein Teppich-Atelier, regierte als Karnevalsprinz die Jecken und ist Vorsitzender des Heimatvereins Aolt Surk. Doch dem nicht genug, jetzt ist er sogar in einem Schulbuch abgebildet.
Wer das aktuelle Geografie-Buch „Terra“, mit dem Schüler in Hamburg büffeln, durchschaut, wird auf Seite 65 fündig. Dort steht im Kapitel „Migration und Integration“ ein Artikel über Mehdi Noheh-Khan. Zudem zeigt ein Foto ihn in voller majestätischer Pracht als Prinz Karneval. „Mich hat vor einiger Zeit der Verlag angerufen und gefragt, ob ich Interesse hätte, in dem Schulbuch als positives Beispiel zum Thema Integration genannt zu werden“, erinnert sich der fünffache Großvater, „doch ich habe den Anruf gar nicht so ernst genommen und die Sache mit dem Buch irgendwie vergessen.“
Um so erstaunter war „Onkel Mehdi“, wie er von vielen Mini-Narren liebevoll genannt wird, als er plötzlich ein Paket aus Hamburg mit einem Buch und einem Dankesschreiben in den Händen hielt. „Ich habe in der Lektüre geblättert und bin auf einmal über mein Foto gestolpert“, erklärt der Karnevalist mit einem Lachen. „Ich war sehr überrascht und in einem Schulbuch zu stehen, ist ja schon etwas Besonderes.“ Zudem befindet sich der gebürtige Perser in bester Begleitung. „Ich bin auf einer Seite mit dem Musiker Xavier Naidoo abgedruckt, das ist doch mal was!“, freut er sich und klingt dabei stolz.
Grund stolz zu sein hat Mehdi Noheh-Khan genug. „Dass ich als positives Beispiel zum Thema Integration genannt werde, zeigt mir, dass es mir gut gelungen ist, mich anzupassen und an der Gesellschaft teilzunehmen. Ich habe es geschafft, die Kultur und die Brauchtümer kennen zu lernen.“ Das war für Mehdi aber keine große Kunst. „Wenn man sich Mühe gibt, dann kann man das gut schaffen“, ist er überzeugt. Und er gibt anderen Migranten Tipps: „Wenn man sich überlegt hat, dass man langfristig in Deutschland bleiben möchte, dann ist es wichtig, die Tradition Europas zu pflegen.“ Seine eigenen Wurzeln zu vergessen, bedeutet das aber keinesfalls für den Recklinghäuser. „Ich lebe beide Kulturen, so feiere ich auch iranische Feste mit meiner Familie.“ Ein besonderer Aspekt seien bei der Integration vor allem Deutsch-Kenntnisse. „Wenn du die Sprache sprichst, dann kommst du überall klar. Aber man muss schon Geduld haben, die ersten fünf Jahre sind jedoch sehr schwer, aber ich habe es geschafft.“ Was ihm geholfen hat, in Recklinghausen richtig heimisch zu werden, war der Eintritt in Vereine.
Seit seiner Ankunft in Deutschland schlägt Mehdis Herz für den Karneval. Er war der erste ausländische Karnevalsprinz der Ruhrfestspielstadt. „Ein Leben ohne den Karneval kann ich mir nicht vorstellen. Ich habe schon zu meiner Frau Hildegard gesagt: ‚Wenn ich nicht mehr Karneval feiere, dann musst du mich entsorgen!“ Er lacht über das ganze Gesicht und seine dunklen Augen blitzen spitzbübisch auf. „Besonders geehrt fühle ich mich, dass ich nun sogar der Vorsitzende von Aolt Surk bin.“ Mit den alten Sitten Suderwichs käme er sehr gut zurecht. Seine „Uniform“, den so genannten Blau-Kittel, den er als „Baas“ (Boss) des Vereins trägt, ist für ihn eine riesige Ehre. „Mein Blau-Kittel zeigt, dass man alles schaffen kann. Egal wo ich eingeladen bin, ob in Köln oder Aachen, ich komme immer in meinem Kittel.“ Etwas Ungewöhnliches hat sich der ehemalige Teppichhändler für die kommenden Monate vorgenommen: „Ich versuche, jetzt sogar plattdeutsch zu lernen“, verrät er seine Pläne.
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