Gesundheit
Durch Entschlackung zur bewussten Ernährung finden
02.02.2010 | 19:12 Uhr 2010-02-02T19:12:00+0100
Oer-Erkenschwick. Gibt es wirklich etwas zu gewinnen für einen Menschen, der bewusst verzichtet? Der sich streng nach Vorschrift ernährt statt zu essen nach Lust und Laune? Andrea (39), Saskia Kemner (25) und Dr. Siegbert Teichert (49) haben es ausprobiert.
Zwei Wochen lang waren für sie Kaffee, Fleisch, Zucker, Milch- und Mehlprodukte vom Speiseplan gestrichen. Das ließ die Lehrerin aus Haltern, die Studentin aus Recklinghausen und den Mediziner aus Oer-Erkenschwick nicht nur zusammen mehr als zwölf Kilo Gewicht verlieren, sondern vor allem auch eine neue Bewusstheit für die eigene Ernährung (wieder-)gewinnen.
Wasser, Kräutertee und Haferschleim
Zugegeben: Ganz ohne jegliche Anstrengung erreichen lässt sich so etwas nicht. Es gab in diesem Entschlackungsprogramm eine Phase, gesteht etwa Saskia Kemner, da habe sie sich gefragt: „Mensch, warum tust du dir das an?“ Jeden Tag nur Wasser, Kräutertee, morgens Haferschleim, mittags und abends stets dieselbe Gemüsesuppe . . . „Im Prinzip lecker, aber: Am Ende der ersten Woche kam sie mir zu den Ohren raus.”
Auch Siegbert Teichert hatte Momente, in denen er nicht viel davon bemerkte, dass er seinem übersäuerten Organismus gerade etwas Gutes antat mit der basenreicher Ernährung, dass er seinen Körper zurück auf einen „guten Weg” brachte. Über Kopfdruck klagte der Allgemeinmediziner vielmehr nach ein paar Tagen. „Ich dachte an eine Grippe.”
Am schwersten sind die ersten Tage
Für Brigitta Kemner (28), Lehrerin für Gesundheit und Persönlichkeitsentwicklung aus Oer-Erkenschwick, sind Erfahrungen wie die von Saskia und Siegbert typisch bei einer derart radikalen Ernährungsumstellung. „Die ersten Tage sind dabei für gewöhnlich die anstrengendsten”, weiß die Inhaberin von „comfort coaching” . Denn sowohl der Geist, als auch der Körper müssen sich erst an die Veränderung gewöhnen. 21 Tage dauere es normalerweise, bis man seinen inneren Schweinehund besiegt habe, bis einem auch mit Anstrengungen verbundene Neuerungen leichter fallen.
Und die Kopfschmerzen? „Eine Reaktion des Körpers auf den Entzug von Zucker.” Weitere mögliche Symptome dafür seien eine gewisse Schlappheit, ein verstärktes Kälteempfinden und vermehrte Müdigkeit. Doch nach ein paar Tagen, so Kemner, sei das alles für gewöhnlich vorbei. Jetzt fühlten sich auch Saskia und Siegbert richtig gut. Und selbst Andrea konnte das Essen mittlerweile genießen, denn die Magenschleimhautentzündung, die sie in der ersten Entschlackungswoche ereilte, war nun ausgestanden.
Nach der Entschlackung eine bewusstere Ernährung
Was sich für die drei verändert hat durch die zwei Wochen (abgesehen von den verlorenen Kilos)? Siegbert Teichert sagt, für ihn sei die erste Tasse Kaffee danach „der reinste Genuss” gewesen; und dass „dieses Kaffeekippen” für ihn ab sofort vorbei sein soll. Andrea sagt, dass sie jetzt plötzlich „viel schneller satt” ist und nun noch motivierter noch mehr abnehmen möchte. Und Saskia Kemner sagt, sie bringe Nahrungsmitteln nun wieder „mehr Wertschätzung” entgegen.
Das zweiwöchige Entschlackungsprogramm als Initialzündung für eine bewusstere Ernährung: Das kann funktionieren, betont Brigitta Kemner. In Ruhe zu essen, hochwertige Lebensmittel einzukaufen, sich an den Arbeitsplatz Tag für Tag eine Flasche Wasser hinzustellen (und diese auch zu trinken), sich Auszeiten zu nehmen, zählt sie hierfür einige Möglichkeiten auf. Aber auch diese: „Bauen Sie kleine Essenssünden bewusst in Ihren Alltag ein!”
Denn um etwas zu gewinnen, muss man ja nicht gleich auf alles verzichten. Zumindest nicht auf Dauer.
- Weblog: Gesund durch Verzicht
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