Dominique Horwitz spielt ein echtes Ekelpaket
07.06.2010 | 16:51 Uhr 2010-06-07T16:51:00+0200
Recklinghausen.Tankred Dorsts Komödie „Ich soll den eingebildet Kranken spielen“ feierte mit Dominique Horwitz Premiere bei den Ruhrfestspielen. Horwitz mimt in dem Stück den Schauspieler Hans Falk - ein echtes Ekelpaket.
Den prominenten Schauspieler Dominique Horwitz schüttelt’s, wenn er an seinen großkotzigen Kollegen denkt, den er seit Montagabend auf der Ruhrfestspielbühne darstellt: „Das ist ein rücksichtsloser Egomane, ein schrecklicher Mensch. Mit so einem möchte man auf keinen Fall leben.“ Horwitz mimt den Schauspieler Hans Falk im dem Stück „Ich soll den eingebildet Kranken spielen“ von Tankred Dorst.
Der 84-jährige Autor, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Dramatiker, der Montagabend die deutsche Erstaufführung seines Werks auf dem Grünen Hügel miterlebte, gibt dem Schauspieler Recht. Stellt sich aber auch ein wenig schützend vor seine Figur: „Niemand ist absolut gut oder böse.“ Ruhrfestspielchef Frank Hoffmann stimmt dem berühmten Dramatiker zu: „Dieser Schauspieler ist ein Ekelpaket, aber auch sehr verletzlich, das sind Momente, da kann man ihn auch lieben.“
Und darum geht’s: Der Schauspieler Hans Falk bekommt das Angebot, in Molières Tragikomödie den eingebildeten Kranken Argan zu spielen. Bald glaubt er allerdings selbst, erste Krankheitssymptome zu spüren. Wie Molières Argan steigert er sich so sehr in seine Rolle hinein, dass er sich immer mehr in der Ausweglosigkeit von Krankheit und Tod verliert. Der bislang quicklebendige Schauspieler siecht sichtbar dahin. Sein Glaube versetzt sozusagen Berge.
Eine Komödie über eine Tragikomödie
Mit Molière setzt sich Dorst schon lange auseinander: „In den sechziger Jahren, da kam Peter Zadek auf mich zu und beklagte die vielen schlechten Übersetzungen von Molière-Texten.“ Damals kam Tankred Dorst, der gebürtige Thüringer, der lange in München lebt, erstmals mit „Der eingebildete Kranke“ in Berührung: „Das ist ein Text, der ist sehr witzig, sehr direkt, scharf.“ Molière habe seinen Text vor allem als Satire auf die Ärzteschaft geschrieben: „Das hat mich nicht so interessiert.“
Tankred Dorst schrieb stattdessen eine Komödie über eine Tragikomödie, die das Schauspielerleben, aber auch das Leben und den Tod im Allgemeinen reflektiert. Auch etwas von Peter Zadek, dem berühmten Regisseur, sei da eingeflossen: „So schön die Arbeit mit ihm war, auch das wäre kein Mensch gewesen, mit dem man hätte leben wollen.“
Von Tankred Dorst liegen inzwischen nahezu 40 Texte vor, aber gerne erinnert er sich auch an sein erstes Drama: „Das habe ich in der Schule geschrieben, und zwar über einen Streit zwischen Bauern über die Kartoffeln.“ Weiter ging es an der Universität in München, wo Dorst Stücke für ein studentisches Marionettentheater schrieb: „Zwei davon werden bis heute noch aufgeführt.“
Horwitz und Dorst kennen sich seit 1986: Damals spielte Horwitz den Regieassistenten in dem Dorst-Drama „Ich Feuerbach“. Und das Ruhrfestspiel-Publikum kennt Horwitz ohnehin schon seit vielen Jahren: „Ich fühle mich hier besonders geschätzt.“
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