„Dieser Lohn ist ein Hohn”
15.05.2009 | 16:01 Uhr 2009-05-15T16:01:00+0200
Hundert Schlecker-Frauen streiken am Freitag und Samstag für mehr Geld und einen Sicherheitstarifvertrag
Vest. Spötter behaupten, so viele Mitarbeiterinnen der Drogeriemarktkette Schlecker an einem Ort noch nie gesehen zu haben. Laut Verdi waren es hundert streitbare Frauen aus dem nördlichen Ruhrgebiet, die sich am Freitag auf dem Hertener Hans-Senkel-Platz vor einem XL-Markt des Unternehmens versammelt hatten. Dort schrien sie ihre Forderungen nach mehr Lohn, mehr Sicherheit und mehr Transparenz im Unternehmen lautstark heraus.
Andrea Bornemann (Recklinghausen) und Helmut Süllwold (Herne/Bochum) führen für Verdi das Wort. Faktisch geht es um 6,5 Prozent mehr Lohn (mindestens 135 Euro im Monat) und einen Sicherheitstarifvertrag. Die erste Forderung begründet Bornemann mit der schlichten Notwendigkeit, „dass die Frauen mehr Geld im Portmonee haben müssen”. Die Bedeutung der zweiten Forderung unterstreiche eine kürzlich zu Ende gegangene Serie von zwölf Überfällen auf Filialen im Vest, sagt Betriebsrätin Karin Baumann.
„Bei Schlecker ist alles lecker, nur der Lohn ist ein Hohn”, skandiert die Gruppe. Und nicht nur der, berichten die streitbaren Frauen aus dem Kreis Recklinghausen, aus Bochum, Gelsenkirchen und Herne. Hier auf dem Hans-Senkel-Platz habe das Unternehmen aus dem baden-württembergisch Ehingen genau das praktiziert, was sie alle fürchten. Baumann: „Auf der einen Platzseite hatten wir einen normalen Laden, der geschlossen wurde. Auf der anderen ist der XL-Markt eröffnet worden. Den Weg von hüben nach drüben, die 50 Meter, hat aber nur die Ware geschafft. Die Mitarbeiterinnen sind entweder versetzt oder ihnen ist gekündigt worden.”
Das sei offenbar die neue „Linie”, berichtet die Betriebsrätin für den Schleckerbezirk Herten/Recklinghausen. „Sie schließen die alten Filialen und übernehmen die Mitarbeiter nicht. So werden sie auf einen Schlag sowohl die Tarifpflicht gegenüber den Angestellten als auch die ungeliebten Betriebsräte los.” Denn die XL-Stores seien Teil einer neu gegründeten Gesellschaft, deshalb handele es sich auch nicht um Betriebsfortführungen mit Personalübernahmen. Karin Baumann: „Der Lohn der Neuen liegt bei nur gut der Hälfte dessen, was der Tarif eigentlich vorsieht.” Und 500 dieser Märkte, sei zu hören, sollen in diesem Jahr noch eröffnet werden.
Ein weiteres Mittel zum Zweck in der Schlecker'schen Umstrukturierung ist eine eigene Zeitarbeitsfirma, die Meniar Personalservice GmbH. Über sie würden Personalfragen geregelt. „Wir rechnen mit Stundenlöhnen bis maximal 6,50 Euro und mit einer Abkehr von Dauerbeschäftigung”, sagt Gewerkschaftssekretärin Andrea Bornemann. Die Schlecker-Frauen denken, dass so der Druck auf die Belegschaft hoch und der Drang zur Streitbarkeit niedrig gehalten werden soll.
11:23
Der Mindestlohn …. Auch für Zusteller der WAZ?!
Als Betroffener bin ich immer wieder begeistert, wie engagiert die WAZ die Mindestlohndiskussion begleitet und in den Kommentaren Mindestlöhne befürwortet. So weit - so gut!
Allerdings scheint weder den Berichterstattern noch den Kommentatoren bekannt zu sein, dass im eigenen Konzern Hungerlöhne für die Zusteller, das wichtige „letzte Glied zum Kunden“ -siehe Stellenangebote! – gezahlt werden, von den Arbeitsbedingungen (Witterung/Nachtzeit) ganz zu schweigen:
Für im Schnitt 100 Zeitungen pro Tag bei einem Zeitaufwand von ca. 70 Minuten und 25 Arbeitstagen je Monat erhalte ich ca. € 4,91 je Stunde, wobei noch eine teilweise zu versteuernde Nachtzulage von durchschnittlich € 1,02 hinzukommt, insgesamt also stolze € 5,93 je Stunde!
Es gibt auch bezahlten Urlaub von 24 Werktagen bei einer 6-Tagewoche, was bedeutet, dass ich tatsächlich 4 ganze Wochen im Jahr frei habe.
Ach ja, hätte ich fast vergessen, Weihnachtsgeld gibt es selbstverständlich auch, wenn nicht die Geschäftsleitung, wie im Vorjahr geschehen und dank des Engagements des einzigen Betriebsrats schließlich verhindert, erneut versucht, die Kostenschraube an uns Zustellern anzuziehen.
Selbstverständlich ist jeder Zusteller für seine witterungsgerechte Bekleidung und Schuhwerk sowie für Leuchtmittel und Batterien selbst verantwortlich und trägt hierfür auch die Kosten.
Wenn das Auto für die Zustelltätigkeit benutzt wird, was in vielen Revieren notwendig ist, wird dies mit einer Vergütung von € 0,21 je im Revier gefahrenen km abgegolten, wobei es keine Rolle spielt, dass die Fahrzeuge durch ständiges stop-and-go außerordentlich stark beansprucht werden. Auch für verstärkte Verschmutzung der Fahrzeuge, gerade in ländlichen Revieren, erfolgt kein Ausgleich.
Ich würde mich freuen zu dieser Thematik in der WAZ einen Bericht zu lesen, glaube aber nicht wirklich an Wunder!
20:46
Hier wird einmal mehr bewiesen das der kleine Angestellte oder Arbeiter fast keine Lobby mehr hat. Hat die Gewerkschaft einfach nicht mehr die Macht und den Schneid so wie die Argumente gegen eine solche Personal und Tarifpolitik a la Schlecker die Massen zu mobilisieren. Schleckers Personal und Tarifpolitik kann morgen schon die nächste Supermarktkette erreichen.